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Habitus, Herkunft und Bildungserfolg Der Übergang in die Sekundarstufe I als Reproduktionsschnittstelle sozialer Ungleichheit von Scholz, Anja (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.12.2014
  • Verlag: GRIN Verlag
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Habitus, Herkunft und Bildungserfolg

Bachelorarbeit aus dem Jahr 2014 im Fachbereich Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation, Note: 1,3, Technische Universität Dresden, Sprache: Deutsch, Abstract: Die Bildung zählt heute in unseren vor allem westlichen Wissens- und Leistungsgesellschaften zu den zentralen Ressourcen in Bezug auf die Lebenschancen überhaupt . Gesellschaftliche Anerkennung erfährt diese Bildung dabei durch das institutionalisierte Bildungssystem, das mit einer standardisierten Wissensvermittlung aufwartet, die für alle Kinder konstitutiv ist. In Deutschland beginnt mit der Vollendung des sechsten Lebensjahres die allgemeine Schulpflicht (KMK - Allgemeine Schulpflicht und Teilzeitschulpflicht - 2014). Ungeachtet der Tatsache, dass der Beginn der schulischen Bildungskarriere zeitlich determiniert ist, so sind doch die Fähigkeiten und Wissensbestände der Kinder kaum miteinander zu vergleichen, da das Handlungswissen und Sozialverhalten, welches Kinder bis zum Zeitpunkt des Schulbeginns erworben haben, in hohem Maße von der familiären Lebensführung abhängt. Genau diese Lebensführung ist variabel und kann in Abhängigkeit verschiedener Faktoren nur diffizil systematisch erfasst werden, weshalb hier eine deutliche Differenz zum Bildungserwerb im institutionellen Kontext festzustellen ist. Ein Funktionsmechanismus des deutschen Bildungssystems ist die Selektion; während in der Grundschulphase noch ein relativ heterogenes Leistungsniveau der Kinder zu beobachten ist, erfahren die SchülerInnen zumeist nach der 4. Jahrgangsstufe eine Zuweisung in ein gewollt homogenes Lernumfeld, das wegweisend für ihren weiteren Lebenslauf ist. Objektives Merkmal für diese erste Platzierung soll dabei das Kriterium der Leistung darstellen. Dieses gesellschaftlich anerkannte Merkmal basiert auf der Grundannahme natürlicher Begabungsunterschiede und öffnet unter dieser Voraussetzung den Zugang zu hierarchisch geordneten sozialen Positionen. In Form von Zensuren und Bildungszertifikaten wird die Qualität des Bildungserfolges bewertet und ausgewiesen. Unter dem Aspekt der Verknüpfung lebensweltlicher und institutionalisierter Bildungsprozesse stellt sich in diesem Zusammenhang jedoch die Frage, in welchem Maße die objektiven Entscheidungskriterien auf meritokratischer Grundlage von den subjektiven Faktoren der sozialen Herkunft determiniert werden und auf welchen Ebenen diese Einflüsse wirken. Eben diese Frage zu beantworten, steht im Mittelpunkt der vorliegenden Ausarbeitung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 58
    Erscheinungsdatum: 17.12.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783656862260
    Verlag: GRIN Verlag
    Serie: Akademische Schriftenreihe Bd.V285952
    Größe: 432kBytes
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Habitus, Herkunft und Bildungserfolg

2. Historie und Struktur es deutschen Bildungssystems

Das institutionalisierte Bildungssystem ist definiert durch grundlegende Elemente wie die klare Rollenverteilung, festgelegte Ziele und (Lern-)Inhalte, eine Durchstrukturierung der zeitlichen sowie räumlichen Lernvorgänge, alters- und im

Bereich der Sekundarstufe I leistungshomogene Lerngruppen, außerdem die Prinzipien der Leistungsbewertung einhergehend mit der der daraus resultierenden Selektion (vgl. Dravenau / Groh-Samberg 2008, S. 118). Auf der Basis dieser Definition differenzieren sich die schulischen stark von den lebensweltlichen Bildungsinhalten.

Zu Beginn der Schulkarriere steht in Deutschland die Grundschule. Sie soll laut Kultusministerkonferenz (KMK) die Persönlichkeitsbildung des Kindes im Hinblick auf unterschiedliche Erfahrungswerte fördern, wie es im Folgenden formuliert ist: "Aufgabe der Grundschule ist es, Kinder mit unterschiedlichen individuellen Lernvoraussetzungen und Lernfähigkeiten so zu fördern, dass sich Grundlagen für selbstständiges Denken, Lernen und Arbeiten entwickeln sowie Erfahrungen im gestaltenden menschlichen Miteinander vermittelt werden." (KMK 1994, S. 3) Des Weiteren heißt es dazu: "Das Lernen in der Grundschule knüpft an die vor- und außerschulischen Erfahrungen an und schafft die erforderlichen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Arbeiten in weiterführenden Schulen". (KMK 1994, S. 7) Das Bildungssystem ist sich also der gestiegenen Pluralität und variablen Struktur der lebensweltlichen Erfahrungsräume der Schülerinnen und Schüler von heute bewusst, doch die konkrete Umsetzung der "Empfehlung zur Arbeit an der Grundschule" obliegt jedem Bundesland und jeder Grundschule selbst. Hieraus können teils signifikante Unterschiede in der Praxis des Grundschulalltags resultieren, die eventuell problematisch sind.

Im Nachstehenden sollen anknüpfend an einen historischen Abriss der deutschen Schulgeschichte die Funktionen des Bildungswesens näher ausgeführt und die Komponente der sozialen Herkunft als Determinante verdeutlicht werden.

2.1. Historie

Die aktuelle Strukturentwicklung des deutschen Bildungswesens gründet auf einer Historie, die von Kritik und Reform durchzogen ist. Im 18. Jahrhundert teilte sich das organisierte Lernen in einen "niederen" Bereich für die einfache Landbevölkerung zum einen und in ein "höheres" Schulwesen für die Söhne der gesellschaftlich herrschenden Stände zum anderen (vgl. Herrlitz / Hopf / Titze 1993, S. 36f.). Die Volksschule, die der Minimalausbildung des unteren Standes diente, wurde im Zuge wachsender Qualifikationsansprüche zur Mitte des 19. Jahrhunderts durch ein

"mittleres" Niveau erweitert (vgl. Herrlitz / Hopf / Titze 1993, S. 65). Gegen diese aus der Preußischen Geschichte hervorgegangene Dreigliedrigkeit auf Grundlage einer biologischen Zuordnung der Menschen in der Gesellschaft gab es zu jeder Zeit Widerstände und Reformversuche dieses selektierenden Systems. Wilhelm von Humboldt, Leiter der Abteilung für Kultus, verfasst zu Beginn des 19. Jahrhunderts den

Königsberger und später den Litauischen Schulplan (vgl. Knoop / Schwab 1994, S.

98).

Diese Denkschriften legten seine Überzeugungen dar, dass allen Kindern die gleiche Schulbildung zustehe. Er verlangt - begründet auf diesem Postulat - nach einer Schule, in der auch "der Ärmste,... eine vollständige Menschenbildung" (Humboldt zitiert nach Rendtroff / Burckhart 2008, S. 32) erhielte. Humboldt entwirft infolgedessen ein dreistufiges Schulsystem, gemäß dem alle Kinder gemeinsam eine Elementarschule und im Anschluss daran ein humanistisches Gymnasium besuchen sollten. Im Folgenden stand der Weg zur Universität offen (vgl. Rendtroff / Burckhart 2008, S. 32).

Eine frühe Aufteilung der

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