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Nix wie Heimat! Für euch unterwegs in Deutschland von Altmeier, Lisa (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.10.2015
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Nix wie Heimat!

Von Helgoland bis Himmelpfort - zwei junge Frauen entdecken unsere Heimat neu!
Lisa und Steffi beweisen, dass ihr Heimatland entdeckt werden will. Mit meterhohen Rucksäcken sowie einer großen Portion Neugier und Aufgeschlossenheit fahren sie kreuz und quer durch die Republik, von Helgoland bis Freiburg. Dabei verschlägt es sie an die ungewöhnlichsten Übernachtungsorte: zum Beispiel in Bombenkrater und Demenz-WGs, in eine Höhle und sogar in den Zirkus. Außerdem besuchen sie Menschen in einer psychiatrischen Klinik und schlafen bei Seeleuten. Das Mutigste daran: Lisa und Steffi suchen sich ihre Ziele nicht selbst aus, sondern lassen andere Menschen über ihre Reiseroute entscheiden ...

Lisa Altmeier hat in Köln und Lausanne Medienpsychologie und Medienkulturwissenschaften studiert. Sie hat Praktika beim WDR Tatort, beim ZDF und im Politik-Ressort von ZEIT Online absolviert. Lisa Altmeier ist Absolventin der Deutschen Journalistenschule in München und arbeitet als Fernseh- und Radiojournalistin für für das Jugendprogramm PULS vom BR.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 05.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641106843
    Verlag: Blanvalet
    Größe: 1284kBytes
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Nix wie Heimat!

2: BAUTZEN, DRESDEN

"Ich glaube, Deutschland ist so wie Angela Merkel."

"Wer sind eigentlich die Sorben?"

(Sebastian, Straßenumfrage München )

Lisa

Wir hatten keine Zeit, uns vor der Abfahrt in Hamburg Richtung Osten noch was zu essen zu kaufen, und müssen deshalb jetzt im Zug speisen. Unsere Beziehung zur Deutschen Bahn ist absolut in Ordnung. Wir haben Deutschland-Tickets, mit denen wir für weniger als dreihundert Euro pro Person den ganzen Monat lang durch das Land reisen können. Meistens finden wir sogar Sitzplätze. Und im Gegensatz zum Flughafen wird man bei Zugfahrten nicht Ewigkeiten auf mitgeführte Bomben untersucht, und es ist auch nicht schlimm, wenn man einen Zug verpasst. Passiert uns natürlich nie. hust

Aber jetzt, wo wir hier im Speisewagen sitzen und die Menükarte studieren, verfluchen wir unser Sommerzuhause, während an uns das schöne Hamburg vorbeisaust. Die Karte erklärt, dass das Essen nach Rezepten von Starkoch Horst Lichter zubereitet wird. Vermutlich ist das auch der Grund dafür, dass es schweineteuer und vegetarierfeindlich ist. Ich stochere lustlos in einem nach nichts schmeckenden Kartoffelsalat rum. "Wenn das Essen von Horst Lichter wirklich so schmeckt, dann wird dieser Typ wirklich chronisch überschätzt. Ich wette, der Mann hat das nicht mal probiert."

Als wir uns daran erinnern, wo wir gerade hinfahren, werden wir wieder besser gelaunt. Es geht Richtung Berlin. Und es ist Wochenende. Und Deutschland spielt im Finale der Fußballweltmeisterschaft. Ein richtiges Wochenende wird es allerdings nicht werden, weil wir das Sorben-Thema noch festzurren und die erste Folge unserer TV-Reportage, den Film über Helgoland, noch schneiden müssen. Und das alles bis zum Montagmorgen nach dem WM-Finale, denn dann geht's weiter nach Bautzen.

Wir übernachten in der WG unserer Freundin Hannah, nur dass Hannah nicht da ist und uns netterweise für zwei Tage ihr Zimmer überlässt. Wir verlassen es nur für Notfälle. Wir hocken vor den Laptops und schneiden, schneiden, schneiden. Wir sehen nicht, wer auf der Straße rumläuft, wir registrieren nicht, ob die Sonne scheint, wir reden nicht mit Menschen. Wir arbeiten einfach nur.

Und dann ist plötzlich Sonntagabend, WM-Finale. Deutschland gegen Argentinien. Und ratet, was noch nicht fertig ist? Genau, unsere Reportage. Scheiße, was machen wir denn jetzt? Wir müssen das Finale auf jeden Fall gucken, und zwar nicht hier in der Wohnung, sondern da draußen. Also unterbrechen wir unseren Schnitt. Aber es ist klar: Wir müssen die Sendung noch diese Nacht zu Ende schneiden und verschicken, Weltmeisterschaft hin oder her. Die große Filmdatei muss vor morgen früh beim SWR in Baden-Baden landen, an den wir unsere Reportagen ja weiterverkaufen. Sonst kann unsere Sendung diese Woche nicht im Fernsehen laufen.

"Deutschland darf eigentlich auf keinen Fall Weltmeister werden", sagt Steffi, und ich stimme ihr zu.

"Wie sollen wir nach einem gewonnenen Finale zurück an den Laptop, wenn alle feiern?"

Nach einer einstündigen Suche finden wir in der Nähe des Oranienburger Tors einen Kiosk, der uns beherbergt. Der dunkelhaarige Besitzer und sein Bauch stellen den Flachbildschirm ans offene Fenster, an dem eine brasilianische, eine deutsche und eine türkische Nationalflagge hängen. Dann klappt er Bierbänke auf und holt Plastikstühle aus dem Hinterzimmer. Außerdem verkauft er uns unser Abendessen: eine Tüte Paprikachips. Wir rutschen mit ein paar besoffenen Engländern zusammen und amüsieren uns über einen Peruaner, der schon vor Spielbeginn das argentinische Team als Schwanzlutscher beschimpft und uns als Weicheier, weil wir nicht mitschimpfen. "Ihr Deutschen seid viel zu brav, was ist hier los? Wo bleiben eure Aggressionen, Leute?" Er sitzt in der ersten Reihe und hat eine Deutschland-Flagge um seinen Stuhl gewickelt. Im Gegensatz zu uns hat er auch kein Problem damit, die Hymne

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