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Von Kamen nach Corleone Die Mafia in Deutschland von Reski, Petra (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.09.2010
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
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Von Kamen nach Corleone

Petra Reski enthüllt die Mafiaverstrickungen in Deutschland und Italien - von den Morden in Duisburg bis zu Berlusconis dubiosen Verhandlungen. Petra Reski zeigt, wie gut sich die Mafia seit 40 Jahren in Deutschland eingerichtet hat und wie sehr dies von deutschen Politikern ignoriert wird. Sie beleuchtet die Verflechtungen der Mafia mit Politik und Wirtschaft und erzählt von dem verzweifelten Kampf Italiens um seine Demokratie. In einem weißen Alfa Romeo Spider fährt Petra Reski von Deutschland nach Italien. Ihre erste Italienreise führte von ihrem Heimatort Kamen bis nach Corleone. Heute nimmt sie denselben Weg - auf den Spuren der Mafia. Die Reise ist voller Begegnungen: mit Ermittlern, Kellnern, Mafiosi und ihren Frauen. Der Leser erfährt, wie viele Duisburger Pizzerien wegen mafioser Verstrickungen in Berichten des BKA auftauchen, wie die 'Ndrangheta in Stuttgart italienische Wahlzettel fälschte, warum die Bosse die deutsche Angst vor dem großen Lauschangriff teilen, welche Clans in Mailand die Stadträte bestimmen und wie Journalisten mundtot gemacht werden.

Petra Reski wurde im Ruhrgebiet geboren und lebt in Venedig. Seit 1989 schreibt sie über Italien - für Die Zeit, Geo, Merian, Focus und Brigitte - und immer wieder über das Phänomen Mafi a. Sie drehte einen Film über Mafiafrauen und wurde für ihre Reportagen und Bücher mehrfach ausgezeichnet, in Deutschland zuletzt mit dem Journalistinnenpreis und als "Reporterin des Jahres". In Italien erhielt sie für ihr Antimafia-Engagement den Premio Civitas und den Amalfi Coast Media Award. Petra Reski hat mehrere Romane und Sachbücher veröffentlicht, zuletzt bei Hoffmann und Campe Von Kamen nach Corleone. Die Mafia in Deutschland (2010), Palermo Connection (2014) und Die Gesichter der Toten (2015). Zeitgleich zum neuen Fall von Serena Vitale, Bei aller Liebe , erscheint 2017 im Thiele Verlag Alles über Venedig als überarbeitete Neuausgabe.
www.petrareski.com

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 16.09.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455307146
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Größe: 644kBytes
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Von Kamen nach Corleone

1

Als ich zwanzig Jahre alt war, setzte ich mich in einen alten Renault vier und fuhr von Kamen nach Corleone. Nur weil ich den Paten gelesen hatte. Auf meinem Bett liegend, unter einer mit Stiefmütterchenmotiven tapezierten Dachschräge. Dort habe ich den Putsch in Chile vorbereitet, unter besonderer Berücksichtigung von Allendes Agrarreform und der Verstaatlichung der Kupferminen, dort lernte ich unregelmäßige französische Verben auswendig und erörterte die Frage des Gewissens und der Schuld am Beispiel von Macbeth. Und zwischendurch las ich den Paten .

Johnny trank die gelbe, brennende Flüssigkeit und streckte dem Don sein Glas zum Nachfüllen hin. Er versuchte sich munter zu geben. "Ich bin nicht reich, Padrino, mit mir geht es bergab. Du hattest recht, ich hätte meine Frau und die Kinder wegen dieses Luders, das ich geheiratet habe, nie verlassen dürfen. Ich kann es dir nicht verdenken, dass du mir böse warst."

Der Don zuckte die Achseln. " Ich habe mir Sorgen um dich gemacht. Du bist mein Patensohn. Das ist alles."

Solche Sätze leuchteten mir ein. Mehr als Macbeth. Wer in einer ostpreußisch-schlesischen Familie aufgewachsen ist, weiß um die Macht von Blutsbanden. Meine ostpreußische Großmutter beherrschte die Familie bis zum letzten Atemzug. Großherzig nach innen und streng nach außen hielt sie den Clan zusammen. Und meine schlesische Mutter unterteilt die Menschheit bis heute in "wir" und "die Fremden". Einmal sollten wir im Englisch-Leistungskurs die Redewendung "Blut ist dicker als Wasser" erklären. Ich war die Einzige in der Klasse, für die dieser Satz eine Bedeutung hatte. Meine Großmutter hatte sie mir zu verstehen gegeben.

Ich war das älteste Enkelkind. Einzige Tochter des ältesten Sohnes. Der mit siebenundzwanzig starb – als Bergmann unter Tage. Als meine Mutter sechs Jahre nach dem Tod meines Vaters aufhörte, sich schwarz zu kleiden, wurde sie von meiner Großmutter aus der Familie verstoßen. Da war meine Mutter 33 Jahre alt und ich neun. Fortan ging ich allein zu den Familienfeiern und saß auf dem Ehrenplatz neben meinen Großeltern. Und wenn meine Mutter mich später fragte, wie die Feier verlaufen sei, wie meine Tanten angezogen gewesen und welche Geschenke gemacht worden seien, dann schwieg ich.

Don Vito Corleone war ein Mensch, an den sich alle um Hilfe wandten, und noch nie hatte er einen Bittsteller enttäuscht. Er machte keine leeren Versprechungen, noch gebrauchte er die feige Ausrede, ihm wären von Stellen, die mehr Macht besaßen als er, die Hände gebunden. Es war nicht notwendig, dass er ein Freund des Bittstellers war, es war nicht einmal wichtig, dass man die Mittel besaß, um ihn für seine Mühe zu belohnen. Nur eines wurde verlangt: dass der Bittsteller selbst ihm Freundschaft schwor.

Ehre und Stolz. Würdige alte Männer, die kein Wort zu viel machten. Eine Familie, die stets füreinander da ist. Mafiosi, die keine Frauen und keine Kinder ermordeten. Und die ihre Mütter achteten. So etwas in der Art hatte ich im Sinn, als ich zum ersten Mal nach Sizilien aufbrach. Mit meinem Jugendfreund, den ich liebte, weil er so ephebisch aussah – mit seinen langen blonden Haaren und seinem grazilen Körper. Er hatte Lippen wie ein Mädchen. Wir hatten bereits zusammen Spanien, Frankreich und Griechenland bereist. Griechenland hielten wir für überschätzt, Spanien für hoffnungslos unterdrückt und Frankreich für chauvinistisch, aber sympathisch. Italien hatte mich nie interessiert, außer in Form von Pizza Quattro Stagioni ohne Sch

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