text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Spielräume in der Konstruktion von Geschlecht und Familie? Alleinerziehende Mütter und Väter mit ost- und westdeutscher Herkunft von Rinken, Barbara (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.05.2010
  • Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
eBook (PDF)
46,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Spielräume in der Konstruktion von Geschlecht und Familie?

Dieses Buch liefert einen wichtigen und innovativen Beitrag zur sozialwissenschaftlichen Forschung über Alleinerziehende, die im Zuge der Pluralisierung von Lebensformen eine wachsende und gesellschaftlich bedeutsame Gruppe darstellen. Die vorliegende Arbeit füllt in mehrfacher Hinsicht eine Forschungslücke. Zum einen werden Lebenswirklichkeiten und Haltungen von Alleinerziehenden zu Geschlechter- und Familienleitbildern zu den strukturellen Lebensbedingungen der Gruppe in Beziehung gesetzt, so dass Zusammenhänge und Widersprüche zwischen 'Sein und Bewusstsein' deutlich werden. Zum anderen berücksichtigt die Studie systematisch Unterschiede zwischen Ost und West und kann so der vereinheitlichenden öffentlichen Wa- nehmung der Gruppe ein differenzierteres Bild der Lebenswirklichkeit dieser Gruppe entgegen setzen. Die Studie ist durch eine breit gefächerte, gleichwohl stringente Gesamtargumentation gekennzeichnet, die in den theoretischen und sekundäranalytischen Teilen kompetent auf den aktuellen Stand der Forschung rekurriert und im qualitativen empirischen Teil handwerklich solide, sorgfältig und engagiert angelegt ist. Ein durchgängiger Rückbezug der empirischen Ergebnisse auf die theoretischen Ausführungen trägt zur Geschlossenheit der Arbeit wesentlich bei. Die zentrale Frage dieses Buches, die sich auf das Fortwirken von tradit- nellen Geschlechter- und Familienbildern in der heutigen Gesellschaft richtet, wird von der Autorin letztendlich nicht bejahend oder verneinend beantwortet. Vielmehr zeigen die Ergebnisse 'Vor- und Zurück- Bewegungen zwischen po- modernen und traditionellen Einstellungen und Handlungen' (S. :315), die, so die Verfasserin, einerseits Ausdruck subjektiver Ambivalenzen der Allein- ziehenden sind, und andererseits 'die derzeitige institutionelle und diskursive gesellschaftliche Situation' widerspiegeln (ebd. ).

Dr. Barbara Rinken studierte am Institut für Erziehungswissenschaften der TU Berlin und promovierte bei Prof. Dr. Karin Gottschall an der Bremen International Graduate School of Social Sciences.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 349
    Erscheinungsdatum: 10.05.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783531923246
    Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
    Größe: 1598 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Spielräume in der Konstruktion von Geschlecht und Familie?

Empirische Ergebnisse II (S. 230-232)

7 Bilder von Geschlecht und Familie

Nachdem die Effekte sozialer und sozialstruktureller Lebensbedingungen auf das Wohlbefinden Alleinerziehender im vorangehenden Kapitel aufgezeigt wurden, soll die Aufmerksamkeit nun auf subjektive Bilder von Geschlecht und Familie gerichtet werden. Wie zu erwarten war, ist die Dichotomie von Geschlechterbildern für die befragten Alleinerziehenden kein Thema, welches als solches, abstrakt gefasst und aus der Theorie entlehnt, Bedeutung in ihren Erzählungen erlangt.

In der Konzeption des Interviewleitfadens (mit den Themenschwerpunkten Existenzsicherung/Zeit, Eltern-Kind-Beziehung, Reaktionen der sozialen Umwelt, gesellschaftliche Bilder/Rezeption von Diskursen, Geschlechterrollen/ Doing Gender) wurde davon ausgegangen, dass Bilder von Geschlecht in den Erzählungen zu den gewählten Schwerpunkten aufscheinen würden. Wo es sich anbot, wurde in den unterschiedlichen Themenfeldern zur Dichotomie von Geschlechterbildern mit Bezug auf die Alltagswirklichkeit der Subjekte nachgefragt. Im Auswertungsprozess ergaben sich dann schließlich vier übergeordnete thematische Gruppen, innerhalb derer eine detaillierte Beschreibung der subjektiven Bilder von Geschlecht und Familie möglich wird (vgl. auch Abbildung Nr. 5).

Der Begriff der 'Geschlechtsidentität' stellt, wie insbesondere im Exkurs zu 'Psychoanalyse und Geschlecht' (siehe Kap. 3.5.2) verdeutlicht wurde, das zentrale Element von Geschlechterkonstruktionen dar. Subjektiv macht sich Geschlechtsidentität in starkem Maße am Verhältnis zum eigenen Körper und an den hiermit verbundenen Vorstellungen zu Weiblichkeit und Männlichkeit fest. Dieser Aspekt aus den Interviews erfährt daher besondere Aufmerksamkeit im Auswertungsprozess und wird im Folgenden mit dem Oberbegriff 'Selbstverständnis Körper/Geschlecht' bezeichnet.

Die Kategorie 'Selbstverständnis Körper/Geschlecht' wird auch daraufhin untersucht, ob und wenn auf welche Art und Weise das Verhältnis zum eigenen Körper in Zusammenhang mit dem Familienstatus gebracht wird (Kap. 7.1). Aber auch die Erwartungen an ein geschlechtshomogenes bzw. geschlechteroffenes Verhalten der Kinder können für eventuelle Zusammenhänge zwischen Geschlechter- und Familienkonstruktionen bedeutungsvoll sein.

Die Vorstellungen der Alleinerziehenden von der Wichtigkeit geschlechtertypischen Verhaltens, bzw. ihre Toleranz gegenüber geschlechteroffenem Verhalten ihrer Kinder zeigt einen elementaren Aspekt subjektiver Geschlechterbilder im Alltagsleben der Subjekte. Wiederum interessiert hier für die Untersuchung der Verbindungen zwischen Geschlechter- und Familienkonstruktionen, ob geschlechtertypisches bzw. geschlechteroffenes Verhalten der Kinder von den Befragten in Zusammenhang mit deren Aufwachsen in Ein-Elter- Familien gebracht wird (Kap. 7.2).

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen