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Die Gesellschaft der Singularitäten Zum Strukturwandel der Moderne von Reckwitz, Andreas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.10.2017
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Die Gesellschaft der Singularitäten

Das Besondere ist Trumpf, das Einzigartige wird prämiert, eher reizlos ist das Allgemeine und Standardisierte. Der Durchschnittsmensch mit seinem Durchschnittsleben steht unter Konformitätsverdacht. Das neue Maß der Dinge sind die authentischen Subjekte mit originellen Interessen und kuratierter Biografie, aber auch die unverwechselbaren Güter und Events, Communities und Städte. Spätmoderne Gesellschaften feiern das Singuläre. Ausgehend von dieser Diagnose, untersucht Andreas Reckwitz den Prozess der Singularisierung, wie er sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts in Ökonomie, Arbeitswelt, digitaler Technologie, Lebensstilen und Politik abspielt. Mit dem Anspruch einer Theorie der Moderne zeigt er, wie eng dieser Prozess mit der Kulturalisierung des Sozialen verwoben ist, welch widersprüchliche Dynamik er aufweist und worin seine Kehrseite besteht. Die Gesellschaft der Singularitäten kennt nämlich nicht nur strahlende Sieger. Sie produziert auch ihre ganz eigenen Ungleichheiten, Paradoxien und Verlierer. Ein wegweisendes Buch. Andreas Reckwitz, geboren 1970, ist Professor für Soziologie an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder. Seine viel beachtete Studie Die Gesellschaft der Singularitäten. Zum Strukturwandel der Moderne wurde 2017 mit dem Bayerischen Buchpreis ausgezeichnet. 2019 ist er Fellow im Thomas-Mann-Haus in Los Angeles.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 09.10.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518754283
    Verlag: Suhrkamp
    Größe: 6919 kBytes
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Die Gesellschaft der Singularitäten

I .
Die Moderne zwischen der sozialen Logik des Allgemeinen und des Besonderen

In der Moderne konkurrieren eine soziale Logik des Allgemeinen und eine soziale Logik des Besonderen miteinander. Von dieser Grundannahme geht dieses Buch aus. Die Logik des Allgemeinen ist mit dem gesellschaftlichen Prozess der formalen Rationalisierung verknüpft, die Logik der Singularitäten mit einem Prozess der Kulturalisierung. Während in der klassischen, vor allem der industriellen Moderne, Prozesse der Singularisierung und Kulturalisierung Antipoden zur Herrschaft des Allgemeinen darstellten und dieser zugleich strukturell untergeordnet waren, werden sie in der Spätmoderne leitend und strukturbildend für die ganze Gesellschaft. Zugleich ändert die Rationalisierung ihre Form und verwandelt sich zu großen Teilen in eine Hintergrundstruktur für Singularisierungsprozesse. Um diese These zu plausibilisieren, sind einige Begriffsklärungen und historische Schematisierungen nötig. Ich umreiße in diesem Kapitel zunächst die soziale Logik des Allgemeinen in der klassischen Moderne und ihre Praxis formaler Rationalisierung (1). In Absetzung dazu werden der Begriff der Singularitäten, die Merkmale einer sozialen Logik des Besonderen und ihrer Praktiken entwickelt (2). Anschließend geht es um den Zusammenhang von Singularisierung und Kulturalisierung sowie die Neufassung eines starken Kulturbegriffs, in dessen Zentrum die Frage nach dem "Wert" und Prozesse der Valorisierung stehen (3). Vor diesem Hintergrund und bezogen auf die historisch-gesellschaftliche Entwicklung von den vormodernen Gesellschaften bis zur Spätmoderne, lassen sich dann Phasen der Transformation der Kultursphäre schematisch herausarbeiten, in denen sich die gesellschaftliche Relation zwischen dem Allgemeinen und dem Besonderen verändert (4). 28
1. Die soziale Logik des Allgemeinen

Das doing generality der Moderne

Was ist die Moderne? Was sind die zentralen Merkmale der modernen Gesellschaft in ihrer klassischen Gestalt? Aus meiner Sicht ist die Antwort eindeutig: Der strukturelle Kern der klassischen Moderne, wie sie sich seit dem 18. Jahrhundert zunächst in Westeuropa ausgebildet hat, ist zunächst eine soziale Logik des Allgemeinen , die auf eine Standardisierung, Formalisierung und Generalisierung sämtlicher Einheiten des Sozialen drängt. Die Moderne formatiert die Welt der bis dahin traditionalen Gesellschaften grundlegend um, sie prägt ihr in ihren Praktiken, Diskursen und institutionellen Komplexen durchgängig und immer wieder aufs Neue Formen des Allgemeinen auf. Als großflächige Praxis betreibt sie ein, wie ich es nennen möchte, umfassendes doing generality der Welt.

Ein solches Verständnis der klassischen Moderne kann an eine bestimmte soziologische Theorie der Moderne anknüpfen und sie zugleich auf eine abstraktere Ebene heben: Die Moderne ist zunächst als ein Prozess der formalen Rationalisierung zu verstehen. Formale Rationalisierung heißt: Die Moderne transformiert die Gesellschaft so, dass sich jenseits der traditionalen Gepflogenheiten großflächige Komplexe von berechenbaren Regeln bilden, denen technisch oder normativ regulierte Handlungsweisen folgen. Die formale Rationalisierung lässt sich vom Telos der Optimierung leiten, deren Fluchtpunkte eine effiziente Bearbeitung der Natur und eine transparente Ordnung des Sozialen sind. Dieses Verständnis der Moderne als elementarer Rationalisierungsprozess versteht sich nicht von selbst. Wenn man den soziologischen Diskurs nach den zentralen Merkmalen der klassischen Moderne befragt, erhält man vielmehr höchst unterschiedliche Antworten. Häufig - vor allem in der d

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