text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Die Kriminalitätstheorien der Chicago-Soziologie Über den zweifelhaften Einfluss von Erziehungsheimen von Paschke, Sven (eBook)

  • Verlag: Diplomica Verlag GmbH
eBook (PDF)
33,00 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Die Kriminalitätstheorien der Chicago-Soziologie

In den Zwanziger und Dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts wurden am Department der Soziologie an der Universität Chicago drei Veröffentlichungen unter Leitung von Clifford Shaw erarbeitet: "The Jackroller", "The Natural History of a Delinquent Career" und "Brothers in Crime." Diese beinhalten ausführliche autobiographische Darstellungen von kriminellen Jugendlichen, die von Soziologen wie Ernest Burgess und Clifford Shaw analysiert wurden. Die drei Veröffentlichungen hatten einerseits für die Entwicklung von zwei, mit der generellen soziologischen Theorierichtung des "Symbolischen Interaktionismus" eng verbundenen Theorien des abweichenden Verhaltens, nämlich der "Theorie der differenziellen Assoziation" von Edwin Sutherland und Donald Cressey sowie der "Theorie der Etikettierung", bzw. der "Theorie der sekundären Devianz" von Howard Becker und Edwin Lemert, und andererseits für die Entwicklung der qualitativen Sozialforschung, und hier insbesondere der Biografieforschung, eine zentrale Bedeutung. Das Ziel der vorliegenden Untersuchung bestand in der Überprüfung der beiden Abweichungstheorien der differenziellen Assoziation sowie der sekundären Devianz anhand der drei "Documentaries" der Chicago-Soziologie zu kriminellen Karrieren von Heranwachsenden hinsichtlich ihrer Stärken und Schwächen. Zudem wurden die autobiographischen Falldarstellungen selber auf ihre Textvalidität und ihre empirische Operationalisierbarkeit und empirisch-theoretische Validität hin analysiert und eingeschätzt.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 184
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783836628303
    Verlag: Diplomica Verlag GmbH
    Größe: 768 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Die Kriminalitätstheorien der Chicago-Soziologie

Kapitel 2.2.2 Sidney becomes a "big shot"

Mit neun Jahren wird Sidney von einem Jugendrichter für vier Monate in die "Parental School" entsandt. "Never had I been away from home for even one night before. [...] When the shadows of evening began to fall I grew very lonely and I couldn't help from laying myself down by a radiator in an obscure corner and crying with my head in my arms as I had never cried before. We were so far away from where people existed and I was so sad and lonely. I didn't sob out loud only softly, but very earnestly." Die nächsten Tage zeigt Sidney nach außen hin keine Gefühle mehr, die auf sein Heimweh schließen lassen, weil dies innerhalb der delinquenten Gruppe als kindisch gilt. Ähnlich, wie Stanley empfindet auch Sidney die Disziplin in dieser militärisch geführten Schule als sehr streng. "I was unused to discipline and received many black marks as I could not become easily accustomed to it." Wie es Stanley bereits beschrieb, gilt innerhalb der Gruppe der Delinquenten ein Verhaltenscodex, der einen Schweigecode enthält. Allerdings erscheint es der resozialisierenden Gruppe nicht dienlich, ihre Wahrheit zu verfolgen: Denn bereits William James formulierte, dass "Wahrheit ein Attribut unserer Überzeugungen [ist], und diese wiederum sind Einstellungen, die auf Befriedigungen zielen." Diese Befriedigungen können aber nur erreicht werden, wenn deviante Handlungsweisen im Sinne Paul Goodmans korrigiert werden können. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint die Handlungsweise des Hausvaters, der Schweigen bestraft und den "Verrat" belohnt, nachvollziehbar. Dabei wich die Bestrafung für das Schweigen wenig von denen anderer Verfehlungen ab: "Punishment consisted of the cage or guard room as it was sometimes called, beatings with straps or lengths of hose, standing on line for hours at a time and of squats and muscle grinders. Bowls of milk and three slices of bread instead of a meal was the least of the punishments inflicted upon us.""Black marks" vergaben auch die Lehrer in der am Vormittag zu besuchenden Schule, für das Sprechen mit anderen Jungen und für das sich Umdrehen zum Hintermann, sehr schnell. Insgesamt schien es Sidney zuerst unmöglich, alle Regeln korrekt umzusetzen.

Damit bei den Jugendlichen keine Gedanken an devianten Verhaltensweisen aufkamen, galten neben den Verhaltensregeln reglementierte Tagesabläufe: Um sechs Uhr standen sie auf, von sieben Uhr bis um acht Uhr folgte die Drillausbildung, bevor um neun Uhr die Schule begann. Nachmittags mussten die Jugendlichen bestimmte Arbeiten verrichten, bevor sie um sieben Uhr ins Bett gingen. Das Ziel der monatlichen Drillausbildung bestand, in der uniformen Präsentation eines Hauses bei der monatlich stattfindenden Parade. "Each month the best drilled company was awarded first place. The first place prize consisted of a flag. It was the only flag carried by any company and the companies sometimes tried desperately to retain the flag for month after month." Nach vier Monaten wird Sidney aus der "Parental School" entlassen und sich bewusst, dass sich der Zustand seiner Zähne sehr verschlechtert hat, weil sie in dieser Institution keine Ärzte beschäftigten und nur im Notfall den Insassen Hilfe zukommen lassen.

"For six months I went to school regularly and stood home in the evenings, but it was very dull and it didn't feel natural. The tame games that I played with the children of my age afforded me very little excitement."

Zu einem Umbruch in seinem Leben kommt es, als die Familie von der R-Street in die H-Avenue zieht, und Sidney jetzt in die G-Schule gehen muss. Hier lernt er zuerst einen älteren Jungen, der Sohn eines Juweliers ist, kennen, der über viel Geld verfügt und die Freizeitaktivitäten der beiden Jungen bezahlt. Der Altersunterschied und der Wunsch nach eigenem Geld, um seine Zähne behandeln zu lassen, begünstigen, dass Sidney kurz darauf sich einer neuen Gruppe, bestehend a

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen