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The Game Topographie unserer digitalen Welt von Baricco, Alessandro (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.11.2019
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
19,99 €
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The Game

Die Geschichte unseres digitalen Lebens - kurzweilig und kritisch erzählt Fast jeder von uns regelt mit dieser oder jener App einen Teil seines Lebens; durch geschickte Nutzung des Netzes lassen sich Wahlen gewinnen; bei Tinder können wir computerspielartig den/die reale/n Richtige/n finden. Das ständige Ineinander von Web und Welt ist uns längst zur Normalität geworden. In seinem neuen Buch zeichnet Alessandro Baricco die Geschichte der Digitalisierung auf heiter-essayistische Weise nach und lädt uns ein, ungezwungen über unsere eigene Verflechtung mit der digitalen Welt und ihre kritischen Entwicklungen nachzudenken. Alessandro Baricco, 1958 in Turin geboren, studierte Philosophie und Musikwissenschaft. Er ist Mitherausgeber verschiedener Literaturzeitschriften und von La Repubblica . Neben seinen Romanen hat Baricco zahlreiche Essays, Erzählungen und Theaterstücke verfasst, sein Roman Seide wurde zum internationalen Bestseller. Baricco wurde mit dem Premio Campiello, dem Premio Viareggio und dem Prix Médicis Étranger ausgezeichnet. Zuletzt erschienen von ihm bei Hoffmann und Campe Die Barbaren. Über die Mutation der Kultur (2018) und The Game. Topographie unserer digitalen Welt (2019).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 04.11.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455006360
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Größe: 3127 kBytes
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The Game

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Zunächst wäre es gut, zu verstehen, was passiert ist. Was wirklich passiert ist.

Ich denke, die glaubwürdigste Hypothese lautet: Das Aufkommen der Digitalisierung hat eine technologische Revolution ausgelöst. Binnen kurzer Zeit hat sie eine deutliche Veränderung in den menschlichen Denk- und Verhaltensweisen bewirkt. Niemand kann sagen, wie das endet.

Voilà.

Und jetzt wollen wir mal sehen, ob man das besser machen kann.

Der Begriff DIGITAL kommt vom lateinischen digitus , Finger. An den Fingern zählen wir ab, darum bedeutet DIGITAL auch in etwa NUMERISCH . In unserem Zusammenhang wird der Begriff für ein ziemlich geniales Verfahren benutzt, mit dem sich jede beliebige Information in eine Zahl übersetzen lässt. Es handelt sich um Zahlen aus einer Folge von zwei Ziffern, die 0 und die 1 . Man könnte auch die 7 oder 8 nehmen, wichtig ist, dass es nur zwei Ziffern sind, die mehr oder weniger dem on und off , dem Ja und Nein entsprechen.

Gut. Wenn ich sage, jede beliebige Information in eine Reihe von Ziffern übersetzen , meine ich nicht Informationen, die ihr in der Zeitung findet, die Nachricht des Tages, das Ergebnis eines Fußballspiels, den Namen des Mörders. Ich beziehe mich auf irgendein beliebiges Stück Welt, das in kleinste Einheiten zerlegt werden kann: Klänge, Farben, Figuren, Mengen, Temperaturen ... Ich übersetze dieses Stück Welt in die digitale Sprache (eine bestimmte Folge von 0 und 1 ), und dort ist es nur noch eine Folge von Ziffern, hat kein Gewicht, kann überallhin geschickt werden, bewegt sich mit einer hinreißenden Geschwindigkeit fort, wird unterwegs nicht beschädigt, schrumpft nicht, macht keinen Schmutz und verdirbt nicht. Wohin ich es auch schicke, es kommt an. Wenn es am Ende seiner Reise eine Maschine gibt, die diese Zahlen aufzeichnen und in die ursprüngliche Information zurückübersetzen kann, ist die Sache geritzt.

Zum Beispiel die Farben. Ihr müsst das nicht wissen, aber eines Tages wurde jeder Farbe ein bestimmter Zahlenwert zugewiesen. Wenn ihr die ganze Geschichte hören wollt, man beschloss, dass es 16 777 216 Farben gibt, und jeder wurde ein Zahlenwert aus einer Folge von 0 und 1 zugewiesen. Zum Beispiel heißt das reinste Rot, das es gibt, nach seiner Digitalisierung so: 111 111 0000 0000 0000 0000 . Warum macht man etwas so Unpoetisches? Ganz einfach: Weil ich eine Farbe, die in eine Zahl übersetzt wurde, in Maschinen stecken kann, die sie verändern oder transportieren oder auch einfach aufbewahren können. Für die Maschinen ist das eine lächerlich leichte Aufgabe, sie machen nicht den kleinsten Fehler, erledigen das in schwindelerregender Schnelligkeit und zum Spottpreis. Jedes Mal, wenn ich die wirkliche Farbe wiedersehen will, sage ich der Maschine, sie soll sie mir zurückgeben, und sie tut es.

Bemerkenswert.

Genauso funktioniert das bei Klängen, den Buchstaben des Alphabets oder unserer Körpertemperatur. Stücke der Welt.

Ende der siebziger Jahre begann die Erfolgsgeschichte dieses kleinen Tricks. Damals waren alle Daten, die wir aufbewahrten oder weiterleiteten, anders verpackt, man nannte das ANALOG . Das Analoge war, ähnlich wie andere alte Dinge, zum Beispiel Kompasse oder Großeltern, eine vollständigere Methode, die Wirklichkeit zu verzeichnen, genauer, sogar poetischer, aber ihre Produkte waren auch verflucht kompliziert, störanfällig und leicht verderblich. Analog war zum Beispiel das Thermometer mit Quecksilber fürs Fiebermessen. Das Quecksilber in der Röhre reagierte auf Wärme, dehnte sich aus, und wir leiteten unsere Temperatur aus seiner

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