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Iwan Iljitsch Leonidow Zu drei architektonischen Poesien des 20. Jahrhunderts. von Marz, Lutz (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.02.2014
  • Verlag: GRIN Verlag
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Iwan Iljitsch Leonidow

Fachbuch aus dem Jahr 2014 im Fachbereich Soziologie - Wohnen, Stadtsoziologie, , Sprache: Deutsch, Abstract: In den 20er Jahren wird der junge sowjetische Architekt Iwan Leonidow weltberühmt. Seine Projekte besitzen eine faszinierende architektonische Poesie, die bis in unsere Tage fortwirkt. Experten gilt Leonidow heute als der Architekt des 20. Jahrhunderts schlechthin. Ausgehend von einer kurzen biographischen Skizze wird in dem vorliegenden Buch untersucht, worin die architektonische Poesie der Projekte Leonidows besteht und warum diese 'Poesie der Zukunft' in den 30er Jahren unter den Bedingungen der soziokulturellen und politökonomischen Umwälzungsprozesse in der Sowjetunion an einer architektonischen 'Poesie der Gegenwart' zersplitterte. In the 1920s the young architect from the Soviet Union, Ivan Leonidov, gained international recognition. The architectonic poetry of his projects continues to fascinate people to this day. Experts consider Leonidov to be the architect of the 20th century. After providing a brief biography, this contribution examines the features that contribute to the architectonic poetry of Leonidov's projects. It then analyses how the dramatic sociocultural, political and economic changes in the Soviet Union led to the fragmentation of this poetry in the 1930s.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 03.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783656519515
    Verlag: GRIN Verlag
    Serie: Akademische Schriftenreihe Bd.V263042
    Größe: 19909kBytes
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Iwan Iljitsch Leonidow

1. Einleitung: Visionen, Bannflüche und Diagnosen

"Ist das ein Blick in den siebenten Höllenkreis Dantes?", fragte sich Jeanneret in der Randnotiz einer Luftaufnahme von Paris und antwortete, "Nein, das ist die gräßliche Behausung von 100 000 Städtern.... Diese Gesamtansicht wirkt wie ein Keulenschlag. Folgen wir bei unseren Spaziergängen dem Labyrinth der Straßen, so entzücken sich unsere Augen an der malerischen Welt dieser verschnörkelten Szenarien, die die Geister der Vergangenheit beschwören ... Die Tuberkulose, Demoralisierung, Elend, Schande triumphieren in dieser Hölle." 1 Für den in der Schweiz geborenen Architekten, der unter dem angenommenen Namen Le Corbusier bekannt wurde, wuchsen die Großstädte des angelaufenen 20. Jahrhunderts nicht, sondern verwucherten."Die Unordnung, die sich in ihnen vervielfältigt, wirkt verletzend: ihre Entartung verwundet unsere Eigenliebe und kränkt unsere Würde. Sie sind des Zeitalters nicht würdig: Sie sind unserer nicht würdig" 2 , appellierte Le Corbusier in der erstmals 1925 publizierten Schrift "Urbanisme" an seine Zeitgenossen und forderte, diesem unhaltbaren Zustand endlich ein Ende zu setzen, und zwar mit radikalen Einschnitten in den todkranken Stadtorganismus. Das "Zentrum der Großstadt" und die "schmierigen Gürtel der Vorstädte" 3 müssten komplett niedergerissen werden, damit "all dies Gewimmel, das sich bisher wie eine starre Kruste am Erdboden festklammerte, nun abgekratzt, weggeschafft und durch reine Glaskristalle ersetzt wird, die 200 m in die Höhe steigen, weitab voneinander und an ihren Füßen umspielt von dem Laubwerk der Bäume" 4 . So entstünde eine "Hochstadt, eine Stadt, die ihre auf dem Boden zermalmten Einzelteile zusammenrafft und sie fern vom Boden, in Licht und Luft, zu neuer Ordnung zusammenfügt" 5 . Und in einer solchen Stadt gäbe es überall "Gärten, Spiel- und Sportplätze. Alles beherrscht der Himmel, weit und frei" 6 . Eine solche grüne, lichtdurchflutete Stadt erwiese sich dann nicht nur ihrer Einwohner und dem neuen Zeitalter würdig, sie wäre auch eine "Quelle der Poesie" 7 . "Schon in dem Blau der Ferne sich lösend", träumte Le Corbusier, "erheben die Wolkenkratzer ihre großen geometrischen, ganz aus Glas gebildeten Flächen. In dem Glase, das ihre Fassaden von oben bis unten bekleidet, leuchtet der Azur und funkelt der Himmel. Ein einziger Glanz! Riesige aber strahlende Prismen" 8 .

Derartige Visionen waren umstritten. Die projektierten Architekturkörper erregten nicht nur großes Aufsehen, sondern auch erhebliches Unbehagen. Grammatik und Ästhetik der von Le Corbusier und anderen Avantgarde-Architekten entwickelten neuen städtebaulichen Poesie wurden stets auch vehement kritisiert. Bloch beispielsweise gestand in seinem "Prinzip Hoffnung" den luftigen Kristallstadt-Entwürfen auch nicht den leisesten Aufschein eines "Traums nach vorwärts" 9 zu. Der im zweiten Teil des mit "Bauten, die eine bessere Welt abbilden" betitelten Kapitels 38 erhobene Vorwurf, die Architektur-Avantgarde hätte sich mehr im Schema festgerannt "als je eine Stilkopie im schlimmen neunzehnten Jahrhundert" 10 , gipfelt in drei Bannflüchen: "Extreme Kis

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