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Das Gefühl der Kälte Die Fälle der Rechtsmedizinerin Charlotte Fahl von Bartsch, Christine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.10.2016
  • Verlag: OrellFüssli
eBook (ePUB)
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Das Gefühl der Kälte

"Hast du die Fotos schon angeschaut?", kracht es mit einer tiefen und äußerst erregt klingenden männlichen Stimme aus dem Telefon. "Meine Güte, der Hals ist echt übel zugerichtet, so etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Die Kehle hat er ihr eiskalt durchgeschnitten, dieses fiese Schwein." Die Fotos, der Hals, fieses Schwein? Charlotte wusste mit den spärlichen Angaben des Kommissars in diesem Moment nicht viel anzufangen: "Hallo, Urs, bist du das?", versucht sie ein wenig Zeit zu gewinnen. "Ähh, um welche Fotos gehts denn und um welchen Fall überhaupt?" Wenn die Medizinerin Charlotte Fahl auf ihre "Patienten" trifft, sind diese bereits tot. Doch Fahl bringt sie zum Sprechen. Was war die Todesursache? Dieses Buch besteht aus 12 Kurzgeschichten rund um die Rechtsmedizinerin Charlotte Fahl, deren Fälle auf wahren Begebenheiten beruhen. Es ist eine glänzende Tour de Force durch eine der unheimlichsten Disziplinen der Medizin sowie eine Sammlung erstaunlicher Porträtminiaturen, die von den Toten und den Abgründen menschlichen Handelns erzählt.

Prof. Dr. Christine Bartsch ist Rechtsmedizinerin und leitete zuletzt die Abteilung für Forensische Medizin und Bildgebung am Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 14.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783280039410
    Verlag: OrellFüssli
    Größe: 579 kBytes
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Das Gefühl der Kälte

Wenn man sich mit der Frage beschäftigt, was für einen Tod sich die meisten Menschen wünschen, mal abgesehen von dem Umstand, dass kaum einer wirklich gerne sterben möchte, dann ist es am häufigsten der Tod im eigenen Bett, der als die vermeintlich angenehmste Variante favorisiert wird. Das haben unterschiedliche Forschungsstudien ergeben, und Charlotte Fahl kann sich das nur so erklären, dass diese Menschen überhaupt keine Ahnung haben, wie das Sterben im Bett aussehen kann. Im eigenen Bett fühlen sich viele sicher und gut aufgehoben, aber kaum ein Mensch schläft einfach in seinem Bett ein und wacht dann nie mehr auf. Es sind oftmals die absonderlichsten Dinge, die eine Person durchleben und durchleiden muss, bevor man sie leblos im Bett vorfindet.

Sicher, man kann auch ohne äußere Einwirkung einen epileptischen Anfall, einen Herzinfarkt, eine Lungenembolie, einen Schlaganfall oder eine Hirnblutung im eigenen Bett erleiden. Das sind zweifellos alles akute, zumeist letale Krankheitsereignisse, die der Allgemeinheit das Sterben im eigenen Bett akzeptabel erscheinen lassen. Schon weniger gut vorstellbar, aber durchaus nicht selten anzutreffen, ist der Erstickungstod durch Nahrungsbrei nach zu reichlichem Alkoholgenuss mit anschließendem Erbrechen. Für Forensiker dagegen ist der Leichenfund im Bett ein Thema mit zahllosen Variationen, und egal, ob der Leichnam sanft zu schlafen scheint oder nicht, zu klären ist stets die strafrechtliche Relevanz der Todesumstände.

Nicht immer waren die Menschen allein, wenn sie im Bett das Zeitliche segneten. Eine Person kann auf dem Gipfel sexueller Erregung durch die körperliche Höchstleistung, aber auch durch bestimmte Fremdsubstanzen, die ihr durch dritte Hand verabreicht wurden, ganz plötzlich einen Herzstillstand erlei-den. Umgekehrt werden auch Menschen tot aufgefunden, die schon seit ewigen Zeiten an ihr Bett gefesselt waren, weil ihnen eine langsam auszehrende Erkrankung die Kraft genommen hatte, jemals wieder aufzustehen. Unter diesen Verstorbenen finden sich auch Menschen, die grob vernachlässigt oder sogar beschleunigt in den Tod gepflegt wurden. Es werden auch Menschen im Bett erstickt oder bereits als Leichnam dort abgelegt. Und schließlich legen sich einige Menschen ins Bett, um ihrem Leben gewaltsam ein Ende zu bereiten. Sei es durch eine äußerlich nicht erkennbare Vergiftung, sei es durch einen Kopfschuss, eine Stromquelle oder eine Stichverletzung. Viel Blut bedeutet meistens auch viel Arbeit für die Rechtsmedizin. Eine blutüberströmte Leiche, bei der alle Alarmglocken sofort anspringen und deren Schicksal dennoch Verwirrung stiftet, ist nur ganz selten anzutreffen.

Alain Schöni, ein erfolgreicher Schweizer Tenor von internationalem Ruf, hätte in einer solchen Studie sicher niemals zu Protokoll gegeben, er wolle im Bett krepieren. Er ist auf der Bühne zu Hause, und dort würde er am liebsten auch versterben, wenn es denn so weit wäre und unbedingt sein müsste. Am allerliebsten würde er in einer seiner besten Rollen, in denen er ohnehin auf tragische Weise regelmäßig sein Leben lassen muss, seinen letzten Atemzug nehmen. Wenn er eines Tages das Zeitliche segnet, dann muss das unbedingt unter tosendem Beifall geschehen, sodass das Publikum sein Dahinscheiden nicht von einer Darbietung unterscheiden kann.

Aber ans Sterben denkt er die meiste Zeit über sowieso nicht, obwohl er beruflich allabendlich erstochen, erschossen, erwürgt oder erschlagen wird. Alain liebt sein ausschweifendes Leben und kann gar nicht genug davon bekommen. Intensität ist das Motto seiner Existenz. Nicht enden wollende Fressorgien, die von den auserlesensten Wein- und Champagnersorten begleitet und mit den edelsten Spirituosentropfen beendet werden, zählen zu seinen Spezialitäten. Danach raucht er handgerollte kubanische Zigarren und verlustiert sich mit ständig jünger werdenden Liebhabern, die ihm alle verfallen sind.

An diesem Abend war er mal wied

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