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Genossenschaftliche Selbsthilfe von Senioren Motive und Handlungsmuster bürgerschaftlichen Engagements von Köstler, Ursula (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.04.2010
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (ePUB)
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Genossenschaftliche Selbsthilfe von Senioren

Zahlreiche Bundesförderprogramme erklären bürgerschaftliches Engagement zum zentralen gesellschaftspolitischen Thema. So ist Hilfe zur Selbsthilfe ein aktuelleres Thema denn je. Mit der politischen Idee der Seniorengenossenschaft werden traditionelle Formen der Solidarität wiederentdeckt. Bürgerinnen und Bürger organisieren auf der Basis von Zeitgutscheinen gegenseitige Hilfen im Alltag und Gesellungsveranstaltungen. Anhand von Biographien von in Seniorengenossenschaften aktiven Menschen werden Verlaufsformen und Sinnorientierung des Engagements gezeigt. Ergänzend wird der Entscheidungsprozess, wie aus Engagementpotenzial tatsächliches Engagement wird, offengelegt. Das Buch richtet sich gleichsam an Experten wie Praktiker.

Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt ist Professor für Sozialpolitik und Direktor des Seminars für Sozialpolitik an der Universität zu Köln, Dr. Ursula Köstler ist dort wissenschaftliche Mitarbeiterin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 219
    Erscheinungsdatum: 29.04.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170281585
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 9237 kBytes
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Genossenschaftliche Selbsthilfe von Senioren

1 Netzwerke zur Lösung sozialer Probleme

Wir interpretieren Seniorengenossenschaften als Netzwerke (Köstler, 2007b), als Orte der Rollenorientierung, Identitätsstiftung und sinngebenden Personenwerdung, ohne außer Acht zu lassen, dass auch strategische Überlegungen zum Eintritt in eine Seniorengenossenschaft sowie zum Engagement dort grundlegend sein können. Beginnen wollen wir mit einigen theoretischen Überlegungen, die den Rahmen zeichnen, innerhalb dessen sich das Forschungsfeld zentriert, die aber auch deutlich machen, wie vieldimensional ein Forschungsvorhaben ist, das den Menschen und seine Netzwerke in den Mittelpunkt stellt.
1.1 Netzwerke als Form und als Norm

Netzwerke sind ein universelles Phänomen des Menschen. Der Mensch lebt nur in Wechselwirkung zum Mitmenschen, und seine soziale Welt ist eine solche der sozialen Beziehungen. Zugleich lebt der Mensch in den Netzwerken als personalisierte Individualität. Dies bedeutet, dass er einerseits seine Identität in den Rollenorientierungen findet, die mit den sozialen Beziehungen verbunden sind. Denn er ist so gesehen nur als Mitmensch selbst eine Person. Auf der anderen Seite kann er aufgrund seiner Besonderheit als personales Selbst, eben seines Ich-Bewusstseins, Distanz schaffen zu den Netzwerken. Eingebunden in Netzwerke gewinnt der Mensch relative Autonomiespielräume. Diese machen dann das Verhältnis des eigenen Selbst zu den sozialen Bindungen zum Thema eigenständiger Reflexionen. Der Mensch hat die Seinseigenschaft, eine "exzentrische Positionalität" einzugehen, wie Helmuth Plessner (Plessner, 2003) als philosophischer Anthropologe dies nannte.

Daraus ergibt sich die Möglichkeit, dass das Verhältnis des Menschen zu den Netzwerken seiner sozialen Beziehungen recht unterschiedliche Gestalt, verschiedene Formen und auch verschiedene Qualitäten annehmen kann. So kann der Mensch in einen Konflikt mit seinen Netzwerken geraten. Er kann sich von seinen sozialen Beziehungswelten entfremden. Er kann dort aber auch völlig aufgehen und unkritisch sich selbst und seine Autonomiemöglichkeiten verlieren.

Dabei müssen Netzwerke nicht unbedingt gesellschaftlich wertgeschätzt, akzeptiert oder gar rechtlich erlaubt sein. Es können Netzwerke abweichenden Verhaltens sein, im Sinne von kriminellen Vereinigungen oder politisch problematisierten Organisationen. Offensichtlich ist, dass im sozialpolitischen Kontext (Schulz-Nieswandt, 2010) in der Regel solche Netzwerke diskutiert werden, die individuell wie gesellschaftlich und somit auch politisch positiv geschätzt werden. Dies sind Netzwerke, die Gemeinwohlverpflichtungen aufweisen oder zumindest positive externe Effekte produzieren. Rahmengebend sind dann gewollte rechtliche Fördermaßnahmen und politische Anerkennungskulturen.

Die soziale Tatsache, um mit dem klassischen französischen Soziologen Èmile Durkheim (Durkheim, 2007) zu sprechen, dass die menschliche Existenz immer "Wechselwirkungen" unterworfen ist, wie es der klassische deutsche Soziologe Georg Simmel (Simmel, 2006) nannte, ändert nichts daran, dass die normative Debatte, welche Netzwerke aus welchen Gründen wie geschätzt, geschützt, gefördert und entwickelt werden sollen, getrennt von den empirischen Tatsachen geführt werden muss.
1.1.1 Zwei idealtypische Formen von Netzwerkbeziehungen

Individualisierte Personen haben die Möglichkeit, unterschiedliche Blickwinkel auf ihre persönlichen Netzwerke einzunehmen und sich in unterschiedliche Handlungslagen zu den Netzwerken zu begeben. Voraussetzung sind ihre einerseits seinsmäßigen, andererseits immer auch aktivierungsbedürftigen Fähigkeiten, sowohl über sich selbst reflektieren zu können als auch die eigene Einbindung in soziale Rollenkreise und somit ihre Integration in die Gruppe reflektieren zu können. In der Sozialkapital-Forschung, die sich mit den Netzwerken der verschiedenen Formen beschäftigt, werden hierzu wichtige Unterscheidungen getrof

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