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Philanthropisches Handeln Eine historische Soziologie des Stiftens in Deutschland und den USA von Adloff, Frank (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.10.2010
  • Verlag: Campus Verlag
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Philanthropisches Handeln

Die Zahl der Stiftungen in Deutschland steigt seit Jahren kontinuierlich an, ist im Vergleich zu den USA aber immer noch gering. Doch welche Rolle genau spielen Stiftungen in der modernen Gesellschaft? Frank Adloff vergleicht die Stiftungswesen in Deutschland und den USA aus einer historisch-soziologischen Perspektive von etwa 1800 bis zur Gegenwart. Er fragt nach der sozialen Bedeutung von Stiftungen und untersucht, welche sozialen Eliten dieses Instrumentarium für welche Zwecke nutzen, wie sich das Stiften vom Spenden unterscheidet, was die Bedingungen für Stiftungsbooms sind und was Stiftungen eigentlich leisten können.

Frank Adloff ist Professor für Allgemeine und Kultursoziologie an der Universität Erlangen.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 474
    Erscheinungsdatum: 04.10.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593409795
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 4368 kBytes
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Philanthropisches Handeln

1. Erklärungsansätze für philanthropisches Handeln: Rational Choice vs. Altruismus? (S. 25-26)

Im Folgenden wird es darum gehen, ein zweistufiges Theoriekonzept zum Thema Stiften und Stiftung zu entwerfen. Die erste Ebene berührt die Handlungsebene des Stiftens. Wie ist das Geben von Ressourcen an Dritte ohne materielle Gegenleistung zu erklären? Beruht es auf Interesse oder Moral? Ist diese dichotome Unterscheidung überhaupt sinnvoll? Zunächst (Kapitel 1) soll der Stand der Forschung zum sogenannten charitable giving skizziert und dann herausgearbeitet werden, dass die bisherige Forschungsliteratur diese wenig nützliche Dichotomie nicht nur reproduziert, sondern gleichsam auch der Vorstellung von einem Nullsummenspiel zwischen Interesse und Moral verfangen ist. Diese Dichotomie wird aufgebrochen, indem der gabentheoretische Ansatz von Marcel Mauss vorgestellt, vertieft und auf Fragestellungen moderner Philanthropie bezogen wird (2. und 3. Kapitel). Gaben transzendieren die Dichotomie Interesse versus Moral und sind auf soziale Beziehungen im Sinne von Reziprozitäten und auf Anerkennungsverhältnisse ausgerichtet.

Im zweiten Schritt wird dem Umstand Rechnung getragen, dass der Prozess des Stiftens institutionenbildend ist (4. Kapitel). Theorien der Institutionen werden deshalb diskutiert und darauf hin abgeklopft, inwiefern sie für eine Theorie der Stiftung genutzt werden können. Dabei wird sich zeigen, dass der Rehberg'sche Institutionenansatz in besonderer Weise geeignet ist, die Institution Stiftung verstehend und erklärend zu erschließen.

Stiftungen gelingt es nämlich auf besondere Weise, eine auratische Eigengeltung durch das Geben für gemeinwohlorientierte Zwecke zu reklamieren. Peter Halfpenny (1999) hat vor einigen Jahren eine Gegenüberstellung von ökonomischen und soziologischen Erklärungsansätzen für charitable giving vorgenommen, die sich in utilitaristische und normativistische Erklärungsprogramme teilen. Theorien der rationalen Wahl (rational choice), die vom nutzenmaximierenden Individuum ausgehen, nehmen an, dass der eigennützige Akteur keine Spende tätigen kann, ohne eine Gegenleistung zu erhalten. Geht man davon aus, dass es ökonomisch keinen Sinn macht zu spenden oder stiften, man also immer höhere Ausgaben als Einnahmen hat, müsste dieses Verhalten als nicht-rational gelten und außerhalb des Zuständigkeitsbereichs der neoklassischen Wirtschaftstheorie liegen (ebd.: 199). Da dies von Ökonomen als unbefriedigend angesehen wird, nimmt man in der Regel den Ausweg über die Erweiterung der theoretischen Annahmen beziehungsweise des Nutzenmodells. Entweder wird quasi-empirisch behauptet, dass die Hilfe für andere dem Geber psychologische Belohnungen (rewards) verschafft, oder es wird – rein formal – der Nutzen des Dritten in die eigene Nutzenfunktion integriert. Altruistisches (Spenden-) Verhalten wäre dann Teil der eigenen Nutzenfunktion.

Die Probleme einer solchen Theoriestrategie sind offenkundig: Erkennt man die Existenz nicht-rationalen Handelns an, schränkt man den Geltungsbereich ökonomischer Erklärungsansätze drastisch ein. Erweitert man das Nutzenmodell und gibt die dual utility function auf, wird die Theorie tautologisch. Wenn jegliches Handeln der Nutzenmaximierung dient – wobei der Nutzen aus Einkommen, Ansehen, moralischer Integrität, altruistischem Selbstopfer oder was auch immer bestehen kann –, ist die Theorie nicht mehr in der Lage falsifizierend zu unterscheiden, da sie immer wahr und gleichzeitig inhaltsleer ist (vgl. Etzioni 1988). Ein intelligentes Ausweichmanöver gegenüber dieser Kritik besteht in der Auffassung, dass die Redeweise von Nutzen- und Zweckorientierung gar keine

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