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Die gesellschaftliche Verortung des Geschlechts Diskurse der Differenz in der deutschen und französischen Soziologie um 1900

  • Erscheinungsdatum: 14.11.2011
  • Verlag: Campus Verlag
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Die gesellschaftliche Verortung des Geschlechts

Die klassische Soziologie bildete sich um 1900 in Deutschland und Frankreich unterschiedlich heraus. Dabei ging die Einführung soziologischer Begriffe und Methoden in beiden Ländern Hand in Hand mit Kategorisierungen des Geschlechts. Der Band geht diesem Zusammenhang im Hinblick etwa auf "Familie", "Beruf" und "Erwerbstätigkeit" nach und zeigt, wie diese Kategorien unser Bild von der Moderne bis heute prägen. Es werden sowohl semantische als auch strukturelle Besonderheiten im nationalen Kontext beleuchtet, wie die Frage, warum in Frankreich der Feminismus eine geringere Legitimität erhielt als in Deutschland.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 294
    Erscheinungsdatum: 14.11.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593412115
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 3773 kBytes
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Die gesellschaftliche Verortung des Geschlechts

Was die Deutungen der Geschlechterdifferenz anbelangt, so bewegte sich die Soziologie an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in einem spannenden Feld. Die Projekte jener Tage enthielten geschlechtliche Konnotationen, Implikationen und Kategorien, welche die soziologische Semantik der Differenzierung, Rationalisierung und Vergesellschaftung eingefärbt haben. Umgekehrt enthielten die soziologischen Beschreibungen der Moderne auch den Versuch, die soziale Dynamik zu entdecken, die den Geschlechterbeziehungen zugrunde liegt. Deutlich wird das Bemühen um eine differenzierte Sichtweise, wenn etwa Georg Simmel den 'Arbeiter' vom 'Begriff des Arbeiters', die 'Frau' vom 'Begriff der Frau' (1908: 464ff.) unterschieden wissen will. Daher können die um 1900 inhaltlich, thematisch und methodisch verschiedenen Einzelstudien auch mit Blick auf das Geschlecht als 'Wasserscheide zur alten Soziologie' (Rammstedt 1988b: 278) gelten, die einen besonderen Reflexionsstil des ?Sozialen? erkennen lassen (vgl. Kieserling 2005; Mucchielli 1998; Rammstedt 1988a: 9). Auf welche Weise war die Soziologie diesseits und jenseits des Rheins an der viel zitierten Konstruktion des Geschlechts beteiligt? Das ist die Frage, der wir uns im vorliegenden Band widmen wollen. Dabei konzentrieren wir uns bei den Differenzmustern auf die Soziologie im deutschen und französischen Kontext, die um 1900 eine prominente Stellung einnimmt (vgl. Lepenies 1981; Wagner 1990). Der Neuanfang der Soziologie, der auch in Bezug auf das Geschlechterverhältnis fassbar wird, ist durch den sozialen Kontext und die kulturellen Besonderheiten von Nationalgesellschaften gerahmt. In beiden Ländern ist die Etablierung des soziologischen Feldes in unterschiedliche Auffassungen vom Sozialen eingebettet, schließt an verschiedene wissenschaftliche und epistemische Tradierungen an, in denen die Geschlechterdifferenz wiederum präsent ist. In einer komparativen Perspektive werden daher die Genese, die Bedeutung und die Spuren der Studien untersucht, die die Geschlechterdifferenz als Reflexions- und Beschreibungsmittel für die sich unter den Augen der Soziologie vollziehenden gesellschaftlichen Umbrüche etablierten. Wenn wir von der nationalen Prägung der Soziologie um 1900 ausgehen, sind einige Anmerkungen hilfreich. Die soziologischen Traditionen wurden oftmals als fixe nationale Größen und undurchlässige Blöcke arrangiert. Hierbei, so zeigt Johan Heilbron (2008), werden sie zwar oftmals als nationale Traditionen unterstellt, erstaunlicherweise aber als solche kaum systematisch untersucht (vgl. dazu Bielefeld 2003; Krech/Tyrell 1995). Diese Annahmen sind aber folgenreich, denn sie legen fest, wie und in welchem Rahmen die Geschlechterdifferenz verhandelt wird, und sie stellen die Weichen für ihre weitere Bearbeitung. Wir gehen davon aus, dass die sozialen und kulturellen Einflussfaktoren soziologischer Forschung in Frankreich und Deutschland variieren. Insofern wird nach dem sozialen Umfeld gefragt, in das die soziologischen Unternehmungen um 1900 gehören und nach ihrem kulturellen Kontext, also der jeweiligen nationalen Filterung. Kontexte vergleichen - Vergleich im Kontext. Im Unterschied zu Konzepten, die nationale Räume als feste kulturelle, politische, ökonomische Blöcke betrachten, wollen wir jedoch nicht nur die idiosynkratischen Charakteristika ausfindig machen, sondern unter dem Blickwinkel von Austausch - zum Beispiel in Form von Ansteckung, Mimese, Konflikt oder Kooperation - auch von verschiedenen Akteuren und Räumen geteilte Objekte untersuchen (vgl. für viele Werner/Zimmermann 2004). Dieser kann Ideen, technische Organisationen, gesellschaftliche Regelungen oder Kategorien betreffen. So bezeugen die weiblichen Allegorien der Nation Germania und Marianne die wechselseitige Bezugnahme auf geschlechtliche Codierungen. Denken wir hier nur an die Verwandlungen der Germania, die um 1848 offensichtliche Anleihen bei ihrer Schwester Marianne machte, um dann später in

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