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Das Lexikon der Justizirrtümer von Burow, Patrick (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.09.2013
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Das Lexikon der Justizirrtümer

Spannend wie ein Krimi, tragisch wie das Leben.

'Ich bin unschuldig', sagen viele Verurteilte. Dass das viel öfter stimmt, als wir glauben wollen, zeigt dieses Buch. Anhand von Fehlurteilen aus Deutschland, Österreich, USA und anderen Ländern analysiert der Richter Patrick Burow die häufigsten Ursachen für Justizirrtümer: Aussageerpressung, Mangel an Beweisen, fehlerhafte Forensik, brutale Polizisten, inkompetente Sachverständige, karrieresüchtige Staatsanwälte oder meineidige Zeugen. Und er macht Vorschläge, was getan werden müsste, um Justizirrtümer in Zukunft zu vermeiden bzw. schneller zu revidieren. Denn das Beharrungsvermögen der Justiz angesichts ihrer Opfer ist ein Skandal.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 20.09.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838745367
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 682 kBytes
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Das Lexikon der Justizirrtümer

I. Einleitung

Ein unschuldig Verurteilter ist die Angelegenheit aller anständigen Menschen.

JEAN DE LA BRUYÈRE
Definition des Justizirrtums

"Ich bin unschuldig!", schreien viele gerade Verurteilte, wenn sie aus dem Gerichtssaal in ihre Zelle abgeführt werden. "Das ist ein Justizirrtum!" Das hat jeder Richter schon mal gehört. Doch was, wenn der Verurteilte die Wahrheit sagt?

Was ist überhaupt ein Justizirrtum? Ein Justizirrtum ist ein gerichtliches Fehlurteil, das durch einen Irrtum über Tatsachen zustande kommt, wodurch ein Angeklagter zu Unrecht zu einer Freiheits- oder Todesstrafe verurteilt wird. Einfacher ausgedrückt: Jemand wird verurteilt, obwohl er unschuldig ist. Im Unterschied zur Rechtsbeugung wendet der Richter nicht bewusst das Recht falsch an, sondern unterliegt einer Fehlvorstellung über den tatsächlichen Geschehensablauf.

Stellen Sie sich vor, Sie werden morgens aus dem Bett gezerrt und verhaftet. Der Richter schenkt ihren Unschuldsbeteuerungen keinen Glauben und Sie wandern jahrelang unschuldig hinter Gitter. In den USA werden Sie vielleicht sogar hingerichtet. Dieses Buch schildert die spektakulärsten Fälle, die zeigen: Jeder von uns kann Opfer eines Justizirrtums werden. Und jedes Urteil, auch das Fehlurteil, wird "Im Namen des Volkes", also in unser aller Namen verkündet.
Justizirrtümer kommen häufig vor, werden aber verschwiegen

Dieses Lexikon wird zeigen, dass Justizirrtümer viel häufiger sind, als man denkt. Ihre Ursachen sind so banal wie alltäglich. Augenzeugen irren sich, Informanten lügen, Geständnisse werden erzwungen, Verteidiger schlafen während der Verhandlung, und Sachverständige begutachten ohne Sachverstand. Opfer eines Justizirrtums kann ohne Ansehen der Person jeder werden, vom vorbestraften Junkie über den biederen Familienvater bis hin zum Prominenten. Dabei wird die Existenz von Justizirrtümern offiziell verschwiegen, da sie das sich selbst zugeschriebene hohe Ansehen der Justiz gefährden könnten. Schon der Terminus technicus "Justizirrtum" existiert als Fachbegriff nicht. Es gibt kein einziges deutsches Gesetz, das diesen Begriff verwendet. Ein Richter irrt nicht, und wir wollen auch die Bevölkerung nicht beunruhigen, scheint die Leitlinie zu sein. Auch die juristische Fachliteratur, die sich sonst jedes völlig unbedeutenden Rechtsproblems in epischer Breite annimmt, schweigt hierzu. Folglich gibt es auch keine amtlichen Statistiken über Justizirrtümer oder Fehlurteile. Das ist erstaunlich, denn es wird sonst in der Justiz wirklich alles statistisch erfasst. Beispielsweise wird akribisch aufgelistet, wie viele Verfahren ein Richter monatlich und auf welche Weise er sie erledigt. Es gibt Statistiken zur Verfahrensdauer und zu den entstandenen Kosten. Ob das Ergebnis richtig oder falsch war, scheint dagegen niemanden zu interessieren. Einige wenige Autoren haben immerhin versucht, aufgrund der Anzahl erfolgreicher Wiederaufnahme- und Revisionsverfahren sowie der von der Justiz gezahlten Haftentschädigungen Rückschlüsse auf die Fehlurteilsquote zu ziehen. Die Schätzungen variieren zwischen 1 und 30 Prozent, wobei die meisten auf 20 Prozent kommen. Das ist zwar nur gefühltes Wissen, aber trotzdem ein Indiz, dass Justizirrtümer häufig vorkommen.

Ein Blick nach Amerika zeigt das Ausmaß dieses Problems noch deutlicher. Ein Juraprofessor hat in New York ein Innocence Project (deutsch: Unschuldsprojekt) gegründet, das sich um die Aufklärung von Justizirrtümern bemüht. Jurastudenten nehmen sich alte Strafakten vor, suchen nach Fehlern in der jeweiligen Verurteilung und versuchen gegebenenfalls eine Wiederaufnahme des Verfahrens zu erreichen. Seit 1992 hat das Innocence Project 301 Menschen aus den Gefängnissen geholt, darunter 18 Todeskandidaten.

Allein diese aufgedeckten Fehlurteile zeigen deutlich, dass es zu viele sind, um noch von Einzelfällen zu sprechen.

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