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Warum sie Rebellen sind Motive nichtstaatlicher Gewaltakteure in der Côte d'Ivoire von Engels, Bettina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.06.2012
  • Verlag: Brandes & Apsel Verlag
eBook (PDF)
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Warum sie Rebellen sind

Warlords, Milizen, Rebellen - nichtstaatliche Gewaltakteure spielen in den politischen und sozialwissenschaftlichen Debatten über bewaffnete Konflikte eine prominente Rolle. Was treibt die Akteure an, gegen staatliche Armeen, aber auch gegeneinander zu kämpfen? Typische Motive, die ihnen zugeschrieben werden, sind ethnische Diskriminierung, ideologische Ziele, ökonomischer Profit oder die Macht im Staat. Am Beispiel der Côte d'Ivoire zeigt sich, dass die Motive multidimensional gefasst werden müssen. Zentrale Elemente sind dort die Krise des neopatrimonialen Staates und die Instrumentalisierung kollektiver Identitäten. Engels liefert eine profunde Analyse der gegenwärtigen Konflikte in der Côte D'Ivoire.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 01.06.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783860999035
    Verlag: Brandes & Apsel Verlag
    Serie: Wissen & Praxis Bd.167
    Größe: 1611 kBytes
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Warum sie Rebellen sind

Einleitung
Die Zeitschrift Jeune Afrique stellte in ihrer Ausgabe zum Jahreswechsel 2008/09 die "100 Persönlichkeiten, die Afrika 2009 bestimmen werden" vor. Nach Staatspräsidenten und Präsidentschaftskandidaten folgen an dritter Stelle "Rebellen und Putschisten". Jeder sei auf seine Weise am Aufbau des "Afrikas von morgen" beteiligt. Die Titelgeschichte des in Paris erscheinenden Magazins verweist auf die politische Bedeutung von Warlords, Rebellen und Milizen in Afrika, und sie belegt die große Aufmerksamkeit, die diesen Akteuren in den Medien zu Teil wird. Dies spiegelt sich auch in den sozialwissenschaftlichen Debatten um Sicherheit und Gewalt wider. Seit dem Ende der Blockkonfrontation befasst sich die Friedens- und Konfliktforschung verstärkt mit sogenannten nichtstaatlichen Gewaltakteuren. Infolge der Kriege auf dem Balkan, in der zentralafrikanischen Region der Großen Seen und in Westafrika haben viele AutorInnen einen qualitativen und quantitativen Bedeutungszuwachs dieser Akteure beobachtet. In der Literatur besteht weitgehend Einigkeit dahingehend, dass nichtstaatliche bewaffnete Gruppen weltweit kein neues Phänomen darstellen. Strittig ist jedoch, inwiefern sich die Akteure und Akteurskonstellationen in den bewaffneten Konflikten der letzten 20 Jahre gegenüber denen der 1950er bis 1980er Jahre verändert haben. Manche AutorInnen stellen an den Akteuren und ihren Motiven sogar einen qualitativen Wandel des Krieges selbst fest (Heupel/Zangl 2003; Kaldor 1999; Münkler 2002). Vor allem die Frage nach ihren Motiven nimmt in der Diskussion um nichtstaatliche Gewaltakteure und innerstaatliche Kriege eine prominente Rolle ein.
Who are they - those ragtag soldiers in the mountains, enclave, jungles or urban ghettos? What do they want? What drives them - both individually and as a group? [...] These questions linger beneath most academic and journalistic debates as to the nature of insurgencies and armed movements. And so both academic, media and policy personalities inscribe the combatant with a series of motives and characteristics, as being driven by greed, grievance or fanaticism. (Bhatia 2005: 18)
Der gleichen Logik folgen die Bezeichnungen, mit denen nichtstaatliche Gewaltakteure beschrieben werden; sie haben deshalb oft eher normativen als analytischen Wert (Hills 1997: 48). Begriffe wie 'Warlords', 'Terroristen' oder 'Befreiungskämpfer' sagen mehr über die Perspektive der BeobachterInnen und ihre Position gegenüber den jeweiligen Gewaltakteuren aus als über diese Akteure selbst. Und die Begriffe definieren implizit bereits politische Handlungsoptionen: Mit 'Terroristen' und 'kriminellen' Warlords wird nicht politisch verhandelt, sondern ihnen mit Mitteln der militärischen Gewalt begegnet (vgl. kritisch: Bhatia 2005; Marchal 2007; Policzer 2005). Definitionen und Kategorisierungen nichtstaatlicher bewaffneter Akteure bauen - anders als bei staatlichen Akteuren - vielfach auf Annahmen über ihre Motive auf. Besonders einflussreich ist dabei die konstruierte Dichotomie von ökonomischen gegenüber politischen Motiven: Rebellen und Terroristen seien politisch, Warlords und Kriminelle dagegen ökonomisch motiviert (Mair 2002; vgl. Menzel 2003). Andere Ansätze definieren nichtstaatliche bewaffnete Gruppen generell über das Merkmal der 'politischen Ziele' (etwa IISS 2004).
Entsprechend haben die Motive von Gewaltakteuren auch für die Praxis der Sicherheits-, Friedens- und Entwicklungspolitik große Bedeutung. Annahmen darüber, was nichtstaatliche Akteure zu Gewalthandeln motiviert, beeinflussen maßgeblich die Entscheidung externer, beispielsweise internationaler Organisationen, für oder gegen Kooperation, Verhandlung oder Konfrontation. Für entwicklungspolitische Geber und Nichtregierungsorganisationen stellt sich die Frage, inwiefern sie formell oder informell mit nichtstaatlichen Gewaltakteuren kommunizieren sollen, die territorial

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