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Die Zukunft von Gender Begriff und Zeitdiagnose

  • Erscheinungsdatum: 18.06.2014
  • Verlag: Campus Verlag
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Die Zukunft von Gender

Gender-Mainstreaming beschäftigt die Behörden, Gender und Diversity bilden wichtige Managementinstrumente global agierender Unternehmen und es gibt wohl kaum eine Bildungseinrichtung, die nicht auch Gender-Kompetenz vermitteln möchte. Doch was steckt hinter dem Begriff "Gender", wie ist es zu seiner Popularität gekommen? In welchem theoretischen und zeithistorischen Kontext ist Gender als Kategorie entstanden, und was ist aus der Unterscheidung von Sex und Gender geworden? Welche Folgen hat der häufig ungenaue, ja unbedarfte Wortgebrauch für die Geschlechterforschung? Und schließlich: Welche Zukunft hat der Begriff Gender? Ausgehend von diesen Fragen entwickeln die Autorinnen des Bandes aktuelle Ansätze feministischer Kritik mit dem Ziel, neue interdisziplinäre Perspektiven für die Geschlechterforschung zu entwerfen. Anne Fleig ist Professorin für Deutsche Philologie mit einem Schwerpunkt Geschlechterforschung an der FU Berlin.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 244
    Erscheinungsdatum: 18.06.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593422534
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 1873 kBytes
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Die Zukunft von Gender

Die Zukunft von Gender und das Subjekt des Feminismus: Zur Einleitung

Anne Fleig

'Was wollen Sie noch?' Diese provokante Frage stellte die Künstlerin Angela Dwyer auf dem Titelbild der feministischen studien zum 30-jährigen Jubiläum der Zeitschrift (2013). Unter dem Titel: 'Was dringend getan werden muss' erschien gleichzeitig ein von der Schriftstellerin Antje Rávic Strubel kuratiertes Heft der Neuen Rundschau (2013), das den Blick ebenfalls auf die Geschlechterverhältnisse der Gegenwart richtet. Diese Fragen bezeichnen sehr genau das Spannungsfeld, in dem die 'Zukunft von Gender' liegt: Es ist geprägt durch die Erfolge der Frauenbewegung und der Frauen- und Geschlechterforschung, aber auch der Kritik dieser Erfolge ausgesetzt. Diese Kritik ermöglicht zugleich die Fortführung feministischer Reflexion (vgl. Knapp 2012: 13).

Es gilt also zu ermessen, was noch nicht getan wurde, und zugleich den Antrieb für dieses Tun nicht zu verlieren. Denn eine andere Antwort auf die Frage 'Was wollen Sie noch?' könnte durchaus lauten: Es ist alles getan, oder doch fast, nur noch ein wenig mehr Anstrengung, und die Zukunft beginnt. Darüber hinaus stellen die Titel der beiden Hefte vernehmlich die Frage nach dem 'Was?', also nach der Sache, um die es geht, und nach zukünftigen Aufgaben. Bei Rávic Strubel fällt auf, dass die Frage als Aussage erscheint: Die Frage, was dringend getan werden muss, fällt so mit der Feststellung, dass etwas getan werden muss, zusammen. 'Wer' indes etwas will oder tun soll, bleibt unbenannt.

Auch die in diesem Band versammelten Beiträge stellen sich der Frage nach der Zukunft von Gender, ohne sie immer beantworten zu können oder zu wollen. Denn diese Zukunft beginnt, so die zentrale These des vorliegenden Bandes, mit der Reflexion der Folgen, die verschiedene feministische Theorie-Ansätze nach sich gezogen haben. Zu diesen Folgen gehören sowohl der Wandel von Begriffen und ihren Bedeutungen als auch die Verschiebung von der Frauen- und Geschlechterforschung zu den Gender Studies. Diesem Wandel ist der Übergang von Struktur- zu Wissensfragen inhärent, der weitreichende theoretische Veränderungen nach sich zieht und Gegenstand mehrerer Beiträge ist. Die Auseinandersetzung mit dem Begriff Gender wird daher - wie der Untertitel deutlich macht - zugleich als Zeitdiagnose verstanden. Trotz der unbestreitbaren Erfolge des Konzepts Gender teilen die Beiträge die Annahme, dass tatsächlich noch einiges zu tun ist, weil das Erreichte nicht ausreicht oder sogar Kritik erfordert.

Der auf Joan W. Scott verweisende Titel des Bandes zielt darüber hinaus auf die Diskussion der Frage, inwiefern der Begriff Gender die anstehende Arbeit zu leisten vermag (vgl. Scott 2001: 42), Gender also nicht mehr die 'nützliche Kategorie' ist, die sie einmal war (Scott 1986). Alle Beiträgerinnen sind sich darin einig, dass Gender Zukunft hat. Keine Einigkeit besteht dagegen in der Bewertung des Konzepts. Ob Gender heute überhaupt noch ein Begriff der Kritik oder womöglich vollständig 'depolitisiert' ist, wie Barbara Rendtorff argumentiert, wird in diesem Band kontrovers diskutiert.

Die Frage nach dem Zusammenhang von Kritik und Zukunftsfähigkeit wird gegenwärtig vor allem durch das supranationale Konzept des Gender Mainstreaming sowie den in jüngster Zeit vieldiskutierten Wechselwirkungen zwischen Feminismus und neoliberalem Kapitalismus (vgl. Fraser 2009) aufgeworfen. Die Debatte über die Zukunft des Konzepts Gender setzt daher an der Kontextualisierung und Historisierung des Gender-Begriffs an, um die Verflechtung von Theorie und gesellschaftlicher Entwicklung zu verstehen und das Anliegen theoretischer Anstrengung zu schärfen, wenn nicht sogar wieder zum Vorschein zu bringen.

Im Folgenden geht es also sowohl um einen Blick zurück, um eine Bestandsaufnahme und Revision theoretischer Konzepte der Geschlechterforschung aus der Perspektive verschiedener, aber vielfach mitein

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