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Georg Simmel zur Einführung von Jung, Werner (eBook)

  • Verlag: Junius Verlag
eBook (ePUB)
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Georg Simmel zur Einführung

Georg Simmel (1858-1918) ist heute nicht nur ein Klassiker der Soziologie, der mit seinen Untersuchungen über die Wechselwirkungen zwischen Individuum und Gesellschaft die Soziologie als Wissenschaft begründete. Der späte Simmel ist auch auch ein Philosoph von Rang. In dieser Einführung wird ein Überblick über die Schaffensphasen im Leben Simmels gegeben, der als Kritiker Kants und einer idealistischen Metaphysik begann, sich als Soziologe und vor allem Kulturtheoretiker einen Namen machte und sich in seinem Spätwerk Fragen der Ästhetik und einer lebensphilosophischen Metaphysik zuwendete. Deutlich wird dabei, dass Simmel bestimmte Fragestellungen stets durchgehalten hat. Vermeintliche Widersprüche in seinem Werk fügen sich in der Zusammenschau zu einer offenen, fragmentarisch-unabgeschlossenen Theorie der Moderne. Werner Jung lehrt und forscht an der Universität Duisburg-Essen vor allem auf dem Gebiet der Neueren Deutschen Literaturgeschichte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960600879
    Verlag: Junius Verlag
    Größe: 514 kBytes
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Georg Simmel zur Einführung

2. Ein Leben, nach mittleren Maßen gemessen, gerundet und gut abgeschlossen

Über Georg Simmels äußere Biografie ist nur wenig bekannt, und dasjenige, was bekannt ist, schöpft zumeist aus zwei Quellen, Michael Landmanns "Bausteinen zur Biographie" (1958) und Hans Simmels Lebenserinnerungen (1976). Ein anderer Unbekannter, der Schriftsteller Karl Otten, aus dessen Biografie ebenfalls nur Bruchstücke überliefert sind, bemerkte einmal treffend über diesen Sachverhalt, dass die Lücken in seiner Lebensgeschichte "jeder nach Belieben oder Unbehagen selber ausfüllen kann, am einfachsten durch das Lesen meiner Bücher". Ein beherzigenswerter Vorsatz.

Simmels Vater Edward wurde 1810 in Breslau geboren. Er war Kaufmann und trat irgendwann in den frühen 1830er Jahren vom Judentum zum Katholizismus über. 1838 heiratete er Flora Bodstein aus Breslau, die ebenfalls jüdischer Herkunft war, jedoch schon als Kind evangelisch getauft wurde. Nach der Übersiedlung der Familie nach Berlin gründete der Vater die Schokoladenfabrik "Felix und Sarotti", ein zunächst florierendes Unternehmen.

Am 1. März 1858 kam Georg Simmel als jüngstes von sieben Geschwistern zur Welt. Bedingt durch den frühen Tod des Vaters 1874 bestimmte die Familie Julius Friedländer zum Vormund, der Simmel in seiner Neigung zur Musik bestärkte und dem Simmel als seinem "väterlichen Freunde" "in Dankbarkeit und Liebe" noch seine Dissertation widmete. Simmel wurde evangelisch getauft, trat jedoch während des Ersten Weltkriegs aus der Kirche aus, was freilich nicht, wie Landmann ergänzt, "eine Rückkehr zum Judentum" bedeutete, "sondern [...] lediglich dem Bedürfnis nach weltanschaulicher Ungebundenheit [entsprach]" 3 .

Auch wenn Simmel selbst Äußerlichkeiten der Biografie keine weitere Bedeutung zugemessen hat, gibt es doch eine entscheidende Erfahrung, die schon das Kind geprägt hat: das pulsierende Leben der Großstadt. Dazu Margarete Susman, die Schülerin und spätere Freundin der Familie: "Nicht nur die Zeit, auch der Ort seiner Geburt im Herzen des damals schon großstädtischen, lebendig quirlenden Berlin, an der Ecke der Leipziger- und Friedrichstraße, war für sein Leben und Denken entscheidend. Vieles in Simmels Problematik scheint sich ursprünglich an dem Anblick gebildet zu haben, der sich alltäglich seinen Kinderaugen bot. Sicher hängt vor allem die einzigartige Lebendigkeit, Bewegtheit und Fülle, das Überwache seines Geistes mit diesem großstädtischen Ursprung zusammen." 4 Kritiker und Bewunderer, Schüler und Gegner haben immer wieder auf dieses prägende Erlebnis der Großstadt hingewiesen, und der englische Soziologe David Frisby hat diese Lebenserfahrung zum Anlass genommen, um Simmel als zentralen Theoretiker der frühen Moderne zu deuten. 5 Wir werden darauf zurückkommen.

1890 heiratete Simmel die Tochter eines Eisenbahningenieurs und Ministerialbeamten, Gertrud Kinel, die unter dem Pseudonym Marie Louise Enckendorf später selbst vier "bedeutende Bücher" 6 als philosophische Schriftstellerin veröffentlichte. Gertrud Kinel war zwar katholisch getauft, von ihrer Mutter jedoch protestantisch erzogen worden, "was ihr Wesen bis zuletzt prägte" 7 . Gemeinsam mit ihr hatte Simmel einen Sohn, Hans, der später außerordentlicher Professor der Medizin in Jena wurde und dem wir Lebenserinnerungen verdanken, die einen Eindruck von der Kultur und dem Lebensstil im Hause Simmels vermitteln. Eine uneheliche Tochter hatte Simmel mit seiner Studentin Gertrud Kantorowicz, die eine Zeit lang zum engsten Freundeskreis zählte und die auf Simmels Veranlassung Bergsons Evolution créatrice übersetzte. Doch hat sich Simmel, wie Margarete Susman zu berichten weiß, "da er seine Frau bis zuletzt liebte, nie erlaubt, dies Kind zu sehen" 8 .

Simmels akademische Laufbahn war - von außen betrachtet - e

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