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Distinktion - Macht - Landschaft Zur sozialen Definition von Landschaft von Kühne, Olaf (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.12.2008
  • Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
eBook (PDF)
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Distinktion - Macht - Landschaft

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Macht- und Distinktionsvermittelten Verhältnis der Gesellschaft zu Landschaften. Landschaften werden dabei in erster Linie nicht als physisch gegeben betrachtet, sondern als sozial konstruiert und in den physischen Raum projiziert. Dabei wird die Frage behandelt, mit welchen Macht- und Distinktionsmechanismen Landschaft definiert wird. Hierbei werden ästhetische Bezüge ebenso hergestellt wie naturschutzfachliche und planerische. Die theoretische Grundlage der Arbeit liegt insbesondere in der Soziologie von Pierre Bourdieu. Dr. Dr. Olaf Kühne ist außerplanmäßiger Professor für Geographie an der Universität des Saarlandes, Direktor des Instituts für Landeskunde im Saarland e.V. (IfLiS) und Leiter des Referates Landesplanung im saarländischen Ministerium für Umwelt.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 366
    Erscheinungsdatum: 22.12.2008
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783531911526
    Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
    Größe: 3932 kBytes
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Distinktion - Macht - Landschaft

" 3 Gesellschaftliche Landschaft und Sozialisation (S. 77-78)

Wird Landschaft nicht wie in der positivistischen Denktradition (beispielsweise bei Leser 1987) als objektiv gegeben betrachtet, sondern vielmehr wie hier vorgeschlagen als sozial konstruiert verstanden (ähnlich auch Burckhardt 1977a, Hard 1991a, Kühne 2006a und 2006b), ist das individuelle und soziale Erlernen dessen, was der verallgemeinerte Andere (d.h. die organisierte Gemeinschaft, innerhalb derer das Individuum seine Identität aufbaut, Mead 1980) unter dem Begriff Landschaft versteht, als ein Teil des Sozialisationsprozesses (bzw. Inkorporationsprozesses) zu verstehen. Jessel verdeutlicht die Bedingtheit der Anlage eines interpretatorischen Bezugs von physischen räumlichen Elementen in relationaler Anordnung zum komplexen Begriff der Landschaft auf Grundlage der Unmöglichkeit des voraussetzungslosen Sehens:

Es gibt kein voraussetzungsloses Sehen im Sinne eines vollständigen Registrierens all dessen, was überhaupt an Reizen aus der Außenwelt aufgenommen werden kann. Vielmehr müssen über Sinnesorgane aufgenommene Reize strukturiert, geordnet und zu Gestalten zusammengefasst werden, um zu bewusster Wahrnehmung zu werden (Jessel 2000: 149).

3.1 Das Erlernen von gesellschaftlicher Landschaft grundsätzliche Überlegungen zu Wahrnehmung und Stereotypisierung

Sauder (1995: 133) weist in seiner Charakterisierung von Landschaft als eine Konstruktion, eine Fiktion und ein Vorurteil, gesteuert von ästhetischen Grundannahmen auf einen zentralen Mechanismus der Konstruktion von gesellschaftlicher und individuell aktualisierter gesellschaftlicher Landschaft hin: die Steuerung durch ästhetische Grundannahmen, die sich zum Vorurteil bzw. Stereotyp verdichten. Der Terminus Stereotyp 1922 von Lippmann aus der Druckersprache entlehnt beschreibt verschiedenartige Phänomene wie individuelle Voreingenommenheiten und Irrationalismen, historisch gewachsene Ideologien und kulturelle Traditionen, das Wirken von Normen in kleinen Gruppen und die Auseinandersetzungen innerhalb und zwischen großen Institutionen auf ein einheitliches Wirkungsprinzip, ohne dabei trivial-monokausalistisch zu reduzieren.

Dabei können komplexe Ursachensysteme zu einem einzigen Ergebnis führen, nämlich der prägnanten Akzentuierung ausgewählter Elemente der Umwelt in einer einfachen, entscheidungserleichternden Formel, dem Stereotyp (Manz 1968: 2). Stereotype werden zudem von einer größeren Personenanzahl geteilt (Gast-Gampe 1993). Vorurteile und Stereotype lassen sich so Devine (1989) als Resultate der begrenzten Informationsverarbeitungskapazität des Menschen charakterisieren, die aber zugleich die soziale Verarbeitung von Informationen beeinflussen.

Die Formierung von Stereotypen insbesondere ästhetischen wird im Prozess der Sozialisierung bzw. Inkorporierung vollzogen. Stereotype bleiben auch wenn sie später reflektiert und gegebenenfalls revidiert werden Teil der subjektiven Wissensstruktur und können infolge bestimmter Reizkonstellationen wieder aktualisiert werden (Devine 1989). Die stereotype gesellschaftliche Aussage der Landschaft muss also wie die Bedeutung aller Zeichensysteme gelernt werden (Burckhardt 1977a: 20): Der Naive kann die Landschaft nicht sehen, denn er hat ihre Sprache nicht gelernt . Für den in die Sprache der Landschaft oder ihren Code (Bourdieu 1974) Uneingeweihten ist die Landschaft so unsichtbar, wie die Sprache unhörbar ist, sichtbar oder hörbar sind nur Farben und Laute, aber die Erscheinungen, die sie den Sinnen der Empfänger hervorrufen, müssen erst erforscht werden (Burckhardt 1977a: 20, ähnlich hierzu Augenstein 2002). Die Fähigkeit, aus räumlich angeordneten Objekten etwas als Text lesen zu können (Hugill 1995, Duncan 1990), das sich sozial akzeptiert als Landschaft beschreiben lässt, ist abhängig von der Verfügbarkeit des entsprechenden Codes: Landschaft wie ein Kunstwerk

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