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Netzwerkorientierung in der Sozialen Arbeit Theorie, Forschung, Praxis von Schönig, Werner (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.09.2016
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (PDF)
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Netzwerkorientierung in der Sozialen Arbeit

Soziale Arbeit ist zunehmend in und mit Netzwerken tätig, daher ist heute die Netzwerkorientierung eines ihrer Arbeitsprinzipien. Ihre relevanten Netzwerke bestehen auf unterschiedlichen Ebenen und mit unterschiedlichen Themen, sie können den Zugang zu Ressourcen eröffnen oder auch ein Problem darstellen, sie können sehr erfolgreich sein und ebenso leicht scheitern. Dieses Lehrbuch fasst die zentralen Erkenntnisse und Diskurse der Netzwerktheorie zusammen und zeigt zudem, wie Netzwerke empirisch erfasst und grafisch dargestellt werden können. Darüber hinaus wird eine Vielzahl von Fallbeispielen aus der Netzwerkpraxis skizziert und diskutiert, wodurch zentrale Themen der Netzwerkorientierung konkret und anschaulich bearbeitet werden. Der Fokus des Lehrbuches liegt dabei auf der vom Einzelfall unabhängigen Arbeit in institutionellen Netzwerken.

Professor Dr. Werner Schönig lehrt Sozialökonomik und Konzepte der Sozialen Arbeit an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen in Köln. Prof. Dr. Katharina Motzke lehrt Theorien und Konzepte Sozialer Arbeit an derselben Hochschule.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 186
    Erscheinungsdatum: 14.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170307339
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 4815 kBytes
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Netzwerkorientierung in der Sozialen Arbeit

Zu diesem Buch

"Früher dachte man, die Erde sei eine Scheibe, dann eine Kugel, heute scheint sie zum Netz(-werk) zu werden." (Tomlinson 1999, in: Keupp 2009, S. 43)
Die Netzwerkgesellschaft ...

Menschen haben sich schon immer vernetzt, Beziehungen wurden bewusst geknüpft und genutzt, Austausch wurde auf Gegenseitigkeit betrieben und bei fehlender Reziprozität schon immer die Vernetzung abgebrochen. Stichworte hierzu sind der kulturelle Austausch schon in der Vorzeit, Städtebünde in der Antike und im Mittelalter, gelehrte Korrespondenzen und auch die kluge Heiratspolitik zur Festigung von Familiennetzwerken. Das Netzwerken ist vermutlich eine anthropologische Konstante des 'homo socialis', eine zutiefst und spezifisch menschliche Variante des Problemlösens.

Für die europäische Aufklärung des 17. und 18. Jahrhunderts war das Räsonieren ein Hauptgegenstand, und hierfür wurden schon früh Netzwerke und Netzwerktreffen organisiert. Diese Netzwerktreffen sind als Salons bekannt geworden, wurden bis ins 19. Jahrhundert als solche betrieben und sind bis heute - wenn auch modifiziert und unter anderem Begriff - vielfach zu finden. Im Salon erreichten Aufklärung und Vernetzung eine neue Qualität. Hier wurden wesentliche Aspekte der Netzwerkarbeit praktiziert: regelmäßiges Treffen, themenorientierter Diskurs, Glauben an die Kraft des besseren Argumentes, Pflicht, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, interdisziplinärer Austausch von Fachleuten, formale Hierarchielosigkeit, mehr oder weniger unscharfe Außengrenzen bei wechselnder Mitgliedschaft, Einführung von Nachwuchskräften, Konkurrenzsituation zu anderen Netzwerken und schließlich eine Person in der Funktion der Netzwerkkoordination. Es ist durchaus bemerkenswert, dass dieser Modernisierungsschub, zumindest in Form der Salons, von Beginn an wesentlich von Frauen getragen wurde, deren Salons Berühmtheit erlangten (Geier 2009, S. 38ff.; Safranski 2004, S. 147ff.).

Dazu passt, dass diese Salons gerade auch der Einführung junger Menschen in die intellektuelle Gemeinschaft der Künstler, Wissenschaftler, Unternehmer und Beamten dienten. Das dortige Netzwerken war somit nicht nur dem Diskurs gewidmet, sondern ermöglichte auch ein freies Nachdenken über die eigenen Interessen und Fähigkeiten. Ganze Generationen von Intellektuellen sind in diesen Salon-Netzwerken nachhaltig geprägt worden. Ihr Ich hat dort - um mit Buber zu sprechen - ein denkbar vielfältiges, kreatives und komplexes Du gefunden, an das es sich anlehnen und von dem es sich abgrenzen konnte. Netzwerke haben mithin auch die Funktion einer Peergroup im individuellen Bildungsprozess (Bisky 2011, S. 117ff.; Buber 1983).

Netzwerke sind daher Ausdruck der "Selbstorganisation der Aufklärung" (Schneiders 1997, S. 19). Mit der Gründung und dem Betrieb von Netzwerken erfuhr die europäische Kulturgeschichte einen enormen Modernisierungsschub, der bis heue nachwirkt. Dabei liegt die Modernität des Netzwerks darin, dass es den Teilnehmern ermöglicht, individuelle Ziele auf Grundlage von Freiwilligkeit und bei Nutzung größtmöglicher Flexibilität zu verwirklichen. Schon hierdurch unterscheidet sich das Netzwerk von verwandten Phänomenen, wie System, Gemeinschaft und Familie.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts steht nun die Innovationsfähigkeit der Gesellschaft auf dem Prüfstand, wobei Innovation zu dem gesellschaftlichen Mega-Thema schlechthin avanciert. Auch in den Sozialwissenschaften findet die breite gesellschaftliche Thematisierung technischer und organisatorischer Innovationen ihren Niederschlag, die sich u. a. in der "These einer reflexiven Verflüssigung etablierter Grenzziehungen" (Krücken/Meier 2003, S. 71) spiegelt. Damit wird ein grundlegender Strukturwandel der modernen Gesellschaft vermutet und - soziologisch betrachtet - die Gegenwartsdiagnose der 'Innovationsgesellschaft'/s

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