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Kopftuch und Karriere von Adelt, Svenja (eBook)

  • Erschienen: 10.09.2014
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (PDF)
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Kopftuch und Karriere

Über die breit thematisierte Kopftuchdebatte hinaus untersucht Svenja Adelt die Kleidungspraktiken und Identitätskonstruktionen berufserfahrener Musliminnen, die das Kopftuch tragen. Die vielfältigen Laufbahnen und teils überraschenden Äußerungen der Frauen zeichnen ein Bild jenseits von Stereotypen. Sie enthüllen aber auch Dilemmata, mit denen sich manche Kopftuch tragende Berufstätige konfrontiert sieht und die eng mit den Ansprüchen, Zuschreibungen und Idealen von Religion und moderner Gesellschaft verbunden sind.
Svenja Adelt ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kunst und Materielle Kultur der TU Dortmund.

Produktinformationen

    Größe: 2573kBytes
    Herausgeber: Campus Verlag
    Untertitel: Kleidungspraktiken muslimischer Frauen in Deutschland.
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 427
    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
    ISBN: 9783593424965
    Erschienen: 10.09.2014
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Kopftuch und Karriere

1.Einleitung
Zu Beginn meiner Beschäftigung mit dem muslimischen Kopftuch im Sommer 2006 - damals noch für die mündliche Magisterprüfung - waren die Konsequenzen der Kopftuchdebatte noch sehr präsent. Auch mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes war der Streit um das muslimische Kopftuch der Lehrerin im Klassenzimmer in den Bundesländern nicht beendet, acht hatten in der Folge entsprechende Gesetze erlassen. Als vorerst letztes Land hatte Nordrhein-Westfalen gerade im Juni 2006 ein Gesetz verabschiedet, das Lehrerinnen und Lehrern verbot,
'politische [...], religiöse [...], weltanschauliche [...] oder ähnliche äußere Bekundungen ab[zu]geben, die geeignet sind, die Neutralität des Landes gegenüber Schülerinnen und Schülern sowie Eltern oder den poli tischen, religiösen oder welt anschaulichen Schulfrieden zu gefährden oder zu stören.'
Neben dieser juristischen Auseinandersetzung, die in den Medien ein großes Echo fand, war ganz konkret etwas Neues im alltäglichen Straßenbild sichtbar geworden, das in seiner Vielfalt und besonderen Ästhetik kaum zu übersehen war. Es schien, als ob sich auf den Straßen deutscher Städte vermehrt Frauen mit dem muslimischen Kopftuch bewegten. Die teilweise auffällige Farbigkeit und besonders die sorgfältige Abstimmung von Kleidung, Accessoires und Kopftuch fielen auf. Stand bis vor einigen Jahren das muslimische Kopftuch vor allem in Verbindung mit sehr verhüllender und farblich zurückhaltender Kleidung, die nicht mit der aktuellen Mode vereinbar schien, oder dem lockerer gebundenen Kopftuch der älteren Generation, war nun eine Veränderung wahrnehmbar. Diese Veränderung ist Teil einer neuen islamischen Sichtbarkeit, die der türkischen Soziologin Nilüfer Göle zufolge nicht nur auf Kleidung beschränkt und eine Entwicklung seit Mitte der 1980er Jahre ist.
Im Folgenden gehe ich kurz näher auf diese beiden ursprünglichen Auslöser meiner Forschung - die Kopftuch-Debatte und die neue Sichtbarkeit des Kopftuches in Deutschland - ein.
1.1Vorbemerkungen
Das Kopftuch - medial
Das muslimische Kopftuch und seine verwandten Bekleidungsformen sind ein fester Bestandteil der deutschen Medienwelt geworden, seit die Diskussion um Lehrerinnen, die im Staatsdienst das Kopftuch tragen (wollten), in Gang gesetzt worden ist. Ihren Höhepunkt fand sie in den Jahren 2003 und 2004. Gerichtsverfahren, Proteste und Kommentare waren Themen der Berichterstattung zu einem Kleidungsstück, das in Deutschland als ausschließlich weiblich konnotiert wahrgenommen wird, obwohl es durchaus das Phänomen der männlichen Kopf- bzw. Gesichtsverschleierung gibt. Dies ist ein erster Hinweis auf die Einseitigkeit der Debatte, wie sie Gabriele Mentges 2005 hervorgehoben hat. Mentges hat darauf hingewiesen, dass der starke Fokus der Kopftuchdebatte auf die 'religiös-politische Bedeutungsdimension' für eine 'Blickverkürzung' gesorgt hat und die zusätzliche Beleuchtung historischer und interkultureller Aspekte dies hätte verhindern können. In den Gesprächen mit Gabriele Mentges nahmen die vielen Facetten der Diskussion um das Kopftuch eine konkretere Gestalt an; besonders kulturanthropologische, historische, ästhetische und gesellschaftswissenschaftliche aber auch juristische Aspekte wurden neben den politischen und religiösen diskutiert. So zeigt sich nicht nur an dem konkreten, materiellen Kopftuch an sich, sondern auch am virtuellen, debattierten Kopftuch eine große Vielfalt von Formen, Perspektiven, Deutungen und Hintergründen.
Neben der von Mentges benannten 'Blickverkürzung', kann als weiteres Defizit eine gewisse Subjektlosigkeit der Debatte benannt werden; so stellt die Kulturwissenschaftlerin Indre Monjezi Brown fest: 'Bei der Analyse der ?Kopftuchdebatte? in Deutschland fällt auf, dass viel über Musliminnen, jedoch wenig mit ihnen geredet wird.' Immer wieder berichteten und berichten Medien über neue Kopftuchkonflikte in unterschiedlichen Berufsfeldern oder die Situati

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