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Blick zurück nach vorn Sekundäranalysen zum Wandel von Arbeit nach dem Fordismus

  • Erscheinungsdatum: 21.08.2019
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (PDF)
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Blick zurück nach vorn

Wie hat sich Arbeit in der Bundesrepublik "nach dem Boom" verändert? Führende Forschungsinstitute aus der Arbeits- und Industriesoziologie haben sich zusammengeschlossen und die Daten aus vier Jahrzehnten Arbeitsforschung in einer Reihe von Sekundäranalysen neu interpretiert. In der Zusammenschau ergibt sich ein aufschlussreiches Bild wesentlicher Entwicklungsprozesse auf dem Feld der Arbeit. Und nicht zuletzt vermittelt dieses Buch einen Eindruck von einer zukunftsträchtigen Forschungsmethodik. Wolfgang Dunkel ist Arbeitssoziologe und Wissenschaftler am Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF) München. Er forscht und publiziert auf den Feldern der Arbeits- und Dienstleistungsforschung mit den Schwerpunkten interaktive Arbeit, Arbeit und Gesundheit, Arbeit und Subjekt, qualitative Methoden. Heidemarie Hanekop ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Soziologischen Forschungsinstitut der Universität Göttingen. Dort koordiniert sie den Verbund eLabour. Nicole Mayer-Ahuja ist Professorin für die Soziologie von Arbeit, Unternehmen und Wirtschaft an der Universität Göttingen sowie Direktorin des Soziologischen Forschungsinstituts. Sie forscht und publiziert zu Fragen der Arbeitsorganisation, der politischen Regulierung von Arbeit sowie zur Veränderung der Arbeitswelt in historischer und transnationaler Perspektive.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 327
    Erscheinungsdatum: 21.08.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593442082
    Verlag: Campus Verlag
    Serie: Labour Studies 25
    Größe: 3841 kBytes
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Blick zurück nach vorn

Sekundäranalysen zum Wandel von Arbeit nach dem Fordismus Zur Einführung Nicole Mayer-Ahuja, Wolfgang Dunkel und Heidemarie Hanekop 1Arbeit nach dem Fordismus als analytische Herausforderung Irgendwann zwischen 1975 und 1985 war, wenn man gängigen Periodisierungen Glauben schenken mag, der Fordismus vorbei. Vor allem im Rückblick erschienen die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg, auf die sich der Begriff meist bezieht, als eine bemerkenswert stabile, wenn auch in sich hochdynamische Phase kapitalistischer Entwicklung (vgl. Schildt 2000). Die Bundesrepublik Deutschland hatte in dieser Zeit, ähnlich wie andere Staaten Europas oder Nordamerikas, eine Phase massiven Wirtschaftswachstums, die schnelle Ausweitung industrieller Massenproduktion sowie eine rasante Zunahme von Massenkonsum erlebt. Staatliche Politik unterstützte diese Entwicklung und stabilisierte jenes "fordistische Akkumulationsregime", das Vertreter der französischen Regulationsschule seit den 1970er Jahren untersuchten (vgl. Aglietta 1979). Um 1960 waren die Arbeitslosenzahlen in der Bun-desrepublik auf einem Tiefststand angelangt, und besonders gut qualifizierte Facharbeiter waren in einer starken Verhandlungsposition, was sich in steigenden Vergütungen, einer zunehmenden Dauer von Beschäftigungsverhältnissen, innerbetrieblichen Aufstiegswegen und einer stetig verbesserten sozialpolitischen Absicherung von Lohnarbeit niederschlug. Robert Castel hat argumentiert, dass sich unter diesen Bedingungen eine historisch neuartige "Lohnarbeitsgesellschaft" herausgebildet habe: Zum einen war ein immer größerer Anteil der erwerbstätigen Bevölkerung abhängig beschäftigt, während die Gruppe der Selbstständigen und Mithelfenden in Landwirtschaft und Handwerk kontinuierlich schrumpfte. Zum anderen wurden die Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen von abhängig Beschäftigten Schritt für Schritt beseitigt, und Lohnarbeit, die "lange Zeit eine der unsichersten, ja unwürdigsten und elendesten Lebensstellungen bedeutete", wurde zur "Basismatrix der modernen ?Lohnarbeitsgesellschaft?" (Castel 2001: 11). Zugleich erlebten abhängig Beschäftigte während dieser "Goldenen Jahre" (Hobsbawm 1994) eine weit verbreitete soziale Aufstiegsmobilität, ver-bun den etwa mit erweiterten Zugängen zu höherer Bildung. Unter diesen Bedingungen konnten es sich selbst Arbeiterfamilien leisten, auf den Verdienst von Ehefrauen und speziell von Müttern zu verzichten, und praktizierten erstmals ein Alleinernährermodell, das zuvor Bürgertum und Adel vorbehalten gewesen war. Dennoch fanden auch immer mehr Frauen Zugang zu Lohnarbeit und verbrachten einen wachsenden Teil ihres Erwerbslebens (vornehmlich auf Teilzeitbasis) auf einem Arbeitsmarkt, der zunehmend durch die Standards des sich in zahlreichen Auseinander-setzungen herausbildenden "Normalarbeitsverhältnisses" geprägt war (vgl. Mayer-Ahuja 2003). Weil der Arbeitskräftebedarf der boomenden Wirtschaft dennoch nicht befriedigt werden konnte, begann die Bundesrepublik, gezielt Gastarbeiter innen (vor allem aus Südeuropa) anzuwerben, was den Anteil migrantischer Beschäftigter in vielen Betrieben und speziell in industriellen Großunternehmen deutlich erhöhte und Debatten über die sozialen und politischen Rechte der Zugewanderten auslöste. Kurz: Veränderungen auf der Makroebene sozio-ökonomischer Entwicklung gingen (auf der Mesoebene von Unternehmen) mit neuen Standards der betrieblichen Nutzung von Arbeitskraft sowie (auf der Mikroebene von Haushalt und Individuum) mit Verschiebungen etwa im Bereich der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung einher. Weil sich diese Faktoren (und viele weitere) gegen-seitig verstärkten, erwies sich der Fordismus aus Sicht der Regulationstheorie als eine relativ stabile Konstellation. Und doch war sie nicht von Dauer. Als die wirtschaftlichen Wachstumsraten um 1973 einbrachen, kehrte Massenarbeitslosigkeit auch in die Bundesrepublik zurück. Der Sozialstaat geriet unter zunehmende

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