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Die Entstehung der Soziologie aus der Sozialreform Eine Fachgeschichte von Neef, Katharina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.11.2012
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (PDF)
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Die Entstehung der Soziologie aus der Sozialreform

Soziologie war um 1910 in aller Munde - nicht nur bei Akademikern, sondern gerade auch bei sozial engagierten Intellektuellen: Ingenieuren, Ärzten, Naturwissenschaftlern. Eine Wissenschaft von der Gesellschaft - das hatte Potenzial für optimistische Fortschrittsgedanken. Wie funktioniert Gesellschaft? An welchen Rädern muss man drehen, um sie zu verbessern? Das Schlagwort der Intellektuellen war eben nicht die von Max Weber propagierte Werturteilsfreiheit und Selbstbeschränkung, sondern das Gegenteil: Kulturbeherrschung. Katharina Neef zeichnet die Entwicklung einer Soziologie jener Denker nach, die aus der Sozialreform nach 1900 hervorgegangen sind. Katharina Neef, Dr. phil., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Religionswissenschaftlichen Institut der Universität Leipzig.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 326
    Erscheinungsdatum: 08.11.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593418698
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 14673 kBytes
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Die Entstehung der Soziologie aus der Sozialreform

'Ich glaube, dass es ganz allgemein bei jedem Feld um seine Grenzen geht, um die Zugehörigkeit oder Nicht-Zugehörigkeit zu diesem Feld. In einem Feld von Soziologen stellt sich die Frage, wer Soziologe ist und wer nicht, und damit, wer das Recht hat, darüber zu bestimmen, wer Soziologe ist und wer nicht (oder in einem Feld von Mathematikern, wer Mathematiker ist und wer nicht).'

Das 'Feld' der Soziologie und dieser Arbeit

Die 'Frage, wer Soziologe ist und wer nicht' - und weiter: die Frage nach beruflicher, sozialer, religiöser oder politischer Identität - stellt sich nicht nur zeitgenössisch als Positionierung zu Kollegen oder zu denen, die man eben nicht als Kollegen sieht; sie stellt sich auch historisch. Durch den Rekurs auf Forscher vergangener Generationen wird (nicht zuletzt in Anlehnung an Thomas Kuhns Paradigma der Entstehung wissenschaftlicher Disziplinen) eine akkumulative 'Ahnenreihe' konstruiert, auf die sich gegenwärtige Vertreter einer Disziplin berufen. Diese ?Galerie? legitimiert die Disziplin und ihre aktuellen Vertreter zum einen durch das Aufzeigen einer Tradition, in die man sich stellt, und zum anderen dadurch, dass diese Tradition durch ihre pure Existenz die Legitimität und Plausibilität des Erkenntnisanspruchs der Disziplin zu beweisen scheint: Die Anzahl und das Alter von Lehrstühlen werden dann zum Beleg nicht nur des Alters der Disziplin, sondern auch zum Beleg der Sinnhaftigkeit ihres Erkenntnisinteresses und ihrer Erkenntnismethoden.

In der Folge werden alternative Methoden, alternative Vorstellungen vom Ziel der betreffenden Disziplin oder alternative Akteure (als die aus der 'Ahnengalerie' bekannten) als abwegig und der Legitimation und Plausibilität einer konkreten akademischen Disziplin abträglich angesehen und infolgedessen vernachlässigt oder gar abgewehrt. Die Metapher des Feldes ist für diese Prozesse angemessen: Ein Feld wird von Grenzsteinen und Grenzlinien entlang dieser Marken definiert. Was im Landbau durch Steine und Geodäten geschieht, passiert analog im Geistigen und Sozialen durch das Forschungsobjekt und die Methoden bestimmende Lehrsätze; bestimmte Positionen und Ansichten sind unhinterfragbar - ihre Infragestellung kommt dem Grenzübertritt gleich. Jenseits dieser Linien ist nicht 'Niemandsland', dahinter sind andere Felder, andere Disziplinen.

Der Begriff des Feldes ist als einfache Metapher und als funktional differenziertes Konzept eingeführt. Hier wird er nur als Metapher genutzt; die kritische Diskussion der jüngeren Bourdieu-Exegese wäre daher wenig ergiebig. Bourdieus Felder konstituieren sich als autonom, das heißt, sie entstehen durch Abgrenzung von anderen Feldern durch Ausdifferenzierung. Über Art und Herkunft der Ausdifferenzierung aus den vielgestaltigen Phänomenen sozialen Zusammenlebens äußert Bourdieu sich nicht; diese Bestimmung steht dem Forscher, seinem Erkenntnisinteresse und seiner Perspektive zu.

Die Interessen und Perspektiven dieser Arbeit seien daher konkretisiert. Ihr liegt die einfache Feststellung zugrunde, dass Soziologiegeschichtsschreibung nicht den Anforderungen historischer Arbeit gerecht wird: Sie verkürzt sich auf professorale Vertreter und Vordenker, thematisiert deren Theorien und verweist auf Beziehungen dieses engen Zirkels zueinander. Dass und wie dieses Verfahren den legitimatorischen Interessen der Disziplin, dem 'Abstecken ihres Feldes', gerecht wird, wird im Teil 'Disziplin- versus Fachgeschichte' umfassend dargestellt. In den historisch verkürzten soziologiegeschichtlichen Arbeiten geriet der Umstand aus dem Blick, dass wissenschaftliche Disziplinen gerade im Moment ihres Entstehens als solche weder aus dem Nichts hervortreten noch als reine ideelle Gebilde umfassend beschrieben werden können. Die Soziologie - wie alle akademischen Disziplinen, deren Entstehung in das Ende des langen 19. Jahrhunderts fällt (Psychologie, Religionswissenschaft, K

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