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Solidarität Anstiftung zur Menschlichkeit von Landau, Michael (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.09.2016
  • Verlag: Christian Brandstätter Verlag
eBook (ePUB)
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Solidarität

Unsere Welt hat Risse bekommen. Sie dreht sich heute schneller als noch vor wenigen Jahren. Leid, Hunger, Kriege, Krisen - aber auch die Frage, was all diese Not mit uns selbst zu tun hat. In einer globalisierten Welt liegt Syrien im Vorgarten, die Ukraine in der Nachbarschaft, und das eigene Wohnzimmer teilt man sich mit mehr als einer Million armutsgefährdeter Österreicherinnen und Österreicher. Wie kann ich helfen, ohne zu verzagen? Woran kann ich in Zeiten glauben, in denen nicht nur Banken und ganze Staaten in der Krise stecken, sondern auch das Vertrauen darauf, dass eine bessere Welt möglich ist? Der Caritas-Präsident Michael Landau führt an die Ränder der Gesellschaft wie an die Ränder des Lebens. Er macht deutlich, worauf es in einer komplexer werdenden Welt ankommt: auf Solidarität, Mut und die Bereitschaft jeder und jedes Einzelnen, an einer gerechteren Welt mitzubauen. Denn der wahre Schlüssel zu einem geglückten Leben liegt nicht darin, sich nur um das eigene, sondern gerade auch um das Glück der anderen zu sorgen. Michael Landau ist Naturwissenschaftler, katholischer Priester und Präsident der Caritas Österreich. Er glaubt unverbrüchlich daran, dass jeder Einzelne von uns die Kraft und den Mut haben kann, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 05.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783710600586
    Verlag: Christian Brandstätter Verlag
    Größe: 544 kBytes
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Solidarität

S OLIDARITÄT

... oder warum wir eine Renaissance der Zivilgesellschaft brauchen.

Die Entscheidung, dieses Buch zu schreiben, fiel an einem Dienstag vor nicht allzu langer Zeit. Ich war in unserer Obdachloseneinrichtung Gruft in Wien, umgeben von knapp 200 Menschen, die für ein Abendessen anstanden. Auch wenn der Winter deutlich milder verlief als in den Jahren zuvor, reichte die Schlange vor der Essensausgabe bis in den Vorraum, den Gang entlang zurück bis zur Eingangstür. Menschen standen wie zuletzt an jedem Abend dicht an dicht, den Teller mit einer warmen Mahlzeit vor sich auf dem Fensterbrett. Einige saßen auf dem Boden, andere auf ihren mitgebrachten Taschen. Die Plätze an den Tischen waren längst vergeben. Eine, die seit Jahren immer wieder in die Gruft kommt, ist Johanna. Sie arbeitete lange als Reisebegleiterin und Stewardess. "Ich habe irgendwann den Halt verloren", sagte die 54-Jährige einem unserer Mitarbeiter einmal. "Und wenn du einmal draußen bist, dann ist es irrsinnig schwer, wieder reinzukommen." Auch Johanna stand an diesem Abend in der Schlange um ein Essen an.

Ich durfte in den vergangenen 20 Jahren, seit ich für die Caritas tätig und im Einsatz bin, viele Menschen wie sie kennenlernen. Menschen, die ein Leben an den Rändern der Gesellschaft führen, oft auch an den Rändern des Lebens - in Mutter-Kind-Häusern in Linz, Graz oder in Wien. In Einrichtungen für drogenabhängige Menschen in Feldkirch oder Innsbruck. In Projekten für arbeitslose Jugendliche in Salzburg, aber auch in Wärmestuben und Suppenküchen in Bukarest oder in Chi inau. In Flüchtlingslagern im Libanon oder in Jordanien und in der Unterstützung für alte, pflegebedürftige Menschen hier in Österreich, oder in der Ukraine. Menschen auf der Suche nach Arbeit. Menschen in der Hoffnung auf einen Neuanfang. Und Menschen am Ende ihres Lebens. Mindestpensionisten. Kinder. Familien in Not. Dort, wo das Leben brüchig wird. Hier bei uns und an weit entfernten Orten.

Wer mit offenen Augen durch das Leben geht, weiß: Unsere Welt hat Risse bekommen. Sie dreht sich heute deutlich schneller als noch vor wenigen Jahren. Der Hunger, die Kriege, auch der Terror in Europa - all das ist uns heute näher als noch vor kurzer Zeit. In einer Welt, die wir gerne als globalisiertes Dorf bezeichnen, liegt Syrien im Vorgarten, die Ukraine in der Nachbarschaft und das eigene Wohnzimmer teilen wir uns mit 1,2 Millionen Österreicherinnen und Österreichern, die arm oder akut armutsgefährdet sind.

Diese Gleichzeitigkeit, das Unmittelbare - die Tatsache, dass Nachrichten in Echtzeit und wie das Wetter auf uns einprasseln - heute bewölkt, morgen stürmisch und nur noch selten windstill -, all das kann ein Gefühl der Überforderung und Ängste auslösen. Auch bei mir. Zwar nicht oft, aber doch von Zeit zu Zeit.

An diesem Dienstagabend in der Gruft waren es vermutlich eben diese Risse in der Fassade, diese Gleichzeitigkeit der Katastrophen, die mich verunsicherten. Ich war gerade von einer Reise aus dem Nordirak zurückgekehrt. Ein Land, in dem zu diesem Zeitpunkt mehr als eine Million Menschen auf der Flucht vor der Terrormiliz Islamischer Staat waren. Männer, Frauen, Kinder. An eines von ihnen erinnere ich mich besonders gut: Sie hieß Fatima. Ein sechs Jahre altes Mädchen, das mit ihrer Mutter in einer mehrstöckigen Betonruine in Zakho, unweit der syrischen Grenze Zuflucht gefunden hatte. Während in Österreich zu diesem Zeitpunkt untergriffig über Obergrenzen für Flüchtlinge gestritten wurde, saß dieses Mädchen vor mir neben einer offenen Feuerstelle, in einem von der Kälte nur ungenügend geschützten Haus: Gezeichnet von den Folgen des Kriegs und ohne konkrete Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

In Momenten wie jenem in der Gruft oder jenem in der nordirakischen Betonruine wird mir deutlicher als sonst bewusst: Wir alle können in unserem Umfeld konkrete Zeichen der Solidarität und Nächstenliebe setzen. Denn in Ze

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