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Blitzkrieg Pop Partialfaschismen und ästhetisierte Mythen des Faschismus in der Popkultur von Ehrenfest, Thomas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2014
  • Verlag: Hirnkost
eBook (PDF)
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Blitzkrieg Pop

Mit dem Konzept der Partialfaschismen fordert die Arbeit zu einer kritischen Betrachtung popkultureller Produkte und Künstler_innen auf, die nicht eindeutig als faschistoid zu definieren sind, jedoch mit Versatzstücken von Ästhetik, Mythen und romantisierenden Elementen arbeiten, die bereits im Faschismus präsent waren. Diese als Partialfaschismen bezeichneten Ideologiefragmente können in ihren Ursprüngen bis in vorfaschistische Zeiten zurückverfolgt werden. Die Arbeit zeigt, wie einzelne Haltungen, die später zu einem Faschismus zusammengeführt werden konnten, nach 1945 auch außerhalb ewiggestriger Milieus überlebten und heute in der Popkultur in einem scheinbar unbedenklichen Umfeld in abstrahierter Form wieder zum Vorschein kommen. Es geht jedoch nicht darum, (vermeintlich) unpolitische oder ironische Phänomene als rechte Propaganda zu diffamieren, sondern den Blick zu schärfen, um letztendlich zu erkennen, wie selbstverständlich und oft unreflektiert partialfaschistische Elemente in der Popkultur zutage treten und alltäglich in Form von Musik, Filmen oder Videoclips konsumiert werden.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 124
    Erscheinungsdatum: 01.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783943774665
    Verlag: Hirnkost
    Größe: 1197 kBytes
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Blitzkrieg Pop

1 Partialfaschismen

1.1 Proto- oder Partialfaschismen? Zur Begriffsfindung

In den ersten Notizen zu der hier vorliegenden Arbeit wurde von mir der schon bekannte Begriff der Protofaschismen verwendet, um ideologische und weltanschauliche Versatzstücke des Faschismus/Nationalsozialismus herausheben und einzeln benennen zu können. Zur Verdeutlichung seien hier nur beispielhaft Phänomene wie Männlichkeitskult oder die Romantisierung und Heroisierung des Soldatendaseins genannt. Im Zuge der weiteren Ausarbeitung des Themas begann sich der Begriff immer weiter von dem ihm üblicherweise zugrunde gelegten Verständnis zu entfernen und wäre hier nicht mehr allgemein verständlich, dafür aber im schlimmsten Fall schlicht falsch gebraucht worden. Es bedarf daher eines anderen Begriffs. Der Grund ist folgender:

Schon der Wortteil "Proto" ("erster" von gr. "pró;tos") deutet an, dass es sich – ähnlich wie bei den Begriffen des Prototyps oder der Protowissenschaft – bei einem Protofaschismus bereits um ein komplexeres, sich aus mehreren Fragmenten zusammensetzendes Ideologiekonstrukt handeln muss, das schließlich in einen Faschismus übergeht, oder zumindest die erkennbare Möglichkeit dazu in sich birgt. 12 So wird teilweise der frühe spanische Faschismus als Protofaschismus betrachtet 13 , oder ebenso die Philosophie des 1900 verstorbenen Friedrich Nietzsche. 14 Zumeist wird mit dem Protofaschismus im Diskurs jedenfalls bereits ein Gedankengebäude oder zumindest ein in sich schlüssiger Gedankengang bezeichnet, der sich aus heutiger Sicht in die faschistischen Ideologien italienischer oder deutscher Prägung der Jahre von 1922 bzw. 1933 bis 1945 integrieren ließe oder gar ausdrücklich integriert wurde. Für die Anwendung auf das Gebiet der Populärkultur und der von ihr geprägten und sie in einer reflexiven Schleife wieder prägenden Ästhetik ist der Begriff zumindest im Kontext der vorliegenden Forschungsfragen nicht sinnvoll anwendbar. Zu schnell stieße man mit diesem Instrument wieder auf eine einschlägige politische (Bild-)Sprache, anstatt subtiler verpackte Inhalte aufspüren zu können.

Die für sich genommen also schon ein Amalgam aus verschiedensten Überzeugungen darstellenden und in ihrer Definition und politischen Zuordenbarkeit häufig umstrittenen Protofaschismen sollen daher in ihrer Zusammensetzung auf die wesentlichsten Punkte gebracht, ihr unter diversen -Ismen subsumiertes Ideengeflecht also in einzelne Fäden zerlegt werden. Anschließend ist zu überprüfen, ob die jeweiligen Fragmente Eingang in explizit faschistische Ideologien und ästhetische Ausdrucksformen gefunden haben. Ist dies nachweislich der Fall, sollen diese tradierten Elemente im weiteren Verlauf der Arbeit sinnvoller als "Partialfaschismen [P]" , also als tragende Elementarteile oder notwendige Puzzlesteinchen eines "reifen" Faschismus herausgestrichen werden. Gemeint ist dies somit durchaus im Sinne einer mathematischen Teilmenge deren Obermenge der Faschismus darstellt. In weiterer Folge können eben jene zuvor festgemachten P in der auf breiter Ebene rezipierten Gegenwartskultur und den ihr zugrunde liegenden und als Reservoir kreativer Erneuerung dienenden Subkulturen aufgesucht und auf ihre Bedeutung geprüft werden. An einem offensichtlichen Beispiel aus Nietzsches Zarathustra grob dargestellt, soll folgendermaßen verfahren werden: 15

a) Es tritt im Buch deutlich die Ablehnung des Autors gegenüber Staatskonzepten per se – auch dem des Volksstaates – zu Tage: "Staat heisst das kälteste aller kalte

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