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Vorsicht Volk! Oder: Bewegungen im Wahn?

  • Erscheinungsdatum: 24.09.2015
  • Verlag: Verbrecher Verlag
eBook (ePUB)
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Vorsicht Volk!

25 Jahre nach Unterzeichnung des Einheitsvertrages erobern überall in Deutschland wahnhafte Bewegungen die Straßen. Sie nennen sich Pegida, HoGeSa, Montagsmahnwachen, Reichsbürger oder Friedenswinter. Einige dieser Zusammenschlüsse sind offen antisemitisch, andere islamophobund wieder andere beides. Sie haben Angst vor Flüchtlingen, 'Homosexualisierung', Kondensstreifen oder einem geheimen weltjüdischen Kontrollrat. Ihre Helden heißen Wladimir Putin und Thilo Sarrazin, ihr gemeinsamer Gegner ist die 'Lügenpresse'. Mal sehen sie sich als Linke, mal als Rechte, und ihr gemeinsamer Schlachtruf lautet: 'Wir sind das Volk!' Stimmt das? Sind sie 'das Volk'? Und wenn ja: Was genau will dieses Volk? In 'Vorsicht Volk!' erörtern Autorinnen und Autoren essayistisch die Ursachen, Hintergründe und Gemeinsamkeiten der neuen Wahnbewegungen.

Markus Liske und Manja Präkels gaben 2011 (gemeinsam mit Karsten Krampitz) die erzählerische Anthologie 'Kaltland - Eine Sammlung' (Rotbuch), einen Klassiker der Nachwende-Literatur, heraus. Für den Verbrecher Verlag stellten sie 2014 das viel gelobte Erich-Mühsam-Lesebuch 'Das seid ihr Hunde wert!' zusammen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 24.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783957321428
    Verlag: Verbrecher Verlag
    Größe: 264 kBytes
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Vorsicht Volk!

Vorwort

"Wer ist wir?
Ich nicht!"
Gerhard Polt Im Winter 2014/2015 drängten zwei große neue Sammlungsbewegungen massiv in die Öffentlichkeit. Sie verstanden und präsentierten sich, vermutlich nicht ganz zu Unrecht, als "Volksbewegungen", nannten sich "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) und "Friedenswinter" bzw. "Montagsmahnwachen". Kurz zuvor hatten bereits die "Hooligans gegen Salafisten" (HoGeSa) Schlagzeilen gemacht, die - genau wie die immer weiter nach rechtsaußen driftende Partei "Alternative für Deutschland" (AfD) - nun sofort Anschluss an Pegida suchten. Die Montagsmahnwachen dagegen erhielten großen Zulauf von Mitgliedern der Linkspartei, der Piratenpartei und der antiimperialistischen Szene. Eine rechte und eine linke Bewegung also? Weit gefehlt. Die rechtsextreme NPD war hier wie dort vertreten, ebenso die "Reichsbürger" und das Verschwörungstheoretiker-Milieu rund um Jürgen Elsässers Magazin Compact, den Kopp Verlag, den Kai Homilius Verlag und den deutschen Ableger des Senders Russia Today. Auch bei den nicht parteigebundenen oder in keiner der genannten Gruppen organisierten Demonstranten gab und gibt es große Überschneidungen zwischen Pegida und Montagsmahnwachen. Islam-Paranoiker und Rassisten fühlen sich in der Regel zwar eher zu Pegida hingezogen, aber Antisemiten, USA -Hasser, chauvinistische Putin-Freunde, Homophobe und Sarrazin-Fans finden sich in beiden Bewegungen. Der nationalsozialistische Kampfbegriff "Lügenpresse" ertönt bei den einen wie den anderen, und auch ihre Ressentiments und Erklärungsmuster für die gefühlte Bedrohung durch Flüchtlinge, Homo- und Transsexuelle, den Islam, die jüdisch-amerikanische Weltverschwörung oder fiese Chemtrails gleichen sich. Hinter jedem Attentat, Flugzeugabsturz oder umgekippten Kaffeebecher mutmaßen sie dunkle Verschwörungen, als deren Drahtzieher ihnen meist CIA oder Mossad gelten, auf Befehl der Federal Reserve Bank oder der Bilderberg-Konferenz versteht sich, welche wiederum wahlweise von Echsenmenschen oder den Weisen von Zion gesteuert werden. In ihrem Aufstand gegen diese Weltverschwörung sehen sich die Anhänger beider Bewegungen gern als Europäer, als Beschützer eines vom Untergang bedrohten Abendlandes. Innerhalb Europas aber wollen sie die alten Grenzen und Währungen zurück, damit jede Nation (ja, jedes "Volk") hübsch "identitär" unter sich bleiben kann. Und noch etwas eint sie alle: die Vorstellung, eine schweigende, unterdrückte Mehrheit zu repräsentieren. Deshalb kokettieren sie gern mit den Montagsdemos von 1989 und lassen deren Schlachtruf ertönen: "Wir sind das Volk!"
Stimmt das? Sind sie das Volk? Und wenn ja: Was genau will dieses Volk? Wollen all diese Leute am Ende nichts mehr als das: Volk sein dürfen? Ist es also eine archaische Sehnsucht, die sie umtreibt, nach Gut und Böse, nach Schwarz und Weiß, nach echtem Krieg? Oder sind diese so wahnhaft erscheinenden neuen Bewegungen am Ende nur Ausdruck davon, dass sich die politische Weltbetrachtung - wie zuvor schon die religiöse - in einen Selbstbedienungsladen ideologischer Versatzstücke verwandelt hat? Ist also der vermeintliche Linke, der mit Friedenstaube für die Auslöschung Israels streitet und den säbelrasselnden Chauvinismus Putins bewundert, vergleichbar mit vulgärbuddhistischen Bachblütenfetischisten, die ihren Kindern germanische Götternamen geben? Und was ist schuld an all dem? Das Ende der vorgeblich kommunistischen Sowjetunion vor 25 Jahren? Die "Wiedervereinigung"? Der von CDU/CSU, SPD, FDP und Grünen für alternativlos erklärte Neoliberalismus? Das Internet? Die Globalisierung? Multikulti? Ein Mix aus all dem? Mag sein. Fest steht, dass die Losung "Wir sind das Volk!" gleichermaßen als

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