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Wir Nachgeborenen Kinder berühmter Eltern von Regnier, Anatol (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.10.2014
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Wir Nachgeborenen

Anatol Regnier, Sohn von Charles Regnier und Pamela Wedekind, Enkel Frank Wedekinds und Autor spannender und unterhaltsamer erzählender Sachbücher, beleuchtet hier die Schicksale von Menschen, die aus berühmten Familien stammen und angesichts bedeutender Vorfahren einen eigenen Weg finden müssen. Wie gehen die Töchter und Söhne mit ihrem Erbe um, das ihnen eine Ausnahmeposition zuweist, die nicht die eigene ist? Ist ein berühmter Name Türöffner oder Hindernis? Wieviel Mut erfordert es, sich auf Gebiete zu wagen, auf denen die eigenen Eltern oder Großeltern Bedeutendes geleistet haben? Und wieviel innerer Größe bedarf es, einzusehen, dass das eigene Talent nicht ausreicht? Regniers Buch bietet amüsante und tragische Einblicke in eine Vielzahl von Schicksalen, darunter sein eigenes und das seiner Familie und, im Vorübergehen, in die Geschichte von Kunst und Gesellschaft der letzten siebzig Jahre. Fast immer geht es um Theater, Literatur oder Musik, aber auch um Politik und die deutsche Vergangenheit. Eine ganz eigene Rolle spielt das legendäre Ambach am Starnberger See, Regniers Heimatort.

Anatol Regnier ist Klassischer Gitarrist, Chansonsänger und freier Autor. Seine wichtigsten Veröffentlichungen: Damals in Bolechów (1997); Du auf deinem höchsten Dach - Tilly Wedekind und ihre Töchter (2003); Frank Wedekind - eine Männertragödie (2008). Regnier wurde 2005 mit dem "Ernst Hoferichter Preis" und 2012 mit dem "Schwabinger Kunstpreis" ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 17.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406667930
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 6926kBytes
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Wir Nachgeborenen

2

Woher wir kommen - Kindheit
im Malvenhaus

Pamela Wedekind, Erika Mann und Mops Sternheim treten am nächsten Dienstag in einer "Revue zu Vieren" auf. Die Herren Eltern sind aus Österreich, München und Rührung nach Berlin geeilt.

Klaus Mann hat sich bei der Abfassung seiner hundertsten Reklamenotiz den rechten Arm verstaucht und ist daher für die nächsten Wochen am Reden verhindert.

Carlhans Sternheim sowie das Geschwisterpaar Klaus Mann und Pamela Wedekind haben mit ihrer Schwippschwägerin Erika Mann eine Reise um die Welt angetreten, um von Rabindranath Tagore endgültig ihre verwickelten Familienverhältnisse ordnen zu lassen.

(Kaspar Hauser: "Die lieben Kinder", Die Weltbühne, Februar 1929)

Nicht nur Kurt Tucholsky machte sich über die Dichterkinder lustig, die aufgeregt und emsig durch die Republik schwirrten, um der Menschheit unter ererbtem Namen Revolutionäres, Zukunftsweisendes und Niegehörtes mitzuteilen. Für Nichteingeweihte sei die Entwicklung kurz skizziert: Erika und Klaus Mann, die ältesten Kinder Thomas Manns, und Pamela, ältere Tochter des 1918 gestorbenen Dichters Frank Wedekind, hatten sich 1923 in München kennengelernt und waren danach mehrere Jahre lang als unzertrennliches Dreigespann aufgetreten, von mildem Spott der Erwachsenen begleitet, aber auch mit Befremden betrachtet, da man nicht wusste, wer eigentlich zu wem gehört: Klaus, der offen Homosexuelle, hatte sich mit Pamela verlobt, die ihrerseits erotisch mit Erika verstrickt war, die wiederum von ihrem Klaus nicht lassen mochte. Letzterer schrieb dann zwei Theaterstücke, "Anja und Esther" und "Revue zu Vieren", in denen die Dichterkinder sich selbst spielten, unter Regie und Mitwirkung des noch unbekannten Gustaf Gründgens, der seinerseits Erika ehelichte, obgleich die doch eigentlich mit Pamela verbunden war, und trotz der eigenen engen Verbindung mit Klaus. Der Stücke schreibende Thomas-Mann-Sohn Klaus, die politisierende Schwester Erika, die mit den Bänkelliedern ihres Vaters auftrumpfende Pamela und der niedergeborene, aber begabte Gustaf boten Angriffsfläche genug, und das deutsche Feuilleton, vornehmlich das in Berlin ansässige, war an scharfzüngigen Kritikern nicht arm. Dorothea Sternheim, genannt Mops oder Mopsa, die sich bühnenbildnerisch betätigte, und ihr Halbbruder Carlhans wurden da gleich mitverarbeitet. Die jungen Leute mochten den Spott als ungerecht empfinden - schließlich handelte es sich um ihr Leben und ihre Zukunft -, aber der frühe Ruhm schmeckte süß, und das Gefühl von Freiheit und Aufbruch auf der Spielwiese der öffentlichen Wahrnehmung war verführerisch. Pamela wählte eine besonders originelle Variante, indem sie sich von Klaus und Erika Mann trennte und den achtundzwanzig Jahre älteren Dramatiker Carl Sternheim heiratete, Vater ihrer Freunde Carlhans und Mopsa, die, wie das Berliner 8 Uhr Abendblatt schlussfolgerte, zu ihr nun "Mama" sagen mussten.

1933 war alles Spielerische vorbei. Die Berliner Feuilletonisten flohen außer Landes oder bekamen ihre Scharfzüngigkeit durch Drohung, Verhaftung und Folter ausgetrieben. Kurt Tucholsky starb 1935 in Schweden, vermutlich durch eigene Hand, die Geschwister Mann emigrierten und bekämpften das Hitler-Regime von außen. Mopsa Sternheim büßte ihre Zugehörigkeit zur französischen Resistance im Konzentrationslager Ravensbrück und Carlhans Sternheim, ein gutmütiger, verträumter Junge, der so gut wie nichts im Leben erreicht hatte, wurde im Dezember 1944 im Zuchthaus Brandenburg wegen einer flapsigen Bemerkung über Hitler hingerichtet. Pamela verließ den kranken und schwierigen Sternheim und suchte Arbeit in Berlin, wo Tilly, ihre Mutter, eine stürmische und unglückliche Liebesaffäre mit dem Dichter Gottfried Benn hatte. Gustaf Gründgens, inzwischen Intendant des Preußischen Staatstheaters von Görings Gnaden, zögerte zunächst, Pamela zu engagieren, aber als sich Görings Verlobte Emmy Sonneman

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