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Wofür es gut ist Was Menschen aus ihrem Leben lernen von Wagner, Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.10.2014
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
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Wofür es gut ist

Der rote Faden im Leben

Es gibt diese Menschen, die einem imponieren, die mehr über das Leben zu wissen scheinen als man selbst. Als Peter Wagner so jemandem begegnet, einer Wirtin, die vor Kurzem ihren Sohn verloren hat und trotzdem Herzlichkeit und Wärme ausstrahlt, lässt ihn die Frage nicht mehr los: Was muss man tun, damit man später auf sein Leben schaut und sagt: "Es war gut so"? Er beschließt, Menschen – quer durch alle Alters- und Sozialschichten – nach den Lehren ihres Lebens zu befragen. So beginnt ein Roadmovie, eine ungewöhnliche Reise in den Alltag. Der Autor interessiert sich dabei nicht nur für den einen Kernsatz, sondern für die Geschichten dahinter.

Peter Wagner , Absolvent der Deutschen Journalistenschule, war bis 2013 Redakteur bei der "Süddeutschen Zeitung", wo er unter anderem das "jetzt"-Magazin betreute. Er hat "Das Buch als Magazin" mitentwickelt, ein Heft, das Literaturklassiker mit Journalismus verknüpft. Heute lebt er als freier Autor und Journalist in München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 24.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423424882
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Größe: 1318kBytes
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Wofür es gut ist

Worum es hier geht

Mein Vorhaben ist leicht erklärt: Ich frage Menschen, was sie vom Leben gelernt haben.

Was haben Sie erlebt?

Was ist Ihnen dabei klar geworden?

Was davon können Sie weitergeben?

Das sind drei einfache Fragen, die sich nach meiner Erfahrung nur wenige stellen. Wer geht schon her und formuliert mitten im Leben eine Art Zwischenbilanz? Wer überlegt, auch wenn es interessant wäre, welche Ereignisse ihn zu dem Menschen gemacht haben, der er ist? Wer nimmt sich dazu die Zeit?

Ich will ganz unterschiedliche Menschen befragen, und jedes Gespräch, jede Antwort gedanklich in ein Sieb legen und dann rütteln. Mit etwas Glück bleiben persönliche Ansichten zurück, vielleicht sogar wesentliche Einsichten. Ein chinesisches Sprichwort lautet: "Willst du etwas wissen, frage einen Erfahrenen, nicht einen Gelehrten." Der Satz gefällt mir, weil er meinen Plan so gut beschreibt. Ich suche nach Erfahrungen, nach Übergängen in den Biografien von Menschen, weil sie mit Geschichten verbunden sind. Wer Schwellen überschreitet, wird ein anderer - er wird angeblich sogar furchtloser. Ein schöner Gedanke. Wahrscheinlich ist er mein Antrieb.
Wie es dazu kam

Vor einiger Zeit habe ich mit meiner Familie ein Wochenende im Bayerischen Wald verbracht. Wir hatten uns einen kleinen Wallfahrtsort ausgesucht, unsere Pension war zugleich ein Wirtshaus. Das auf einer Anhöhe gelegene Anwesen bot einen beschaulichen Blick ins Tal auf der einen Seite und in den Wald auf der anderen. In der Gaststube lächelte ein junger Mann von einem Foto herab. Darunter stand sein Name geschrieben: Florian.

Am ersten Tag unseres Aufenthalts kam ich ein paarmal an dem Bild vorbei, nahm es aber kaum wahr. Es war ein großes Bild und es hing gut sichtbar. Hätte es eine Unterschrift getragen, hätte man denken können, der Junge sei vielleicht prominent und das Foto seine Autogrammkarte. Aber der Junge hieß wie die Familie, in deren Pension wir zu Gast waren. Er konnte der Patensohn der ausnehmend fröhlichen Wirtin sein. Vielleicht hatte er ihr das Bild geschenkt, nach einem Abschluss. Vielleicht handelte es sich um den Sohn des Hauses, der eben seine Lehre beendet hatte und auf den nun alle stolz waren.

Am zweiten Tag unseres Aufenthalts besuchten wir die Wallfahrtskirche. In vielen katholischen Kirchen kleben die Mesner noch Todesanzeigen jener Gemeindemitglieder an die Wand, die in jüngster Zeit gestorben sind. An solchen Stellen werden selbst ortsfremde Kirchenbesucher zu neugierigen Dorfweiblein. Ich studierte die Geburtstage und die Sterbedaten und versuchte, sie mit den zugehörigen Fotos in einen Zusammenhang zu bringen. Es war ein Spiel, ganz so, als könnte ich auf die Schnelle das Leben eines Menschen rekonstruieren, der bis vor Kurzem noch auf der Welt war. Manchmal spiegelten die Bilder die Anstrengung eines mühsam gelebten Lebens; manchmal erkannte man, wie selten ein Mensch fotografiert worden war, weil man das Foto auf dem Sterbebild offensichtlich in aller Not aus dem Führerschein des Verstorbenen geschnitten hatte. Man sah dann noch die Niete, mit der das Bild in die Fahrerlaubnis geclippt worden war. Ein und dasselbe Passfoto für den Führerschein und den Tod. Bedeutet es etwas, wenn man zeit seines Lebens nur selten fotografiert wurde?

Auf das Bild aus unserer Unterkunft war ich nicht gefasst. Florian lächelte mich an, gestorben Anfang Februar, nur wenige Monate vor unserer Ankunft im April.

Als wir ins Gasthaus zurückkehrten, fühlte es sich an, als wüsste ich etwas, das mich eigentlich nichts anging. Ich traute mich nicht nachzufragen. Das Foto neben dem Schanktisch war zwar ein offenes Zeichen der Trauer, aber es half mir nicht dabei, meine Scheu zu überwinden. Es gelang mir nicht, die Herzlichkeit der Wirtin, ihre Fröhlichkeit, die mir schon beim Reservieren unseres Zimmers aufgefallen war, mit den Bildern ihres Sohnes und mit dem Wissen um seinen

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