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Mit anderen Augen Wie ich durch meine Tochter lernte, die Welt neu zu sehen von Körner, Fabian S. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.05.2018
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Mit anderen Augen

In seinem neuesten Buch erzählt Fabian Sixtus Körner, was die Intensivstation für Neugeborene und ein Transitraum gemeinsam haben, wie seine Tochter seinen Blick auf die Menschen und die Welt verändert hat, und warum das Reisen mit Kind und Kegel zu den schönsten Erfahrungen zählt, die er jemals gemacht hat. Fabian Sixtus Körner, geboren 1981, ist Designer, Fotograf, Innenarchitekt und Blogger. Anfang 2010 begann er die Welt zu bereisen und für Kost und Logis zu arbeiten. Innerhalb von zwei Jahren besuchte er alle fünf Kontinente, seit April 2012 lebt und arbeitet er in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 280
    Erscheinungsdatum: 11.05.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843717557
    Verlag: Ullstein
    Größe: 6644 kBytes
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Mit anderen Augen

Q90 - EIN
RÄTSELHAFTER BEFUND

Berlin,
September 2016

I ch bin Pessimist. Darin liegt mein Optimismus. Das Worst-Case-Szenario ist mein ständiger Begleiter - nur beunruhigt es mich nicht. Im Gegenteil hilft es mir, innere Ruhe zu finden. Was kann schon passieren? Was wäre so schlimm, dass es sich nicht lohnen würde, weiterzumachen; weiterzuleben?

Optimisten werden sich nun fragen, wie man mit dieser Einstellung ein glückliches Leben führen kann, dabei liegt es auf der Hand: Es gibt keine bösen Überraschungen. Ausschließlich gute, ständig. Permanent werden meine Erwartungen ans Leben übertroffen. Und wenn doch mal die Frage nach dem "Warum?" aufkommt - "Warum ich? Warum passiert gerade mir so etwas?" -, dann habe ich mir die Antwort darauf meist schon im Vorhinein zurechtgelegt.

An diesem spätsommerlichen Tag Mitte September aber hatte ich es schlichtweg versäumt, mir eine passende Antwort zu überlegen.

Nico fuhr neben mir, hochschwanger, auf ihrem neuen Damenrad. Sie hatte es sich für die Schwangerschaft und die Zeit danach gekauft, um einfacher aufsitzen zu können als bei ihrem Mountainbike.

"Lass uns auf den Bürgersteig wechseln", sagte sie, als wir durch die Kopfsteinpflastergegend nahe des Landwehrkanals in Kreuzberg radelten. "Nicht, dass ich hier eine Sturzgeburt hinlege."

Ihre Entspanntheit war so ansteckend, dass auch ich keine Anzeichen von Nervosität verspürte. Es war der Tag des errechneten Geburtstermins, aber es gab keine körperlichen Signale für bald einsetzende Wehen, sodass ihre Gynäkologin uns für einen hoffentlich letzten Termin zur Untersuchung gebeten hatte.

"Die Herztöne sind mir etwas zu flach, und das Fruchtwasser wird knapp. Ich rufe jetzt im Krankenhaus an, um Sie anzukündigen", erklärte sie uns unaufgeregt. "Wir werden Sie weiterhin an das CTG anschließen, um die Herztöne des Kindes zu überwachen", wandte sie sich erst an Nico, dann an mich, "und Sie gehen bitte nach Hause, holen die gepackten Taschen und kommen dann wieder hierher, um mit ihrer Freundin ins Krankenhaus zu fahren. Keine Hektik, alles ist in Ordnung. Fahren Sie langsam und aufmerksam." Tatsächlich war ich nach ihrer Ansage sehr ruhig. Was bei mir hängen blieb, war "alles ist gut" und "es geht gleich los". Also war ich optimistisch.

Die Geburtsklinik war überfüllt. "Wir haben seit ein paar Wochen einen regelrechten Babyboom in Berlin. Und dann ist morgen Vollmond. Wir gehen davon aus, dass wir heute Nacht zahlreiche akute Fälle reinbekommen", erklärte uns die diensthabende Stationsärztin. Da bei Nico noch keine Wehen eingesetzt hätten, würde man bei anderen Kliniken anfragen, ob dort noch ein Kreißsaal zur Verfügung stünde.

Während wir warteten, wurde Nicos Bauch erneut verkabelt, die Herztöne unseres Kindes weiterhin überwacht. Wir machten es uns im Kreißsaal gemütlich, stellten uns auf einen langen Tag ein. Zwei Stunden später fällte das Klinikteam eine Entscheidung.

"Die Herztöne sind tatsächlich abnehmend. Wir sollten keine Zeit verlieren, wenn die Geburt natürlich verlaufen soll. Wir bekommen Sie schon irgendwie unter."

Nico wurde ein Wehen förderndes Mittel in Form einer Kapsel verabreicht, und wir warteten weiter. Nichts passierte. Nach vier Stunden mussten wir den Kreißsaal wegen eines der angekündigten akuten Fälle räumen. Zeitweise wurde uns der Schwesternraum mit einer Schlafcouch zur Verfügung gestellt, ein Bett für Nico sowie ein Monitor für die schwächer werdenden Herztöne unseres ungeborenen Kindes hereingerollt.

Es wurde Nacht. Ständig verrutschten die Elektroden auf Nicos Bauch, sodass wir, kaum waren wir eingeschlafen, vom schrillen Ton des Monitors aufschreckten. Immer wieder blieb mir fast das Herz stehen, bei diesem Geräusch, das einen vermeintlichen Herzstillstand unseres Kindes anzeigte. Unweigerlich machte sich nun doch Anspannung breit.

Um zwei Uhr früh schr

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