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Vertragstypen in Europa Historische Entwicklung und europäische Perspektiven.

  • Erscheinungsdatum: 29.08.2011
  • Verlag: Sellier European Law Publisher
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Vertragstypen in Europa

Der Typus ist jedem Juristen vertraut - oft gefälliger und handhabbarer als der Begriff, erleichtert er die Argumentation. Just darin liegt auch die Problematik dieser Figur. Sind typologische Einordnungen belastbar, wenn es auf Subsumption und Rechtssicherheit ankommt?
Der hier vorgelegte Sammelband, erwachsen aus dem Gesellschaftswissenschaftlichen Kolleg der Studienstiftung und ergänzt um internationale Gastbeiträge, konzentriert sich auf den Typus als vertragsrechtliche Idee. Woher stammt sie geschichtlich? Welche Erfahrungen haben europäische Kodifikationen mit ihr gemacht? Warum steht das common law ihr skeptisch gegenüber? Gibt es Vertragstypenbildung im Europarecht und im Einheitsrecht? Findet das Privatrecht der Europäischen Union sinnvolle Modelle der Typenbildung in den Traditionen Europas?
Francisco Javier Andrés Santos unterrichtet an der Universidad de Valladolid, Christian Baldus an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der Università degli Studi di Trento, Helge Dedek an der McGill University in Montreal.

Produktinformationen

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Vertragstypen in Europa

Einleitung (S. 1-2)

Francisco Javier Andrés Santos

"Typus", "typisch" und "Typologie" sind im Wesen philosophische Begriffe: Es handelt sich um Begriff e, die Vorstellungen aus verschiedenen Wissensgebieten berühren und verbinden. Sie tragen zur Entwicklung dieser Vorstellungen bei, weil ihr Blickwinkel weiter ist und Querverbindungen miteinbezieht. Im Ursprung kommt "Typus" vom griechischen τ?πος (typos), das "Schlag" bedeutet, daher: "Abdruck, Eindruck, Figur".

Rudolf Eucken weist darauf hin, dass die Begriff e "Typus" und "typisch" in ihrem heutigen Verständnis aus der Medizin stammten. Dilthey schreibt, der erst technische Gebrauch des Terminus fi nde sich bei dem Arzt Coelius, der vermutlich im zweiten Jahrhundert christlicher Zeitrechnung lebte. Er bezog sich auf den Typus des Wechselfi ebers als Regel oder Norm des Krankheitsverlaufs; in diesem Sinne sprechen wir heute vom "typischen Verlauf ".

In moderner Zeit spricht man vom "Typ" in der Psychologie, der Logik, der Linguistik, der Soziologie und allgemein den Sozialwissenschaften – natürlich auch in der Rechtswissenschaft . Karl Engisch sprach von einem "Modewort in allen Wissenschaft en". Diesen Bedeutungen liegt das Verständnis vom "Typ" als einem Modell zugrunde: Dieses Modell erlaubt es, eine unbestimmte Anzahl von Individuen / Individualitäten herzustellen, die als einer einheitlichen Klasse zugehörig erkennbar sind. Die einzigartigen Elemente sind Beispiele eines Typus und wirken verwandt.

Bisweilen wird der Begriff des Typus auf eines der Exemplare oder auf eine kleine Zahl von ihnen angewandt: insoweit sich darin besonders deutlich die Klasse zeigt, der sie angehören. Dann spricht man vom "typischen Fall". Bisweilen gebraucht man "Typus" in Bezug auf einen Komplex von Eigenschaft en oder Zeichen, die in keinem der Individuen einer gegebenen Klasse erscheinen, denen aber jedes einzigartige Element einer solchen Klasse nahe steht. Man spricht dann vom "Idealtypus", von einem Darstellungsschema, als einer Form, die ein Bild vermittelt, anhand dessen es möglich ist, die anderen Exemplare einer Klasse zu erkennen und zu unterscheiden. In jedem Fall dient der Typus als strukturierende Denkform für eine bestimmte Sicht auf die Realität. Er erlaubt es, verteilte und isolierte Kenntnisse auf einen zusammenhängenden Gedanken zurückzuführen.

Jeder Typus enthält eine Reihe charakteristischer Zeichen, die ihn zu einem sinnvollen Ganzen machen: etwas Essentielles, das sich in jeder einzelnen ihm zugeordneten Erscheinungsform wiederholt. Diese "Essenz" nennt man oft "Natur der Sache". Entsprechend orientiert sich das typologische Denken an der Idee der "Natur der Sache" (Kaufmann), mag es auch verschiedene Arten geben, die Bedeutung dieser "Natur der Sache" aufzufassen, sogar off en skeptische (Engisch).

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