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Kleines Europa-Lexikon Geschichte, Politik, Recht von Schrötter, Hans J. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.12.2015
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Kleines Europa-Lexikon

Mit praxisnahen Stichwörtern sowie einigen Abbildungen veranschaulicht das Werk die rechtlichen und politischen Hintergründe des modernen Europa, besonders der EU. Der Leser findet die wesentlichen, zudem regelmäßig in den Medien aufscheinenden Felder und Institutionen - von der Agrarpolitik bis zur Zypern-Frage - in verständlicher Weise behandelt. Die Staatsschulden- und die Eurokrise haben eine Fülle neuer Begriffe und Regelungen erschaffen, die eingearbeitet wurden. Die neue EU-Kommission ist im Amt. Neue Szenarien sind hinzugekommen - man denke etwa eine spürbare Europaskepsis oder an unübersehbare Separationstendenzen. Für Leser in Schule, Studium und Ausbildung sowie als Nachschlagewerk für alle, die ein Interesse an Europa haben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 603
    Erscheinungsdatum: 17.12.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406680717
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 3261 kBytes
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Kleines Europa-Lexikon

Einführung:
Wie sie wurde, was sie ist - 50 Jahre "Erfolgsgeschichte Europäische Union"

I. 25.März 1957

25. März 1957. In Rom ist Frühling. Auf dem Kapitol herrscht Hochbetrieb. Handwerker legen letzte Hand an. Den Platz schmücken Blumen und Flaggen. Carabinieri in Paradeuniformen ergänzen das Bild. Die Jugend Italiens hat schulfrei - kurzum: es ist ein besonderer Tag!

Für einen Tag ist die Ewige Stadt wieder die Hauptstadt Europas, präsentiert sich in festlichem Fahnenschmuck, sonnt sich in uralter Tradition - schließlich wurde von hier aus einst das Abendland regiert. "Die europäische Geschichte kehrt nach Rom zurück" - so klingt es in italienischen Kommentaren.

Dann, um 18.00 Uhr, ist es so weit. Unter dem Geläut der berühmten Patarina, der 700-jährigen Glocke auf dem mittelalterlichen Turm des römischen Kapitols, unterzeichnen an einem langen, mit rotem Brokat bedeckten Tisch in dem mit Gobelins festlich ausgeschmückten Saal der Horatier und Curatier des Konservatorenpalastes sechs in elegantem Schwarz gekleidete Herren die Verträge zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und der Europäischen Atomgemeinschaft. Unter ihnen ein eindrucksvoller älterer Herr, ein "Grandsigneur" Europas und Architekt der Verträge, Dr. Konrad Adenauer , erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er ist der einzige Regierungschef in der Runde; die anderen fünf Unterzeichnerstaaten Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande lassen sich durch ihre Außenminister vertreten.

Zwei Jahre intensiven Verhandelns waren vorausgegangen. Im Mai 1955 hatten die Außenminister der sechs Staaten in Messina beschlossen, über eine Wirtschaftsunion schließlich zu einem - man höre und staune - auch politisch vereinigten Europa zu gelangen. Immerhin bewegt man sich von nun an Schritt für Schritt hin zu einem einheitlichen Markt für 160 Millionen Europäer.

Das Presseecho ist verhalten. Von einem "bedenklichen Weg nach Europa" etwa ist die Rede, von einem "Ja trotz aller Bedenken". Auch "Unterzeichnung am Tiber - Befürchtungen am Rhein" klingt nicht euphorisch; deutlich markanter noch titelt das SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" mit "Das Komplott von Rom" (24. März 1957) oder gar mit "Spaltungsverträge unterzeichnet" (26. März 1957).

Nahezu 60 Jahre ist das alles her. Ein geschichtliches Experiment ohne Beispiel ist gelungen. Seit über zwei Jahrzehnten - auch hierzu trugen die "Römischen Verträge" bei - sind Kalter Krieg und Spaltung Europas in Ost und West Historie. Wohlstand und Frieden, Freiheit und Freizügigkeit von La Rochelle bis Riga: das sind Markenzeichen einer weit über die wirtschaftliche Kooperation hinausgewachsenen Gemeinschaft von heute 28 europäischen Ländern und Völkern, die sich seit 1993 nicht ohne Selbstbewusstsein "Europäische Union" nennt.
II. Ein langer Weg

Rom wurde bekanntlich weder an einem Tag erbaut, noch markiert die damalige Vertragsunterzeichnung dort den Anfang aller Anfänge. Der Aufbau der heute 28 Mitgliedstaaten umfassenden "Europäischen Union" - kurz: EU - begann Schritt für Schritt nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die gedankliche Vorarbeit zu einem vereinten Europa reicht jedoch bedeutend weiter in die Vergangenheit zurück. Erinnert sei nur an Erasmus von Rotterdam , der bereits im 16. Jahrhundert über ein geeintes Europa philosophierte. Oder an Voltaire , der Europa 1751 als "eine Art große Republik" beschrieb, "verteilt in verschiedene Staaten. . .". Oder an den französischen Dichter Victor Hugo , der um die Mitte des 19. Jahrhunderts, wohlgemerkt dem Jahrhundert der Nationalstaaten, von den zukünftigen Vereinigten Staaten von Europa träumte.

Paneuropäische Ideen und Europapläne gab es auch in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg. 1923 etwa stellte Richard Graf von Coudenove-K

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