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Unsere Lebensmittel - Wie viel Industrie vertragen wir? Ein SPIEGEL E-Book von Amann, Susanne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.06.2014
  • Verlag: SPIEGEL-Verlag
eBook (ePUB)
2,99 €
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Unsere Lebensmittel - Wie viel Industrie vertragen wir?

Kaum ein Thema wird so emotional debattiert wie die eigene Ernährung. Hier treffen Gesundheits- oder Bio-Fanatiker auf preisbewusste Durchschnittsverbraucher, die sich wenig für Produktionsbedingungen und Inhaltsstoffe interessieren. Das E-Book 'Unsere Lebensmittel', das Titelgeschichten, Analysen, Reportagen und ein Interview aus dem SPIEGEL umfasst, beleuchtet die unterschiedlichen Aspekte der modernen Nahrungsmittelproduktion, räumt mit Ernährungsmythen auf und beschreibt die moderne Esskultur.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 191
    Erscheinungsdatum: 13.06.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783877631362
    Verlag: SPIEGEL-Verlag
    Größe: 3362 kBytes
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Unsere Lebensmittel - Wie viel Industrie vertragen wir?

SPIEGEL WISSEN 3/2009
Kochen mit der Schere

Menüs aus der Kühltheke, geschnittene Salate in Tüten - die Nachfrage nach Fertiggerichten boomt und beschert der Lebensmittelindustrie stetig wachsende Umsätze. Von Michael Fröhlingsdorf
Die Lage direkt neben dem Hamburger Rathaus ist ausgezeichnet, und das Bistro wirkt modern und einladend. Die dunklen Holztische im durchgestylten Gastraum sind gut besetzt. Auch draußen auf dem Bürgersteig sitzen noch Gäste. Es gibt "Spätzle-Pfanne" mit Hähnchenbrust und Prinzessbohnen, "Nasi Goreng" mit Bambussprossen und hausgemischtem Curry, "Tagliatelle Wildlachs" mit orangenen und gelben Karotten. Selbst die Preise sind für die Verhältnisse in der Hansestadt annehmbar. Nur das Verhalten des Kochs scheint dem schicken Ambiente nicht gerecht zu werden. Christian Riedel steht hinter einer Glasscheibe und schneidet ungeniert vor den Augen der Gäste Plastiktüten mit Tiefkühlware auf. Gefrorene Nudeln und Tomaten kullern in eine Pfanne. Ein paar Mal rührt der 25-Jährige das Ganze durch, schon ist das Gericht "frisch zubereitet". Das Anrichten der Desserts ist ebenfalls kein kulinarisches Highlight: Quark, Joghurt und Zucker, dazu Früchte - frisch aus dem Eisfach. Aus der Tiefkühltruhe können sich die Gäste auch gleich selbst bedienen. "Wem etwas gut schmeckt, der kann es bei uns mit nach Hause nehmen", sagt der Koch, "das ist besonders praktisch." Die Verbannung natürlicher Frische hat System. Denn das Bistro gehört dem Unternehmen Frosta aus Bremerhaven, und auch das lebt gut von eisgekühlter Fertigware. Die Firma ist Marktführer in dem Sektor in Deutschland. "Wir wollen beweisen, wie gut unsere Produkte sind", sagt PR-Managerin Friederike Ahlers. "Dann kaufen die Leute sie auch im Supermarkt." Das Geschäft mit bequemen Fertiggerichten, sogenannten Convenience-Produkten, boomt seit Jahren. Am beliebtesten ist Tiefkühlpizza; Dosensuppen erfreuen sich steigender Nachfrage. Geschnittene, in Tüten verpackte Salate und Obst finden in Supermärkten ebenso reißenden Absatz wie Aufbackware, Minutenterrinen und Menüs aus der Kühltheke. "Convenience ist der Treiber unserer Branche", freut sich Sabine Eichner Lisboa, Geschäftsführerin bei der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie. Allein 39 Kilogramm Tiefkühlkost verzehrte im vergangenen Jahr statistisch jeder Deutsche, fast zehn Kilogramm mehr als noch vor einem Jahrzehnt. Bei Backwaren hat sich der Absatz sogar nahezu verdoppelt. Die Ernährungsindustrie steht dabei vor besonderen Herausforderungen: Kann ein Essen vorgegart werden und dennoch reich an Vitaminen und Spurenelementen bleiben? Wirkt ein servierfertig vorbereiteter Salat selbst dann noch knackig und frisch, wenn er schon vor Tagen geerntet wurde? Und überhaupt: Wie lassen sich Fertigkost und ausgewogene Ernährung unter einen Hut bringen? Das Problem ist nicht neu. Schon mit der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Ernährung vieler Arbeiter ungesund und einseitig. Die Arbeitswege waren weit, die Essenspausen kurz. Eine passende Antwort darauf gab Julius Maggi 1885, der legendäre Erfinder der Maggi-Würze. Mit dem Leguminosenmehl, dem Vorläufer von Brühwürfel, Fondor und Tütensuppe, konnten Hülsenfrüchte erstmals binnen kurzer Zeit in ein nahrhaftes Mahl verwandelt werden. Die beiden Weltkriege sorgten dagegen für den Durchbruch der Konservendose. Denn auch die Truppenverpflegung musste "convenient", also bequem sein - sofort verzehrfertig und leicht zu transportieren. Mit dem Siegeszug von Kühlschrank und Tiefkühltruhe Mitte des vergangenen Jahrhunderts ergaben sich dann ganz neue Perspektiven für Convenience: Nach gefrorenen Erbsen und Spinat kamen 1955 die Fischstäbchen auf den Markt, in den sechziger Jahren die bis heute heißgeliebte Tiefkühlpizza. Der Hang zu portionsweise v

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