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Die Globalisierung der Ungleichheit von Bourguignon, Francois (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.10.2013
  • Verlag: Hamburger Edition HIS
eBook (PDF)
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Die Globalisierung der Ungleichheit

Segen oder Teufelswerk? Ist die Globalisierung für den beispiellosen Anstieg von Ungleichheit in der Welt verantwortlich? Verweist sie alle Hoffnungen auf soziale Gerechtigkeit ins Reich der Utopie? Kaum eine Debatte wird so erhitzt geführt wie jene um die Globalisierung. Das Verhältnis von Ungleichheit und Globalisierung muss in der doppelten Perspektive - national und international - betrachtet werden, um in seiner Komplexität begreifbar zu werden. So steht dem Anstieg nationaler Ungleichheit paradoxerweise eine Abnahme globaler Ungleichheit gegenüber. Bourguignon, ehemaliger Chefökonom der Weltbank, analysiert diese antagonistischen Effekte der Globalisierung. Mit Blick auf die Schwellenländer ist die Ungleichheit im Weltvergleich geringer geworden: Der Lebensstandard in Brasilien, China oder Indien nähert sich langsam demjenigen der Nordamerikaner und Europäer an. Binnenstaatlich betrachtet sind die Ungleichheiten jedoch in einer nicht geringen Anzahl der Länder eklatant geworden, was zu sozialen Spannungen führen musste. Ohne neue Marktregularien, einer steuerlich indizierten Umverteilung und Gehaltsobergrenzen wird die zunehmende Ungleichheit nicht einzudämmen sein. Bourguignon beschreibt das Instrumentarium, das den nationalen wie internationalen Entscheidungsträgern zur Verfügung steht, um eine an Gerechtigkeitsmaßstäben ausgerichtete Verteilungspolitik zu verwirklichen. Wer heute zunehmende Globalisierung der Ungleichheit verhindern will, muss für eine Globalisierung der Umverteilung eintreten. François Bourguignon ist Professor an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris. Von 2003 bis 2007 war er Chefökonom der Weltbank und bis Januar 2013 Direktor der École d Économie in Paris.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 08.10.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783868546026
    Verlag: Hamburger Edition HIS
    Originaltitel: La Mondialisation de l'inégalité, Editions du Seuil
    Größe: 1045 kBytes
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Die Globalisierung der Ungleichheit

I Die globale Ungleichheit

Globale Ungleichheit ist definiert als Ungleichheit zwischen allen Bürgern der Welt. Als solche wenig umstritten, verbindet sie auf ziemlich komplexe Weise zwischen - und binnen -staatliche Ungleichheit.

Wenn von Ungleichheit die Rede ist, gilt es drei Fragen zu stellen: Ungleichheit "wovon", Ungleichheit "bei wem" und "wie viel" Ungleichheit? In Bezug auf die erste Frage kann man von Ungleichheit des Einkommens, des Vermögens, der Konsumausgaben oder allgemeiner des wirtschaftlichen Wohlstands sprechen. Im Hinblick auf die globale Ebene interessiert uns hier die Ungleichheit des "Lebensstandards", dessen Durchschnitt durch das Pro-Kopf-Einkommen eines Landes definiert wird. Es unterscheidet sich meist nicht sehr vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Einwohner, und seine Verteilung innerhalb der Bevölkerung lässt sich aus Haushaltserhebungen entnehmen. 2 In Bezug auf die zweite Frage interessiert uns die Ungleichheit zwischen den Bürgern dieses Planeten, wobei wir unterscheiden zwischen "zwischenstaatlicher" (oder "internationaler") Ungleichheit, also Ungleichheit, die in der Welt bei gleichem binnenstaatlichem Lebensstandard zu verzeichnen wäre, und "globaler" Ungleichheit, die auch die nationalen Unterschiede im Lebensstandard einbezieht. Um schließlich die Ungleichheit zu messen, verwenden wir drei Indikatoren: den Anteil der Reichsten (die reichsten 1, 5 und 10 Prozent), den relativen Abstand des durchschnittlichen Lebensstandards zwischen dem obersten und dem untersten Dezil (den reichsten und den ärmsten 10 Prozent) und den Gini-Koeffizienten. 3

Eine letzte Definitionsfrage ist noch zu klären: der Unterschied zwischen Ungleichheit und Armut. Man kann gegen die obigen Messgrößen einwenden, dass sie im Wesentlichen relativer Natur sind. Doch dass die ärmsten 10 Prozent nur ein Zehntel des Lebensstandards der reichsten 10 Prozent erreichen, hat in Indien nicht die gleiche Bedeutung wie in Luxemburg. In Indien bedeutet es, dass die Ärmsten nur mit Mühe überleben können und beim geringsten ökonomischen Zwischenfall von Hunger bedroht sind, was in Luxemburg nicht der Fall ist. Es ist also wichtig, eine absolute Norm zur Bewertung globaler Ungleichheit einzuführen. Ein praktisches Verfahren ist, eine absolute Armutsschwelle zu bestimmen und die Zahl derer zu zählen, die sich unterhalb dieser Schwelle befinden. Die heutzutage meistverwendete Schwelle ist die von "1,25 Dollar pro Kopf und Tag", also etwa ein Euro, nach konstanter internationaler Kaufkraft (zu Preisen von 2005). Die Zahl entspricht faktisch dem Mittelwert der in den ärmsten Ländern verwendeten offiziellen Armutsschwelle.
Globale Ungleichheit von Frankreich bis Äthiopien

Egal, welche Messmethode man anwendet, die globale Ungleichheit ist beträchtlich, wahrscheinlich sehr viel gravierender als das, was ein einzelner Staat aushalten würde, ohne in eine ernste Krise zu geraten. Um sie ins richtige Verhältnis zu setzen, nehmen wir einige Länder als Beispiel.

Im Jahr 2006, das wir als Bezugsjahr nehmen wollen, lag das jährliche Pro-Kopf-Einkommen in Frankreich bei ungefähr 26000 Euro (zu internationaler Kaufkraft von 2005), doch der durchschnittliche individuelle Lebensstandard betrug 18000 Euro pro Jahr. 4 Die reichsten 10 Prozent kamen auf 23 Prozent des Gesamteinkommens und auf etwas mehr als das Sechsfache des Einkommens der ärmsten 10 Prozent. Ihr Lebensstandard lag bei 40000 Euro pro Kopf und Jahr, der der ärmsten 10 Prozent hingegen nur bei 6000 Euro. Der Gini-Koeffizient, wie oben definiert, betrug 0,28. Das Lebensstandardgefälle zweier zufällig ausgewählter Personen belief sich durchschnittlich auf 28 Prozent des Durchschnittseinkommens, also 5000 Euro.

Unter den reichen Ländern kann Frankreich als ein Land

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