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Redefreiheit Prinzipien für eine vernetzte Welt von Ash, Timothy Garton (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.09.2016
  • Verlag: Carl Hanser Verlag München
eBook (ePUB)
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Redefreiheit

Noch nie konnten so viele Menschen wie heute ihre Meinung auf der ganzen Welt verbreiten. Internet und Globalisierung haben eine neue Epoche der Redefreiheit möglich gemacht, gleichzeitig provozieren sie neue kulturelle und religiöse Konflikte. Müssen wir rassistische Kommentare auf Facebook hinnehmen? Darf Satire den Propheten Mohammed verhöhnen? 2011 hat Timothy Garton Ash eine Debatte angestoßen, seitdem diskutieren Teilnehmer aus der ganzen Welt die Frage, wie wir in Zukunft vernünftig unsere Standpunkte austauschen, wie wir das Recht auf Redefreiheit genauso wie die Würde Andersdenkender sichern können. Es ist der Stoff für sein neues Buch: Ein Standardwerk zur Redefreiheit im 21. Jahrhundert.

Timothy Garton Ash, 1955 geboren, ist Professor für Europäische Studien an der Universität Oxford und Senior Fellow an der Hoover Institution der Stanford University. Daneben schreibt er regelmäßig für wichtige internationale Zeitungen und Zeitschriften. Er lebt in Oxford und Stanford. Im Carl Hanser Verlag sind zuletzt erschienen: Freie Welt. Europa, Amerika und die Chance der Krise (2004) und Jahrhundertwende. Weltpolitische Betrachtungen 2000-2010 (2010). Zur laufenden Debatte: http://freespeechdebate.com/de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 688
    Erscheinungsdatum: 26.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783446254251
    Verlag: Carl Hanser Verlag München
    Originaltitel: Free Speech
    Größe: 3834 kBytes
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Redefreiheit

KOSMOPOLIS

SPRACHE

Eine Art menschlicher Sprache entstand vermutlich vor mindestens 100.000 Jahren durch eine evolutionäre Weiterentwicklung des Gehirns, des Brustkorbs und des Vokaltrakts. 1 Sprechen auf diese höchst elementare Art bedeutet, dass man den Luftstrom aus der Lunge durch Bewegungen des Brustkorbs, des Kiefers, der Zunge und der Lippen moduliert und dadurch unterscheidbare Laute mit erkennbaren Bedeutungen produziert. Wenn wir von einem Kleinkind sagen: "Es redet schon", hat es diese Art zu sprechen gelernt.

Eine hoch entwickelte Kommunikationsfähigkeit unter Verwendung von Sprache und abstraktem Denken unterscheidet uns Menschen von unseren nächsten Verwandten, den Schimpansen und Bonobos. Je mehr wir über die Welt der Tiere lernen, umso höher schätzen wir das Kommunikationsniveau bei Delphinen oder Schimpansen ein. Videos im Netz zeigen, wie gut Kanzi, der bis jetzt sprachbegabteste Bonobo, die menschliche Sprache versteht. Sie zeigen auch, wie er "antwortet", indem er Lexigramme auf einem Computerbildschirm antippt. Kanzi hat angeblich gelernt, etwa 500 Wörter zu "sagen" und etwa 3000 zu verstehen. Dennoch besteht immer noch ein großer qualitativer Unterschied zwischen seiner Ausdrucksfähigkeit und der der meisten Menschen, selbst wenn man nicht berücksichtigt, dass er mit Brust- und Vokaltrakt nicht wie der Mensch längere Folgen erkennbarer Laute produzieren kann. 2

Gegen Ende einer Lebenszeit, die er der Erforschung des Tierreichs gewidmet hat, antwortete der britische Tierfilmer und Naturforscher David Attenborough auf die Frage, was seiner Ansicht nach das erstaunlichste Geschöpf auf Erden sei: "Das einzige Geschöpf, bei dem mir vor Staunen so der Mund offen stehen bleibt, dass ich mich fast nicht losreißen kann, ist ein neun Monate altes menschliches Baby: Wie schnell es wächst. Wie schnell es lernt. Wie schnell es Nerven entwickelt. Es ist von allen Geschöpfen das komplexeste und das außergewöhnlichste. Nichts lässt sich mit ihm vergleichen." 3 Eines der Dinge, die es wie kein anderes Tier lernt, ist die Sprache. Nach dem Evolutionspsychologen Robin Dunbar kann ein durchschnittliches Kind mit drei Jahren etwa 1000 Wörter gebrauchen (doppelt so viele wie der von Kanzi aufgestellte Bonobo-Weltrekord), mit sechs sind es etwa 13.000 und mit achtzehn etwa 60.000. "Das heißt, es hat seit seinem ersten Geburtstag im Durchschnitt 10 neue Wörter pro Tag gelernt; also alle 90 Minuten der im wachen Zustand verbrachten Zeit ein neues Wort." 4

Die Sprache ist nicht nur eines von vielen menschlichen Merkmalen, sie ist ein prägendes Merkmal des Menschlichen. Als der Historiker Tony Judt durch Amyotrophe Lateralsklerose langsam die Fähigkeit zur verständlichen Kommunikation verlor, sagte er, zwischen zwei Atemzügen, die bereits von einer an seine Nasenlöcher angeschlossenen Beatmungsmaschine gesteuert wurden, zu mir die unvergesslichen Sätze: "Solange ich kommunizieren kann, lebe ich noch" (Pause für einen maschinell gesteuerten Atemzug). "Wenn ich nicht mehr kommunizieren kann" (Pause für einen maschinell gesteuerten Atemzug), "bin ich nicht mehr am Leben." 5 Ich kommuniziere, also bin ich.

Menschliche Kommunikation ist nie allein auf die Sprache beschränkt. Körperkontakt, Handbewegungen und Gesichtsausdruck spielten bestimmt schon eine wichtige Rolle, bevor der Brustkorb, die Zunge und das Gehirn zum ersten Sprechakt in der Lage waren. Donald Brown fasst in einer Skizze der von ihm so genannten Universal People zusammen, was er für anthropologisch gesicherte universale Eigenschaften des Menschen hält. Dabei behandelt er sehr ausführlich Sprechen und Sprache, schließt aber auch körperliche Gesten und eine ganze Bandbreite per Gesichtsausdruck vermittelter Botschaften mit ein. 6

Außerdem nutzen wir schon seit Urzeiten nicht nur unseren Körper, um

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