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Leben im Moment? Soziale Milieus in Brasilien und ihr Umgang mit Zeit von Stoll, Florian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.10.2012
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (PDF)
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Leben im Moment?

Die brasilianische Moderne unterscheidet sich grundlegend von den europäischen und nordamerikanischen Sozialformationen. Dies arbeitet Florian Stoll exemplarisch mit einer an Bourdieu angelehnten mehrdimensionalen Analyse der sozialen Milieus in der Großstadt
Recife heraus. Die Beschreibung der sozialen Schichtung und der Lebensverhältnisse der Milieus ist darüber hinaus ein Beispiel für die theoretische und methodische Ausdehnung sozialwissenschaftlicher Forschung auf außereuropäische Kontexte.

Florian Stoll, Dr. phil., ist Postdoc-Mitarbeiter an der TU Darmstadt.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 366
    Erscheinungsdatum: 08.10.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593418131
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 3577 kBytes
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Leben im Moment?

Einleitung

Inzwischen hat auch eine breite Öffentlichkeit im deutschsprachigen Raum den wirtschaftlichen Aufschwung Brasiliens bemerkt. Aber immer noch werden in den Medien meist nur einzelne Aspekte des größten Landes Südamerikas aufgegriffen und normalerweise genauso unpassend wie unzusammenhängend nebeneinander gestellt (siehe auch Busch 2010: 13-15): Zwar wird die neue wirtschaftliche Stärke Brasiliens zur Kenntnis genommen, aber trotzdem wird das Land vor allem mit Fußball und mit dem Leben an den Stränden verbunden. Diese Vorstellungen werden in den Medien oft relativ unvermittelt der Armut und der Gewalt in den Favelas gegenübergestellt. Darüber hinaus wird auch noch häufig über die Mega-City São Paulo und über die Abholzung der Regenwälder am Amazonas berichtet. Anhand der genannten Beschreibungen ist es jedoch schwer, sich den Alltag und die Lebensbedingungen der verschiedenen sozialen Milieus in Brasilien zu erschließen.

Alle zuvor genannten Phänomene gibt es tatsächlich. Nur werden diese Ausschnitte der brasilianischen Realität in deutschen Medien meist losgelöst voneinander betrachtet und können daher kaum in einen größeren Kontext eingeordnet werden. Diese isolierte Wahrnehmung einzelner Besonderheiten verhindert aber ein Verständnis von Brasilien als moderner Sozialformation und verrät wenig über die Sozialstruktur oder über den Alltag der Bevölkerung. Jedoch werden die beschriebenen Phänomene nicht zufällig einzeln herausgegriffen und nebeneinander gestellt, denn Brasilien ist tatsächlich viel komplexer und in vielen Hinsichten widersprüchlicher als europäische Staaten oder die USA. Unterschiedlich stark technisch und ökonomisch entwickelte Bereiche existieren in Brasilien oft nebeneinander oder hängen sogar eng zusammen. Schon wegen der enormen regionalen Unterschiede und wegen der von europäischen Staaten oder von den USA abweichenden historischen und kulturellen Einflüsse ist Brasilien nicht so leicht zu fassen wie die genannten Länder. Dazu kommen viele ökonomische und politische Veränderungen während der letzten Jahrzehnte. Aber gerade die Besonderheiten Brasiliens würden die sozialwissenschaftliche Beschäftigung mit diesem Land interessant machen. Jedoch findet in den deutschsprachigen Sozialwissenschaften - ähnlich wie im Fall anderer Schwellenländer - keine größere Debatte über Brasilien als ?nichtwestliche? Sozialformation statt.

Eine Auseinandersetzung mit Brasilien lohnt sich auch wegen der gestiegenen Bedeutung des Landes im internationalen Kontext: Die von Goldman Sachs als BRIC-Staaten bezeichneten Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China werden in naher Zukunft eine noch wichtigere Rolle in der Weltwirtschaft spielen. Aus dieser Gruppe dürfte Brasilien trotz riesiger Unterschiede zu Europa und zu den USA das Land sein, das dem ?Westen? in vielen Hinsichten am ähnlichsten oder zumindest kulturell am leichtesten zugänglich ist.

Auch die Sozialwissenschaften im deutschsprachigen Raum vergeben vielversprechende Möglichkeiten, solange die Beschäftigung mit Brasilien auf einen kleinen Kreis von ExpertInnen begrenzt bleibt: Einerseits kann so der Global Player Brasilien nur von außen und vor allem fast nur auf Grundlage quantitativer Daten beurteilt werden, anhand derer die Unterschiede in Sozialstruktur, Kultur und in anderen Bereichen meist nur oberflächlich beschrieben werden können. Andererseits wird durch die Ignoranz gegenüber Brasilien und gegenüber anderen Schwellenländern auch die Chance vergeben, die Besonderheiten der europäischen Moderne und Entwicklungen in ?westlichen? Ländern aus einer anderen Perspektive zu reflektieren. Eine sozialwissenschaftliche Analyse von Brasilien als eine unter anderen Voraussetzungen entstandene, aber auch entwickelte Form von Moderne könnte in vielen Fällen als Vergleichsmodell für bestimmte Veränderungen in europäischen und nordamerikanischen Ländern dienen.

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