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Pink Sari Revolution Die Geschichte von Sampat Pal, der Gulabi Gang und ihrem Kampf für die Frauen Indiens von Fontanella-Khan, Amana (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.02.2014
  • Verlag: Carl Hanser Verlag München
eBook (ePUB)
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Pink Sari Revolution

Wo immer die Frauen der 'Gulabi Gang', der 'pinkfarbenen Bande', in Aktion treten, sind sie eine eindrucksvolle Erscheinung mit ihren leuchtenden Saris - und den Bambusstöcken, die sie, wenn nötig, auch einsetzen. Sie wehren sich gegen die massive Gewalt, der Frauen in Indien oft ausgesetzt sind - im privaten wie im öffentlichen Raum. Gründerin und Anführerin der über 20.000 Mitglieder zählenden Selbstschutzgruppe ist Sampat Pal, Ende vierzig, charismatisch und unerschrocken. Fesselnd wie ein Roman erzählt Amana Fontanella-Khan die faszinierende Geschichte dieser unkonventionellen Frau und ihrer Gang.

Amana Fontanella-Khan, geboren 1984 in Wien, hat pakistanisch-irische Wurzeln und wuchs in Österreich auf. Nach Stationen in Frankreich, Spanien und Mumbai lebt sie zurzeit in Brüssel. Sie schreibt regelmäßig über Frauenrechtsthemen, u. a. für die New York Times und das Slate Magazine. Pink Sari Revolution ist ihr erstes Buch. Sie ist Ehrenmitglied der Gulabi Gang.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 24.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783446245815
    Verlag: Carl Hanser Verlag München
    Größe: 3856 kBytes
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Pink Sari Revolution

1
EINE ROSE IM ÖDLAND

In Uttar Pradesh kann nicht einmal Gott das Verbrechen eindämmen.

- Times of India, Schlagzeile

Ein Wintermorgen in Bundelkhand ist eine zähneklappernde, gliederschlotternde Angelegenheit. Aus Häusern, die so gebaut wurden, dass sie während der glühend heißen Sommermonate halbwegs kühl bleiben, flieht im Winter im Handumdrehen auch noch die leiseste Wärme, etwa aus einer nachts vom Schläfer aufgeheizten Bettdecke. Das Schwerste ist das Aufstehen am Morgen. In ungedämmten Ziegelhäusern lauert eine hinterhältige klamme Kälte in den glatten Betonböden, die sofort in die blanken Fußsohlen eindringt.

Sampat Pal machte die Eiseskälte nichts aus. Am Morgen des 14. Dezember 2010 stand die Chefin der Gulabi Gang im Morgengrauen auf und tappte von ihrem Zweiraumbüro in den Innenhof des Hauses, um sich zu waschen.

Sie packte den kalten Stahlhebel der Handpumpe und bewegte ihn auf und nieder, und das haarsträubende metallische Kreischen hallte von den kalten Mauern wider. Sekunden später rauschte ein Strahl in einen ausrangierten Farbeimer. Als er randvoll war, tauchte sie einen kleinen Plastikbecher ein und goss sich Wasser über ihre braune Gänsehaut.

Sampat Pal ignorierte die beißende Kälte. Ihre Gedanken gruben sich wie ein beharrlicher Dachshund durch die Details einer verdächtigen Geschichte, die tags zuvor an sie herangetragen worden war. Geeta Singh, eine ihrer Bezirkskommandantinnen, hatte ihr erzählt, dass ihr Schwager Suraj Singh zu ihr gekommen sei und sie um Hilfe gebeten habe.

Suraj arbeitete in einem kleinen Schusterladen in der Nähe des Hauses von Purushottam Naresh Dwivedi, einem Abgeordneten zur Gesetzgebenden Versammlung des Bundesstaates Uttar Pradesh, und als Nachbar war er mit Mayank bekannt, dem Sohn des Politikers, war sogar schon bei ihm zu Hause eingeladen gewesen. Kürzlich hatte Suraj gehört, dass ein junges Mädchen im Haus lebte, das aber keiner zu Gesicht bekam. Kurz darauf sah er, wie ein Mädchen aus Dwivedis Haus abgeführt und in ein Polizeiauto gestoßen wurde. "Sie hat den vidhayak bestohlen", wurde gemunkelt, doch Suraj spürte, dass da etwas nicht stimmte, und alarmierte deshalb Geeta, die ihrerseits Sampat informierte.

Wenn Sampat tief in Gedanken ist, werden ihre eigenartig grünlichen, bernsteingesprenkelten Augen schmal. Ihre buschigen Brauen, die sich in entspanntem Zustand leicht aufwärtswölben, sinken abwärts, und weil beim Nachdenken unwillkürlich ihre Zungenspitze zum Vorschein kommt, ähnelt Sampat in solchen Augenblicken einem Kind, das komplizierte Kopfrechnungen anstellen muss.

"Das stimmt doch alles nicht!", sagte Sampat halblaut vor sich hin und spülte sich mit dem Plastikbecher die Seife vom Körper. "Wie kann ein junges Mädchen einen Politiker bestehlen? Was war sie überhaupt? Seine Hausangestellte? Seine Geliebte?"

Sampat hatte allen Grund, argwöhnisch zu sein. In Uttar Pradesh, Indiens Wildem Westen, war mehr als ein Viertel der gewählten Parlamentsabgeordneten wegen krimineller Vergehen angeklagt, neunzehn Prozent davon wegen eines Schwerverbrechens wie versuchten Mordes, Vergewaltigung, Erpressung oder Entführung. Sampat, jetzt voller Tatendrang, beeilte sich, aus dem Haus zu kommen. Wenn sie in Zeitnot ist, wickelt sie sich hastig in ihren Sari - im Winter zieht sie gegen die Kälte noch eine Strickjacke darüber - und fährt sich ungestüm mit dem Kamm durch ihr schulterlanges schwarzes Haar, um sich die nassen Knoten und Knäuel auszukämmen. Meistens bindet sie ihr Haar zu einem feuchten Pferdeschwanz, den sie aufdreht und mit einer Spange festklemmt.

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