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WestEnd 2015/02: Stoner - Ambivalenzen einer literarischen Sozialfigur Neue Zeitschrift für Sozialforschung

  • Erscheinungsdatum: 12.11.2015
  • Verlag: Campus Verlag
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WestEnd 2015/02: Stoner - Ambivalenzen einer literarischen Sozialfigur

In Anlehnung an die berühmte "Zeitschrift für Sozialforschung" (1932 - 1941) verfolgt auch ihre seit 2004 halbjährlich erscheinende Nachfolgerin "WestEnd" den Anspruch einer kritischen Gesellschaftsanalyse. Zur Veröffentlichung kommen Aufsätze und Essays aus Soziologie, Philosophie, politischer Theorie, Ästhetik, Geschichte, Entwicklungspsychologie, Rechtswissenschaft und politischer Ökonomie. Neben den Rubriken "Studien" und "Eingriffe" behandelt jedes Heft ein Schwerpunktthema.
Der Schwerpunkt des aktuellen Heftes widmet sich John Williams Roman "Stoner" von 1965 und geht der Frage nach, inwiefern er in Gehalt und Form symptomatische Verhaltenszüge einer ganzen Epoche zu erkennen gibt. Der Protagonist dieses unterkühlt geschriebenen Werkes ist der Professor William Stoner, ein apathisch wirkender, eigentümlich gehemmter Literaturwissenschaftler. Sollen wir in ihm den sperrigen und selbstlosen Charakter eines Menschen sehen, der sich den narzisstischen Tendenzen seiner Zeit widersetzt; oder eine ihrer Gegenwart entfremdete Persönlichkeit?

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 178
    Erscheinungsdatum: 12.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593432809
    Verlag: Campus Verlag
    Serie: WestEnd Bd.23
    Größe: 2354 kBytes
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WestEnd 2015/02: Stoner - Ambivalenzen einer literarischen Sozialfigur

Axel Paul und Anne Härtel
Gewaltzwang. Geschichte, Krieg und Organisation der Lord's Resistance Army
Zurzeit - wir schreiben diese Zeilen im Mai 2015 - ist es, neben dem Ukraine- und dem seit Jahrzehnten schwelenden Palästina-Konflikt, der islamistische Terror im Nahen und Mittleren Osten, der die Kriegsberichterstattung in Europa dominiert. Die Gründe dafür liegen nicht allein in der Aktualität oder Tragweite dieser Konflikte. Entscheidend für ihre Prominenz dürften, verstärkt durch die Gesetze der Aufmerksamkeitsökonomie, auch zwei andere Motive sein: zum einen das Bedrohungsgefühl, das der islamische Fundamentalismus nicht nur in ressentimentgeladenen 'patriotischen Europäern', sondern in weiten Teilen der Bevölkerung auslöst, und zum anderen die außergewöhnliche Grausamkeit, mit der die Islamisten gegen politische und militärische Gegner wie gegen unbeteiligte Dritte vorgehen.
Ein Konflikt, welcher auf den ersten Blick beispielhaft für die 'neue Barbarei' zu stehen schien, war der Krieg der nordugandischen Lord's Resistance Army (LRA) zunächst gegen die ugandische Regierung und ihre Truppen, dann aber auch und vor allem gegen die Bevölkerungsgruppe, für die sie zu kämpfen vorgab. Selbst in einem ansonsten kaum sensationalistischen Text über die Gruppierung heißt es: 'One of the most striking elements of the conflict in northern Uganda is the brutality and apparent arbitrariness of LRA violence. [...] [Its] actions [...] seem to be based on blind terror.' (Doom und Vlassenroot 1999: 5 f.) Und damit nicht genug: Die LRA ist, wenn auch deutlich geschwächt und seit geraumer Zeit nicht mehr in Norduganda aktiv, trotz erheblicher, auch internationaler militärischer Anstrengungen bis heute nicht geschlagen. Die Miliz überlebt und operiert seit bald 30 Jahren. Diese Langlebigkeit ist einer ihrer rätselhaften Charakterzüge. Wie kann es sein, dass eine Gruppierung, die in ihren Hochzeiten nicht mehr als einige tausend Kämpfer umfasste und nicht in der Bevölkerung ihres Operationsgebietes untertauchen kann, sich über Jahrzehnte hinweg erfolgreich gegen die ugandischen Truppen und also gegen eine der schlagkräftigsten Armeen des subsaharischen Afrika zur Wehr zu setzen vermochte? Auch wenn die LRA heute schätzungsweise nur noch aus wenigen hundert, auf kleine, zersprengte Einheiten aufgeteilten Kämpfern besteht und nahezu erledigt scheint, wäre dies nicht ihr erstes voreilig verkündetes Ende (International Crisis Group 2011; Lancaster, Lacaille und Cakaj 2011; Lancaster und Cakaj 2013; LRA Crisis Tracker 2015). Noch rätselhafter wird ihr langes Überleben - und das ist ein zweiter Aspekt -, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Neumitglieder der LRA seit langem keine Freiwilligen mehr sind, die sich der Miliz aus welchen Gründen auch immer ange, sondern dass es sich bei ihnen fast ausschließlich um zwangsrekrutierte Kinder und Jugendliche handelt. Wie ist es möglich, dass eine zum Kampf gepresste Truppe ihrer Führung nicht davonläuft?
Wir werden diese doppelte Rätselhaftigkeit der LRA, ihre Langlebigkeit und ihren Zwangscharakter, in zwei getrennten Schritten aufzuklären versuchen. Ihre Langlebigkeit ist nur aus einer Konfliktgeschichte heraus zu begreifen, welche die LRA nicht als isolierten und einzig schuldigen Akteur darstellt. Es sind historische Erblasten und vielfältige Interessen aller involvierten Parteien, welche diesen Konflikt immer wieder aufs Neue befeuern. Diese Geschichte zu rekapitulieren und die Politizität des Konflikts herauszuarbeiten, ist Gegenstand von Abschnitt II. Der Zwangscharakter der LRA ist nur zu verstehen, wenn man sie nicht als klassische Rebellenbewegung (Gurr 1970) oder als formale Organisation (Weinstein 2007), sondern als Gewaltgemeinschaft begreift, in welcher Gewalt sowohl gegen äußere Feinde als auch intern als Mobilisierungsressource eingesetzt wird. Diese Gewaltsignatur der LRA wird Gegenstand der Abschnitte III und IV sein.
Wenngleich es

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