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Was Tiere wirklich wollen Eine Streitschrift über politische Tiere und tierische Politik von Meijer, Eva (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.06.2019
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Was Tiere wirklich wollen

Tiere sind Wesen mit Gedanken und Gefühlen, nicht weniger intelligent oder weniger wert als der Mensch - ein einleuchtendes und mitreißendes Plädoyer für ein radikales Umdenken in unserem Verhältnis zu den nichtmenschlichen Bewohnern unseres Planeten. Bienen diskutieren, wen sie angreifen sollen. Gänse haben territoriale Koflikte mit Menschen. Gefangene Orkas töten ihre Trainer. Kamele weigern sich, für die Armee zu arbeiten. Biber helfen Bauern bei Überschwemmungen. ... Hochaktuell, wissenschaftlich fundiert und mit wunderbar anschaulichen Beispielen geht die Philosophin Eva Meijer der Frage nach, inwieweit Tiere als politisch handelnde Wesen betrachtet werden müssen und was das für unseren Umgang mit Tieren, für die Politik und die gesellschaftlichen Machtverhältnisse bedeutet. Können wir sie als unsere nichtmenschlichen Mitbürger begreifen, eine neue Art von Demokratie schaffen? Müssen wir Fragen der Ethik und Moral neu definieren? Und was wollen Tiere wirklich? Eva Meijer, geboren 1980 in Hoorn, Niederlande, ist Philosophin, Schriftstellerin, Singer-Songwriter und bildende Künstlerin. Sie hat Romane, Kurzgeschichten, Gedichte und essayistische Bücher veröffentlicht und wurde zu einem Thema über die Sprachen der Tiere promoviert. Ihr Roman "Das Vogelhaus" gewann den Leserpreis des BNG-Literaturpreises und wurde für den Libris- und den ECI-Literaturpreis nominiert. Eva Meijer lehrt an der Universität von Amsterdam und an der Dutch Research School of Philosophy (OZSW). 2017 wurde Eva Meijer für ihr Gesamtwerk mit dem Halewijn-Preis ausgezeichnet, und "Was Tiere wirklich wollen" erhielt den Hypatia-Preis für das beste philosophische Buch, das von einer Frau geschrieben wurde.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 10.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641233822
    Verlag: btb
    Originaltitel: De soldaat was een dolfijn
    Größe: 2719 kBytes
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Was Tiere wirklich wollen

Tierbefreiung und Tierrechte

"Der Tag mag kommen, an dem der Rest der belebten Schöpfung jene Rechte erwerben wird, die ihm nur von der Hand der Tyrannei vorenthalten werden konnte. Die Franzosen haben bereits entdeckt, dass die Schwärze der Haut kein Grund ist, ein menschliches Wesen hilflos der Laune eines Peinigers auszuliefern. Vielleicht wird eines Tages erkannt werden, dass die Zahl der Beine, die Behaarung der Haut oder die Endung des Kreuzbeins ebenso wenig Gründe dafür sind, ein empfindendes Wesen diesem Schicksal zu überlassen. Was sonst sollte die unüberschreitbare Linie ausmachen? Ist es die Fähigkeit des Verstandes oder vielleicht die Fähigkeit der Rede? Ein voll ausgewachsenes Pferd aber oder ein Hund ist unvergleichlich verständiger und mitteilsamer als ein einen Tag oder eine Woche alter Säugling, oder sogar als ein Säugling von einem Monat. Doch selbst wenn es anders wäre, was würde es ausmachen? Die Frage ist nicht: können sie verständig denken? oder: können sie sprechen?, sondern: können sie leiden?" 10

Diese Fußnote, die der englische Philosoph Jeremy Bentham 1789 machte, fasse eigentlich die gesamte moderne Tierethik zusammen, wird manchmal scherzhaft behauptet. Benthams Argumentation ist simpel: Statt die Vernunft zum Ausgangspunkt dafür zu machen, wen wir als moralisch wertvoll erachten, sollte die Leidensfähigkeit das Kriterium sein, oder besser gesagt, das Vermögen, Schmerz und Freude zu empfinden. Ausgewachsene Pferde und Hunde seien vernünftigere Wesen als Menschenbabys, schreibt Bentham, doch aus ethischer Sicht solle es uns gar nicht darum gehen, ob ein Wesen sogenannte vernünftige Gedanken hegen kann oder nicht. Worauf es ankomme, sei, das Leiden weitestmöglich aus unserer Welt zu verbannen und das Glück für alle zu mehren.

Bentham war ein sogenannter Utilitarist. Er vertrat die Meinung, dass wir "the greatest good for the greatest number" anstreben müssten, also das größte Wohl für möglichst viele. Das Vorhandensein von Glück und die Abwesenheit von Leid seien die höchsten Werte im Leben, und moralisch gut handle demnach, wer dies beides anstrebe. Nicht nur für sich selbst, sondern für alle, um so das größtmögliche Wohlergehen in der Welt zu erreichen. Dementsprechend müssten alle Interessen berücksichtigt werden, ungeachtet dessen, wer sie hegt - bei der utilitaristischen Gleichung fällt jeder ins Gewicht, der leiden und Glück empfinden kann -, und auch ungeachtet, ob derjenige ein Fell trägt oder mehr als zwei Beine hat. Dass jeder ins Gewicht fällt, will übrigens nicht heißen, dass auch jeder gleich schwer wiegt. 11 Unterschiedliche Individuen haben unterschiedliche Interessen, und würde man sie alle gleich gewichten, würde das zu einer Ungleichbehandlung führen.

Nichtmenschliche Wesen können genau wie menschliche Wesen Schmerzen leiden und Freude empfinden. Nicht nur Haustiere, sondern auch landwirtschaftliche Nutztiere, Versuchstiere, für die Pelzindustrie gezüchtete Tiere und diverse andere haben ein Leben, dem sie selbst den größten Wert beimessen, ein Leben, in dem sie gute und schlechte Erfahrungen machen können. Aus ebendiesem Grund stehen Menschen unserer Meinung nach unveräußerliche Rechte zu, was sich im Gedanken universeller Menschenrechte niederschlägt. Tiere aber sind in unseren Augen weniger wert. Komisch, denn es ist doch Zufall, als welches Lebewesen man geboren wird, und Schmerz ist Schmerz, egal, wer diesen Schmerz verspürt.
Speziesismus und Anthropozentrismus

Die meisten Menschen sind gegen Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Hautfarbe oder sexueller Orientierung. Diskriminierung ist sogar verboten. Dass aber bei den Arten von Lebewesen Unterschiede gemacht werden, halten nur wenige für diskriminierend. Solcher Speziesismus ist eben oft mit Anthropozentrismus gepaart, also der Auffassung, der Mensch sei eine herausragende, den Tieren überlegene Art. Die An

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