text.skipToContent text.skipToNavigation

Warum ich? Leben mit Krebs - Patienten und ihre Ärztin erzählen von Agthe, Monika (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.03.2011
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
7,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Warum ich?

"Sie haben Krebs." - Noch immer klingt dieser Satz für viele Menschen wie ein Todesurteil. Doch nach dem ersten Schock finden viele Betroffene zu einer Haltung der Zuversicht zurück. In fünfzehn Gesprächen erzählen Patienten und ihre behandelnde Ärztin, wie sie die Zeit der Diagnose und Therapie erlebten. "Ich habe Krebs. Und plötzlich ist nichts mehr, wie es war." Schonungslos und offen berichten zehn Männer und Frauen zwischen 30 und 90 über ihr Leben mit der Krankheit. Sie erzählen von Verzweiflung und Wut, aber auch von Hoffnung, überraschenden Glücksmomenten und der Kraft des Humors. Es ist ein neuer Blick auf das eigene Leben, dessen Prioritäten sich oft verschieben. Auch die junge Ärztin der Patienten berichtet: Warum hat sie ihren Beruf gewählt? Was geht in ihr vor, wenn sie jemandem eine schlimme Diagnose eröffnen muss? Und welche Antworten findet sie auf die Frage: "Warum hat es gerade mich getroffen?" Erstmals äußern sich Patienten und ihre Ärztin gemeinsam über den Alltag mit der Krankheit.

Monika Agthe, geboren 1954, studierte Kunsterziehung und Heilpädagogik in Frankfurt am Main. Sie veröffentlichte zahlreiche Bücher und arbeitet als Lektorin für eine Berliner Filmproduktion.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 09.03.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455850000
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Größe: 474 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Warum ich?

"Mein Mann ist mein Schutzengel"

Heike Dangschat im Gespräch mit Monika Agthe

Heike Dangschat begrüßt mich gemeinsam mit ihrem Mann in ihrer Niendorfer Wohnung. Die modisch gekleidete Frau wirkt jünger als Ende vierzig. Ihr Gesicht ist nahezu faltenlos, und sie hat, was man "lachende Augen" nennt – einen strahlenden, humorbereiten Blick, der sofort alle Anspannung aus der Situation nimmt. Herr Dangschat überragt seine Frau um mehr als Haupteslänge. Von ihm geht eine große Ruhe aus, er wirkt wie der berühmte Fels in der Brandung.

Während Heike Dangschat mir einen Platz auf dem Sofa anbietet, setzt ihr Mann sich an den Esstisch und beginnt, Papiere abzuheften. Indem er sich mit seinen Ordnern beschäftigt, macht er klar, dass er an unserem Gespräch nicht teilnehmen, aber doch anwesend sein will. Später wird er den Raum verlassen, doch die erste Stunde bleibt er dabei.

Frau Dangschat, wann haben Sie erfahren, dass Sie an Krebs erkrankt sind?

Die Diagnose Krebs hat mich schon zweimal getroffen, das erste Mal im Jahr 1983. Ich war zweiundzwanzig Jahre alt, hatte gerade ausgelernt. Eines Tages bekam ich eine merkwürdige Beule am Knie, dachte erst, ich bin wohl irgendwo angestoßen. Ich hatte keine Schmerzen, aber die Beule war heiß, etwas darin schien zu pulsieren. Ich bin dann zum Orthopäden gegangen, der hat das geröntgt. Diagnose: ein Knochentumor. Ich fragte: "Muss das Bein jetzt ab?" Der Arzt meinte, das könne er nicht sagen. Ich müsse ins Krankenhaus, um eine Gewebeprobe entnehmen zu lassen. Ich bin zurück ins Büro gefahren, saß wie betäubt an meinem Schreibtisch. Meine Kollegin sagte: "Na, Pasemännchen" – damals hieß ich noch Pasemann –, "was sagt der Arzt, ist alles klar?" Da bin ich weggeklappt, da war mit einem Mal Ende. Ein Kollege hat mich dann nach Hause gefahren. Im Krankenhaus St. Georg wurde kurz darauf die Gewebeprobe entnommen. In dem Zimmer, in dem ich nach dem Eingriff wach wurde, lag eine sterbende Oma. Die Schwester kam rein und sagte: "Junge Frau, Sie haben Knochenkrebs. Jetzt nehmen Sie mal die Tabletten, dann werden Sie nach Eppendorf (Universitätsklinikum Hamburg) verlegt."

Was waren das für Tabletten?

Valium. Ich fragte: "Kann ich meine Mutter anrufen?" Das ging. Weil ich noch so jung war, kam ich im UKE auf die Kinderkrebsstation, wo meine Mutter schon auf mich wartete. Ich habe diese ganzen kranken Kinder gesehen, viele hatten keine Haare mehr auf dem Kopf. Ohne Haare sehen Menschen sehr anders aus. Ich dachte, wo bin ich denn hier gelandet – in der Psychiatrie? Aber dann waren dort alle sehr freundlich, und ich beruhigte mich wieder. Man sagte mir, ein Elternteil könne stationär mit aufgenommen werden. Ich fragte, ob sich bei mir mein Verlobter mit einbuchen könne – also mein jetziger Mann. Wir haben gesagt, wir seien verlobt, das sah netter aus. Die Schwestern waren einverstanden. Auch meine Eltern sind jeden Tag gekommen, mit Thermoskanne und Kuchen. Es war ein schöner Sommer, den wir quasi im Krankenhaus verbracht haben.

Wie wurde der Krebs im UKE behandelt?

Es begann mit einer Chemotherapie, der eine Operation folgen sollte. Schon der erste Block Chemo war die Hölle für mich. Ich hatte mich nicht mehr unter Kontrolle. Wie bei einer Explosion kam es oben und unten gleichzeitig raus. Ich wurde ganz dünn, die Haare fielen mir aus. Irgendwann sah ich aus wie eine wandelnde Leiche. Ich habe feines Haar, Babyhaar – nach drei Wochen hatte ich das erste Büschel in der Hand. Nachts h

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen