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Die stille Integration Identitätskonstruktionen von polnischen Migranten in Deutschland von Boldt, Thea D. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.01.2012
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (PDF)
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Die stille Integration

Etwa zwei Millionen Menschen polnischer Herkunft leben in Deutschland. Anhand von biographischen lebens- und familiengeschichtlichen Erzählungen polnischer Migranten schildert Thea Boldt deren Identitätskonstruktionen und Alltagserfahrungen. Sie zeigt, welche wichtige Rolle dabei die schwierige deutsch-polnische Kollektivgeschichte bis heute spielt.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 223
    Erscheinungsdatum: 16.01.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593412139
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 2537 kBytes
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Die stille Integration

Vorwort Spätestens seitdem die Integrationsdebatte in Deutschland durch die Thesen von Thilo Sarrazin über die genetischen Grundlagen der Zugehörigkeit zu ethnischen Gruppen und die damit verbundenen essentialistischen Identitätsmerkmale polarisiert wurde, wurde erneut deutlich, dass sich die Wissenschaft mit den in den vorherigen Jahren als politisch unkorrekt in der deutschen Öffentlichkeit verschwiegenen Meinungen und Einstellungen zur Ethnizität, Migration und Identität doch verstärkt auseinandersetzen muss. Dieses Buch hat den Anspruch zu dieser Auseinandersetzung in mehrerer Hinsicht beizutragen. Einerseits macht es empirisch nachvollziehbar, dass Identität und Ethnizität nicht als essentialistische, sondern vielmehr als prozesshafte Phänomene zu betrachten sind. So wird hier an Fallbeispielen gezeigt, wie die Menschen ihre Identitäten in unterschiedlichen historischen und sozialen Kontexten aushandeln und wie in diesem Prozess ethnische Zugehörigkeiten als gesellschaftliche Konstruktionen zu einem relevanten Bezugspunkt ihrer Handlung werden. Dabei wird die Ethnizität nicht als Persönlichkeitsmerkmal, sondern als eine soziale Kategorie zur Bewältigung biographischer Erfahrungen und Organisation sozialer Beziehungen im Alltag gesehen. Andererseits möchte dieses Buch eine neue Perspektive auf die multiethnische Zusammensetzung der deutschen Gesellschaft eröffnen um damit einen Beitrag zur öffentlichen Diskussion über die multikulturelle Identität Deutschlands zu leisten. Deutschland ist ein Einwanderungsland, in welchem in der Diskussion um die Integration bestimmte Einwanderer als problematisch gesehen und diskursiv zu Gruppen zusammengefasst werden, wohingegen andere zwar als unproblematisch gelten, damit aber gleichzeitig unsichtbar bleiben. Vor allem bezüglich der polnischen Einwanderer hat sich in Deutschland über die Jahre die Meinung etabliert, dass diese besonders integrationsfähig seien. Da sich die polnischen Migranten und ihre zivilgesellschaftlichen Vertreter in Deutschland selten zur deutschen Einwanderungs- und Integrationspolitik äußern und kaum über ihre Erfahrungen als Migranten in Deutschland berichten, verläuft ihre Integration fernab der deutschen Öffentlichkeit. Dies führte dazu, dass sie als eine unsichtbare Minderheit wahrgenommen bzw. eben nicht wahrgenommen werden (vgl. Pallaske 2002: 13). Zu diesem Umstand trägt deutlich auch die Komplexität der problematischen statistischen Erfassung der Bevölkerung polnischer Herkunft in Deutschland bei. Zwar sprechen einige polnische Organisationen von etwa zwei Millionen Menschen in Deutschland, die sich selbst als polnisch definieren, Statistiken richten sich jedoch nicht nach der Selbstdefinition der Menschen, sondern nach der Staatsangehörigkeit. Bis zum Beitritt Polens zur Europäischen Union im April 2004 war die doppelte deutsch-polnische Staatsangehörigkeit nicht möglich. Dies führte dazu, dass diejenigen, die sich vor 2004 in Deutschland hatten einbürgern lassen, die polnische Staatsangehörigkeit aufgeben mussten und so in einigen Statistiken zur deutschen Wohnbevölkerung gezählt werden. Darüber hinaus ließ sich ein Großteil der Menschen der sogenannten zweiten großen Migrationswelle aus Polen (1980er- und 1990er-Jahre) in Deutschland über das günstige Verfahren der Anerkennung als deutsche Spätaussiedler einbürgern, obwohl sie überwiegend polnisch sozialisiert waren und vor ihrer Einreise zumeist nichts über ihre deutschen Vorfahren wussten (vgl. Pallaske 2002: 11). Nichtsdestotrotz werden sie statistisch als Menschen deutscher Herkunft erfasst und betrachtet. Die stille Integration der Menschen polnischer Herkunft in Deutschland wie auch das fehlende Wissen über die Bedeutung der bis in das 19. Jahrhundert zurückreichenden Geschichte der Migrationsströme aus Polen nach Deutschland für die deutsch-polnische Kollektiverfahrung tragen dazu bei, dass die tatsächliche über mehrere Generationen hinw

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