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Auf der Spur des Bösen Ein Profiler berichtet von Petermann, Axel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.05.2010
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Auf der Spur des Bösen

Ein kaltblütiger Serienmörder. Eine verstümmelte Frauenleiche in einem Plastiksack. Ein erschossener US-Amerikaner im Zug. Kriminalhauptkommissar Axel Petermann ist Deutschlands bekanntester Profiler. Er beschreibt seine schwierigsten Fälle. Dabei gewährt er Einblicke in die Methoden der Profiler und erklärt, was die Spuren am Tatort über die Psyche des Täters verraten. Wahre Geschichten, die unter die Haut gehen.

Axel Petermann ist seit fast 40 Jahren bei der Kriminalpolizei, davon über 35 Jahre als Mordermittler, Leiter einer Mordkommission und stellvertretender Leiter für Gewaltdelikte, Profiler und hat bereits in über 1.000 Fällen ermittelt: Tötungsdelikte, Unfälle, Suizide. Außerdem lehrt er Kriminalistik, berät die Bremer Redaktion Tatort .
Vor rund zehn Jahren reichte es ihm nach einem Mord nicht mehr die Frage zu stellen: Wer hat das getan? Axel Petermann wollte zusätzlich auch das Warum verstehen. Warum haben die Täter auf eine bestimmt Art und Weise getötet? Welche bizarren Fantasien spielen sich in den Köpfen der Mörder ab? Um noch mehr über die Beweggründe einer Tat herausfinden zu können hat Petermann Täter, deren Fälle er bearbeitet und die er überführt hatte, viele Jahre nach ihrer Verurteilung aufgesucht und befragt. Er bekam Antworten auf Fragen, die bei der Bearbeitung in der Mordkommission nicht immer geklärt werden konnten. Die Psyche der Täter wurde somit transparenter. Seine Berufswahl hat er nie bereut ?denn einen selbstständigeren, einen verantwortungsvolleren und abwechselungsreicheren Beruf kann ich mir nicht vorstellen ? auch, und gerade weil er sich fast immer mit den Abgründen des menschlichen Verhaltens beschäftigt.?

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 12.05.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783548920207
    Verlag: Ullstein
    Serie: Ullstein Taschenbuch 37325
    Größe: 2259 kBytes
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Auf der Spur des Bösen

Vorwort

Ich weiß nicht, was das Böse ist, auch wenn sich seit 1970 in meinem Beruf nahezu alles um Mord und Totschlag, Opfer und Täter, Schuld und Sühne dreht: zunächst in verschiedenen Positionen in der Mordkommission und seit 1999 als Fallanalytiker  als sogenannter Profiler.

Der Erste, der mir beibringen wollte, was das Böse ist, war ein Pastor. Es war märchenhaft, wie gut er sich mit Paradies, Sündenfall, Hölle und Teufel auskannte. Ich habe aber schon damals nicht an Märchen geglaubt. Als wir später in der Schule Faust durchnahmen, versuchte unser Lehrer uns klarzumachen, dass Goethe an Mephisto zeigt, was das Böse ist, »das Böse schlechthin«. Aber auch das überzeugte mich nicht. Für mich bleibt Mephisto die literarische Neuauflage des Teufels aus dem Konfirmandenunterricht, ein Böser, der mit den Bösen der Wirklichkeit nicht viel zu tun hat. Viele Jahre später habe ich meinen Lehrer wiedergetroffen. Er wollte wissen, was ich beruflich mache. Ich antwortete wahrheitsgemäß: »Ich bin Kriminalkommissar in der Mordkommission.« »Ah, auf der Spur des Bösen!«, sagte er prompt.

Sie werden sich wundern, aber als ich 1970 als junger Eleve zur Bereitschaftspolizei ging, war mir nicht bewusst, dass sich mein weiteres berufliches Leben fast ausschließlich um Mord und Totschlag drehen würde. Mit meinem Pilzkopf passte ich so gar nicht in das Bild des typischen Polizeibeamten, und mein Anliegen bestand damals auch vornehmlich darin, keinen Wehrdienst ableisten zu müssen  denn als Polizist war ich davon befreit. Als mich jedoch später mein Kriminalistikdozent  ein früherer Leiter der Mordkommission  mit seinen differenzierten Berichten von wahren Morden aus Bremen fesselte, reifte schnell mein Entschluss: Ich wollte auch Mordermittler werden.

Heute kann ich gar nicht mehr genau sagen, was mich damals so sehr an dieser Vorstellung reizte: War es meine jugendliche Begeisterungsfähigkeit? Die Faszination und das Unerklärbare des Verbrechens? Die Suche nach der Wahrheit? Vielleicht von allem ein bisschen. Wenige Jahre später und nach weiteren Ausbildungsschritten war ich dann tatsächlich in der Mordkommission angekommen. Eine Entscheidung, die ich nie bereut habe, denn einen selbständigeren, einen verantwortungsvolleren und abwechselungsreicheren Beruf kann ich mir nicht vorstellen  auch und gerade weil er sich fast immer mit den Abgründen des menschlichen Verhaltens beschäftigt.

Meinen Lehrer habe ich nicht gefragt, wie er das mit der Spur des Bösen gemeint hat. Ich bin auch nicht sicher, ob ich eine befriedigende Antwort erhalten hätte. Eine vage Vorstellung davon hat sicher jeder, aber wer käme nicht ins Stottern, wenn er erklären sollte, was genau das Böse eigentlich ist oder wie es entsteht.

Zum Glück muss ich diese Frage auch nicht klären, ich käme gar nicht mehr dazu, meine Arbeit zu machen. Lieber halte ich mich an einen Satz, der weder besonders philosophisch ist noch pastoralen oder pädagogischen Tiefsinn enthält: »Das Gute ist, dass das, was das Böse ist, im Strafgesetzbuch steht.« Nur ein Satz aus der Sprüchesammlung der Kriminalpolizei, aber eine gute und klare Arbeitsgrundlage  vorausgesetzt, man lebt und arbeitet in einem demokratischen Rechtsstaat.

Das deutsche Strafgesetzbuch gibt sich mit einer Schwarzweißbetrachtung von Gut oder Böse nicht zufrieden. Unser StGB verbindet die spezielle Art eines Tötungsdelikts jeweils mit einem besonderen Strafmaß. Das Strafmaß für einen Mord fällt höher aus als das für einen Totschlag. Auch bei den Tatmotiven sie

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