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Weil ich ein Dicker bin Szenen eines Lebensgefühls von Eisenhauer, Bertram (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.01.2016
  • Verlag: C. Bertelsmann
eBook (ePUB)
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Weil ich ein Dicker bin

Was das Dicksein mit der Seele macht
"Bike collapses under German fat man!" Das ein solches Youtube-Video 1,2 Millionen Aufrufe finden könnte, ist nur einer der Albträume von Bertram Eisenhauer. Denn er ist nicht dick. Er ist 6XL-dick. Und so ist sein Vorsatz abzunehmen kein banaler Diätplan. Es ist der kühne Entschluss, nach Jahrzehnten als "Fetter" ins Leben mit den anderen zurückzukehren. Denn Fettsein ist viel mehr als Übergewicht, es ist ein Verlust an fast allem, was man Leben nennt - von Zungenküssen über Sonnenuntergänge bis zu eigenen Kindern. Und deshalb ist Abnehmen auch viel mehr als Ernährungsumstellung und Sport. Es fordert die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte. Unverblümt geht Eisenhauer seiner Langzeitfettleibigkeit auf den Grund. Er begegnet dem Dicken im Kopf, der schon als Kind lernt: Wer dich liebt, der gibt dir zu essen. Und er erkennt, dass Hunger für ein Gefühl steht, für eine Sehnsucht und einen Schmerz, und dass Essen nur ein Sanitäter in der Not ist.

Bertram Eisenhauer, geboren 1964, wuchs in Baden auf, studierte in Heidelberg, Connecticut und New York. Er arbeitete als Redakteur im Feuilleton und im politischen Ressort der FAZ; heute leitet er das Ressort 'Leben' bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 25.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641156510
    Verlag: C. Bertelsmann
    Größe: 804 kBytes
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Weil ich ein Dicker bin

Woche 1:

Rollmops.
Die erste Sünde

STATUS-REPORT:

Mission: Abnehmen

Programmdauer: 1 Jahr

Woche 1 von 12 der "Fastenphase"

Kalorien täglich: 900

Verstöße gegen Fastendisziplin: 1

Ausgangsgewicht: 185,4 kg

Aktuelles Gewicht: 178,4 kg

Veränderung: -7,0 kg

Ich gestehe. Ich hab's getan, die Tat geschah aus den niedrigsten Beweggründen, aus Lust und nackter Gier. Und aus Schwäche, dem elendesten Motiv von allen. Ich habe mich von einem Glas Rollmöpsen überwältigen lassen. Mea culpa. Mea maxima culpa. Doch der Reihe nach.

Seit einer Woche ernähre ich mich flüssig, von einer Art Milkshake - ohne echte Milch, natürlich, die wäre zu fett, hätte zu viele Kalorien. Drei Mal täglich, möglichst regelmäßig alle vier bis fünf Stunden, reiße ich zwei der silbrig glänzenden Beutel auf, die mir die Ärzte verordnet haben, schütte das Nahrungsersatzpulver darin in einen Plastikbecher mit Deckel, kippe 200 ml Wasser hinterher, schraube den Becher zu und schüttle alles kräftig. Es ergeben sich Shakes in den Geschmacksrichtungen Schoko, Erdbeere und Vanille, die ich kalt trinke; die Geschmacksvariante Kartoffel/Lauch, die ich mit weniger und warmem Wasser anrühre, löffle ich wie eine Fertigsuppe.

Drei Monate soll das jetzt so gehen, und was soll ich nach den ersten Tagen sagen? Es scheint, als habe das Leben seine Fülle verloren, seine Textur, seinen Crunch. Für ein Blatt Salat würde ich töten; das macht wenigstens ein Geräusch, wenn man hineinbeißt. Sogar die Farben der Dinge um mich herum kommen mir wie ausgewaschen vor.

Die Entbehrung fällt deshalb so drakonisch aus, weil dadurch mein innerer Esstisch, wenn Sie so wollen, völlig abgeräumt und dann neu gedeckt werden soll. Ein ganzes Jahr lang, immer dienstags, gehe ich jetzt in ein Programm, das ein Krankenhaus in meiner Stadt ambulant anbietet, ins Adipositas-Zentrum dort, eine spezielle Einrichtung für Adipöse, Fettleibige, früher auch "Fettsüchtige" genannt, und ja, dass ich zu denen gehöre, war lange Zeit nicht ganz einfach einzusehen, und es jetzt so hinzuschreiben fällt noch immer schwer.

Während dieser Zeit soll ich nicht nur Pfunde hinter mir lassen. Ich soll lernen, anders zu essen und mich fleißiger zu bewegen. Das ist mehr als eine Diät, es ist eine Neuprogrammierung meines Verhaltens. Ein neues Betriebssystem.

Begonnen habe ich plangemäß mit der zwölfwöchigen Fastenphase, in der ich ausschließlich die Formula-Shakes zu mir nehmen soll, die meinem Organismus so wenig Kalorien zuführen, dass der gar nicht anders kann, als erheblich Gewicht herzugeben. Danach soll ich acht Wochen an eine ausgewogene Mischkost herangeführt werden. Die übrigen Wochen bis zum Jahresende schließlich soll ich dazu nutzen, mich an meine Re-Education zu gewöhnen.

Helfen bei meinem Vorhaben werden eine junge, ausgesprochen schmale, ernste Ärztin, eine kleine Truppe von höchst sportlichen Bewegungstherapeutinnen, eine gut gelaunte Psychotherapeutin und eine schnuckelige Ernährungsberaterin, die zwar nur etwa 1,60 Meter groß ist, das aber ausgleicht, indem sie sich rhythmisch auf den Fußspitzen wiegt, wenn sie etwas Wichtiges vorträgt. Gymnastik, Nordic Walking und dergleichen Dinge sind vorgesehen, sogar zwei Kochabende und ein Ausflug in den Supermarkt, um das korrekte Einkaufen zu lernen. Gut dreitausend Euro kostet das Jahr all-inclusive, von den Beuteln für die Shakes bis zum regelmäßigen Blutbild. Das zahlen die meisten Krankenkassen nicht oder nur teilweise.

Man sieht schon, Zielgruppe dieses Angebots sind nicht Leute, bei denen Hemd oder Bluse ein wenig spannen, sondern stark Übergewichtige, genauer: Menschen mit einem sogenannten Body-Mass-Index von über 30. Falls es Sie interessiert, der BMI ist die moderne Variante des Modells vom "Normal-" und "Idealgewicht", mit dem ich aufwuchs und das Sie vielleicht ebenfalls noch ke

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