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Der Sinn der Institutionen Mehr-Ebenen- und Mehr-Seiten-Analyse

  • Erscheinungsdatum: 08.01.2009
  • Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
eBook (PDF)
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Der Sinn der Institutionen

Dr. Mateusz Stachura ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie der Universität Heidelberg. Dr. Agathe Bienfait ist Privatdozentin am Institut für Soziologie der Universität Heidelberg. Dr. Gert Albert ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie der Universität Heidelberg. Dr. Steffen Sigmund ist Akademischer Oberrat am Institut für Soziologie der Universität Heidelberg.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 302
    Erscheinungsdatum: 08.01.2009
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783531917818
    Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
    Größe: 2156 kBytes
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Der Sinn der Institutionen

" Der Kapitalismus als eine universalgeschichtliche Erscheinung. Max Webers institutionenbezogene Analyse (S. 209-210)

Wolfgang Schluchter

1 Vom Kapitalismus als einem neuzeitlichen zum Kapitalismus als einem universalgeschichtlichen Phänomen

Die Soziologie kennt in ihrer relativ kurzen Geschichte viele Analysen des Kapitalismus. Unter ihnen ragen die theoretisch angeleiteten und zugleich historisch ausgerichteten Ansätze von Karl Marx, Werner Sombart und Max Weber nach wie vor heraus. Besonders Max Webers Versuch verdient weiterhin Beachtung, setzt er sich doch mit den Ansätzen der beiden anderen auseinander und sucht sie zu überbieten.

Auch grenzt er sich bei seiner Bestimmung des Kapitalismus von vornherein von aus seiner Sicht unzulässigen Gleichsetzungen ab. So sei Kapitalismus nicht, wie bei Georg Simmel, mit Geldwirtschaft identisch, kapitalistischer Geist nicht, wie bei Lujo Brentano, mit jedem Erwerbsstreben (Brentano 1916), vor allem nicht mit dem Streben nach Geld (Weber 1920: 4f., Fn. 1) gleichzusetzen. Aber auch zu Karl Marx und zu Werner Sombart hält er Abstand.

Für Karl Max war der Kapitalismus die ökonomische Gesellschaftsformation einer historischen Phase, ein neuzeitliches Phänomen, das er als die bis dato höchste Stufe der ökonomischen Entwicklung einordnete. Für Werner Sombart ergab sich der neuzeitliche Kapitalismus aus langfristig wirkenden Entwicklungsfaktoren, die historisch weit zurückreichen. Aber Sombarts Betrachtungsweise, so Weber, der er im Grundsatz zustimme, habe den Nachteil, dass dabei das Allgemeine mit dem Spezifischen verschwimme.

Anders als Marx sieht Weber den Kapitalismus als eine universalgeschichtliche Erscheinung, anders als Sombart beharrt er auf dem Spezifischen des modernen Kapitalismus, und zwar im Unterschied zu jenen Formen des Kapitalismus, die auch andere Kulturkreise und im 'mittelländisch-okzidentalen' Kulturkreis die Antike und das Mittelalter kennen. Er sah dieses Spezifische vor allem in der rationalen Arbeitsorganisation (Weber 1920: 4, Fn. 1).

Alle Institutionen, welche die Wirtschaftsverfassung des modernen Kapitalismus darüber hinaus kennzeichnen - die rechtliche Trennung von Haushalt und Erwerbsbetrieb, von persönlichem Vermögen und Betriebsvermögen, die rationale Haushalts- und Betriebsbuchführung in Geldgrößen zur Optimierung von Versorgung und Gewinn, die 'Kommerzialisierung' des Kapitals mittels börsengehandelter Wertpapiere -, all dies hätte seine "heutige Bedeutung"" nur durch den "Zusammenhang mit der kapitalistischen Arbeitsorganisation"" gewonnen. Überall, wo diese fehle, wo die Arbeit nicht formell frei sei, wo der formell freie Arbeiter, der nur seine Arbeitskraft verkaufen könne, sich keiner technisch und ökonomisch bedingten Arbeitsteilung und Arbeitsverbindung und keiner Betriebsdisziplin unterzuordnen habe, existiere kein moderner Kapitalismus.

Folgt man Weber, so hat der "bürgerliche Betriebskapitalismus"" (ebd.: 10) der Neuzeit in der "kapitalistisch-rationalen Arbeitsorganisation"" seinen institutionellen Kern (ebd.: 9). Vergleichbares lässt sich aus seiner Sicht nun aber auch für die Wirtschaftsgesinnung sagen. Es gebe keinen größeren Irrtum, als kapitalistischen 'Geist' mit schrankenloser Erwerbsgier gleichzusetzen. Eine solch "naive Begriffsbestimmung"" habe in einer ernst zu nehmenden Analyse des Kapitalismus keinen Platz. Eine kapitalistische Wirtschaftsgesinnung könne "geradezu identisch sein mit Bändigung, mindestens mit rationaler Temperierung, dieses irrationalen Triebes"" (ebd.: 4). Dies hatte Weber ja in seiner schnell berühmt gewordenen Aufsatzfolge über die Wirkung des asketischen Protestantismus auf die Ausprägung der frühkapitalistischen Wirtschaftsgesinnung bei gläubigen, aufstiegsorientierten kleinbürgerlichen Schichten des 16. und 17. Jahrhunderts dargelegt (ebd.: 17- 206)."

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