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Verbraucherdemokratie Politische Soziologie der Konsumgesellschaft von Lamla, Jörn (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.06.2013
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Verbraucherdemokratie

Die Politik hat den Konsumenten entdeckt und stellt sich zunehmend auf dessen Haltungen und Ansprüche ein. Werden dadurch postdemokratische Verfallsprozesse beschleunigt oder entsteht stattdessen eine neue Form von Verbraucherdemokratie? Jörn Lamla nimmt die politischen Dynamiken in den Blick, die auf die Interdependenzen und Folgeprobleme der Konsumgesellschaft reagieren und neue Antworten suchen. Öffentliche Kämpfe um eine zeitgemäße Gemeinwohlinterpretation spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Praktiken eines moralisch aufgeladenen Konsumalltags. Ziel ist die Entwicklung einer politischen Soziologie, die den innovativen Kräften kapitalistischer Marktordnungen, digitaler Technologien, rechtsstaatlicher Regulierung, zivilgesellschaftlicher Beteiligung, kollektiver Intelligenz und sozialer Bildungsprozesse angemessen Rechnung zu tragen weiß. Jörn Lamla lehrt und forscht als Professor für Soziologische Theorie an der Universität Kassel.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 507
    Erscheinungsdatum: 17.06.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518730942
    Verlag: Suhrkamp
    Größe: 1702 kBytes
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Verbraucherdemokratie

36 I. Konsumgesellschaft – Dimensionen der Verbraucherdemokratie

(a) Der Kinofilm Die fetten Jahre sind vorbei beginnt nach dem Vorspann mit einer Szene vor einem Geschäft für Markensportschuhe. Junge Aktivistinnen in weißen T-Shirts mit der Aufschrift "Stop Sweatshops" verteilen Flugblätter an Passanten und Konsumenten, mit denen sie auf Kinderarbeit und menschenunwürdige Bedingungen bei der Produktion von Turnschuhen in Ländern wie Indonesien oder den Philippinen hinweisen, die hierzulande für 100 Euro verkauft würden, obwohl ihre Herstellung höchstens fünf Euro kosten würde. Die Demonstration endet damit, dass zwei Mitglieder dieser Gruppe, die sich direkt im Laden an Kunden gewendet hatten, gewaltsam aus diesem verwiesen und in Polizeigewahrsam genommen werden. – Wo endet der öffentliche Raum, in dem die Grundrechte der Versammlungs- und Meinungsfreiheit gelten und geschützt sind? Haben private Betreiber von Einkaufszentren, Bahnhöfen oder Flughäfen das Recht, unliebsame Meinungskundgebungen zu untersagen? Gegen die Betreiber des Frankfurter Flughafens hat das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil vom 22. 2. 2011 klargestellt, dass auch in den Abflughallen der Fraport AG das Demonstrationsrecht Gültigkeit besitzt. "Als legitimer Zweck zur Einschränkung der Meinungsfreiheit", so heißt es in den Erläuterungen des Ersten Senats u. a., "kann nicht der Wunsch herangezogen werden, eine "Wohlfühlatmosphäre" in einer reinen Welt des Konsums zu schaffen, die von politischen Diskussionen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen frei bleibt." [1]

(b) In einer seiner Neujahrsansprachen forderte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder die Bürgerinnen mit freundlichen Worten dazu auf, durch das eigene Konsum- und Investitionsverhalten "ganz persönlich" den Arbeitsplatz des Nachbarn sichern zu helfen. – In Deutschland wird die anhaltende Kaufunlust oder sogar Konsumverweigerung der Verbraucher immer wieder als eine Hauptursache für das Stocken des deutschen Konjunkturmotors verantwortlich gemacht. Um die Binnennachfrage in 37 Schwung zu bringen, wird Kaufen zur Bürgerinnenpflicht ernannt. "Geiz macht arm" titelte etwa der Spiegel und fragte mit Blick auf die Werbekampagnen großer Elektronikhändler besorgt, ob sich die Republik "auf dem Weg in die Billig-Gesellschaft" befindet. [2] – Und nicht nur was das Geldausgeben betrifft, auch in anderen Hinsichten müssen die politischen Vertreterinnen hin und wieder überrascht zur Kenntnis nehmen, dass sich die Verbraucher querstellen und die administrativ geplanten Abläufe stören, etwa indem sie einen mit etwas höherem Bioethanol-Anteil versehenen Kraftstoff mit dem Namen "E 10" schlicht nicht tanken.

(c) Die Umweltschutzorganisation Greenpeace schaltete vor einigen Jahren einen Kinowerbefilm, in dem ein Komitee von Außerirdischen mit einem Jargon, der an Meetings von Top-Managern eines Konzernriesen denken lässt, darüber berät, ob sich die Rettung der Erde lohne oder dieses unrentabel geführte Unternehmen besser abgestoßen werden sollte. Die Antwort fällt negativ aus, weil "Sorg", der Anwalt der "Erdlinge", den korrupt wirkenden Vorsitzenden nicht überzeugen kann. Er hat nicht mehr zu bieten als den Appell an die Kinobesucher, zusammen nur noch "gute Produkte" zu kaufen und sich hinter die "guten Firmen" zu stellen. – Internetplattformen für strategischen oder nachhaltigen Konsum wie die Seite www.utopia.de versuchen genau dies: Sie wollen Verbrauchern positive Kaufempfehlung

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