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Politische Soziologie von Luhmann, Niklas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.04.2015
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
19,99 €
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Politische Soziologie

Der Band bietet eines der spektakulärsten Stücke aus Niklas Luhmanns Nachlaß: eine umfassende Darstellung seiner politischen Soziologie aus den späten sechziger Jahren. Er zeigt, wie Luhmann zu der Zeit, als er Adornos Lehrstuhl in Frankfurt vertritt, unbeeindruckt durch die Konjunkturen der zeitgenössischen Ideologiekritik eine Theorie der Politik formuliert, an deren Grundzügen er auch später festhalten wird. Denn anders als seine allgemeine Theorie sozialer Systeme, die er mehrfach revidierte, blieben seine Auffassungen über das politische Teilsystem der modernen Gesellschaft weitgehend unverändert. Der Band bietet so thematisch Neues, ohne methodisch hinter den Stand der späteren Schriften zurückzufallen. Zu den Themen, über die systematische Beiträge von Luhmann bisher nicht bekannt waren, zählen die Bedeutung des Publikums für Verwaltung und Politik sowie die politischen Systeme in den sozialistisch regierten Ländern. Noch ganz im Stil des mündlichen Vortrags, argumentiert Luhmann hier weit deutlicher soziologisch als in seinen späteren Schriften und läßt Anregungen aus anderen wissenschaftlichen Disziplinen zurücktreten. Die beste verfügbare Einführung in Luhmanns politische Soziologie. Niklas Luhmann wurde am 8. Dezember 1927 als Sohn eines Brauereibesitzers in Lüneburg geboren und starb am 6. November 1998 in Oerlinghausen bei Bielefeld. Im Alter von 17 Jahren wurde er als Luftwaffenhelfer eingezogen und war 1945 in amerikanischer Kriegsgefangenschaft. Von 1946 bis 1949 studierte er Rechtswissenschaften in Freiburg und absolvierte seine Referendarausbildung. 1952 begann er mit dem Aufbau seiner berühmten Zettelkästen. Von 1954 bis1962 war er Verwaltungsbeamter in Lüneburg, zunächst am Oberverwaltungsgericht Lüneburg, danach als Landtagsreferent im niedersächsischen Kultusministerium. 1960 heiratete er Ursula von Walter. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Seine Ehefrau verstarb 1977. Luhmann erhielt 1960/1961 ein Fortbildungs-Stipendium für die Harvard-Universität. Dort kam er in Kontakt mit Talcott Parsons und dessen strukturfunktionaler Systemtheorie. 1964 veröffentlichte er sein erstes Buch Funktionen und Folgen formaler Organisation. 1965 wird Luhmann von Helmut Schelsky als Abteilungsleiter an die Sozialforschungsstelle Dortmund geholt. 1966 wurden Funktionen und Folgen formaler Organisation sowie Recht und Automation in der öffentlichen Verwaltung als Dissertation und Habilitation an der Universität Münster angenommen. Von 1968 bis 1993 lehrte er als Professor für Soziologie an der Universität Bielefeld. 1997 erschien sein Hauptwerk, das Resultat dreißigjähriger Forschung: Die Gesellschaft der Gesellschaft .

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 499
    Erscheinungsdatum: 06.04.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518731079
    Verlag: Suhrkamp
    Größe: 1524 kBytes
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Politische Soziologie

1. Kapitel

Fachliche Abgrenzung der soziologischen Perspektive

Wer sich in der Fachperspektive der Soziologie dem Bereich des politischen Handelns nähert, stößt nicht auf ein unbeackertes Feld. Einerseits weiß der politisch Handelnde in gewissem Sinne immer schon selbst, was er will und unter welchen Umständen er handelt. Außerdem hat das politische Geschehen seit langem zu wissenschaftlicher Besinnung und Kritik angeregt. Es gibt politische Wissenschaft in vielerlei Gestalt. Die Bedeutung des Metiers bringt es zudem mit sich, daß politisches Wissen in hohen Graden bereits überlegtes, diskutiertes, verallgemeinertes Wissen ist und nicht nur auf der Kenntnis der konkreten Partner und Umstände beruht. Bevor der Soziologe dieses Feld betritt, wird er daher seine Forschungsausrüstung mustern und überlegen müssen, was ihn befähigt, mehr Wissen oder besonderes Wissen oder gar besseres Wissen zu ernten, vor allem aber: was ihn von der Politikwissenschaft unterscheidet. Welches ist der spezifisch soziologische Aspekt der Politik?

Die gegenwärtige Diskussion dieser Frage bietet außer der faktischen Feststellung eines unklaren Ineinanderübergehens von Politikwissenschaft und politischer Soziologie wenig Belehrendes. [1] Die Grenzen beider Disziplinen scheinen zu verschwimmen. Weder die gegenständlichen Interessen noch die Methoden, noch die Ansätze zur Theoriebildung unterscheiden sich deutlich, wenngleich man der Politikwissenschaft die größere Breite der Interessenentfaltung zugestehen kann. Man könnte versucht sein, die "Schuld" dafür bei der politischen Wissenschaft zu suchen, deren unbestimmtes, kontroversenreiches Selbstverständnis keine klare Grenzziehung erlaubt. Daran ist jedenfalls eines richtig: daß es nicht der politischen Soziologie obliegt, die theoretische Position, den Gegenstand und die Grenzen der Politikwissenschaft zu definieren und damit die Abgrenzungsfrage allein zu entscheiden. [2] Andererseits sollte nicht verkannt werden, daß auch die Soziologie ihren Teil Verantwortung für die gegenwärtige Konfusion übernehmen und abarbeiten muß. Soziologie ist eine spätgekommene und daher expansive, in andere Disziplinen übergreifende Wissenschaft. Wo immer sie auf schon konstituierte Wissensbereiche stößt, die sich ebenfalls mit menschlichem Handeln befassen, ergeben sich Abgrenzungsschwierigkeiten. Die Rechtssoziologie hat ihre wichtigsten Beiträge gerade als soziologische Grundlagentheorie der Rechtswissenschaft erbracht. [3] Die Organisationssoziologie steht in einem recht problematischen Verhältnis zur klassischen Organisations- und Betriebswirtschaftslehre [4] - eine Begegnung, aus der sich eine interdisziplinäre Organisationswissenschaft zu entwickeln scheint. [5] Ähnliches gilt für die Verwaltungssoziologie und Verwaltungswissenschaft. [6] Die Sprachsoziologie weist zumindest mit der behavioristischen Sprachwissenschaft starke Überschneidungen auf. [7] Und die Grenzzone zwischen Soziologie und Psychologie ist so breit und so stark bevölkert, daß sie den Status eines autonomen Gebietes beansprucht: Sozialpsychologie. Es wird demnach nicht allein an der Undiszipliniertheit des Partners liegen, wenn die politische Soziologie nicht in der Lage ist, sich mit der Politikwissenschaft über ein Schema der Arbeitsteilung zu verständigen. Vielmehr sollte der Soziologe in erster Linie zu erkennen suchen, welche Intentionen, Engagements und Erkenntnismittel seines eigenen Fachs in den zahlreichen Grenzkonflikten ans Licht kommen; und besonders im Verhältnis zur Politikwissenschaft käme es dann nicht so sehr darauf an, die bestehende Konfusion durch den einen oder anderen Abgrenzungsvorschlag zu beheben, als vielmehr: aus ihr die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Die Grenzkonflikte sind nur Teil einer sehr viel allgemeineren Problematik, der sich die Soziologie gegenübersieht. Als eine Wissenschaft, die sich mit menschlichem Erleben und Handeln befaß

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