text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Tatort Frankfurt! Was wo wirklich passierte von Borufka, Heike (eBook)

  • Verlag: Societäts-Verlag
eBook (ePUB)
11,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Tatort Frankfurt!

Verbrechen in Frankfurt: Gab s da wirklich nur Gretchen und die Nitribitt oder den Mordfall Jakob von Metzler? Nein, sagen die langjährige hr-Gerichtsreporterin Heike Borufka und der frühere Landespolizeipräsident Udo Scheu. Da gab es noch jede Menge mehr. Für ihr aktuelles Buch über bekannte und weniger bekannte Frankfurter Kriminalfälle haben die Autoren nochmals Gerichtsakten und Urteile akribisch durchgearbeitet. Was die Öffentlichkeit der Mainmetropole bewegte, kommt dabei bis in die jüngste Vergangenheit hinein zu Wort: vielschichtig, zuweilen gruselig, aber auch mit Sinn für Amüsantes und Skurriles. So geht es um einen Nachmittags-Talker, der wegen Vergewaltigung angeklagt und freigesprochen wurde. Oder um den Milliarden-Betrüger Jürgen Schneider, den tiefen Sturz des aufstrebenden Tennisstars Maximilian A., um den Fußball-Wettskandal, einen prominenten Tierarzt Hach, der von seinem Stiefsohn erschlagen wurde, und und und ... Udo Scheu, ehemaliger Leiter der Staatsanwaltschaft Frankfurt und früherer Präsident der Hessischen Landespolizei, entführt die Leser auch in seinem neuen Buch an Frankfurter Tatorte - dieses Mal an solche, die es wirklich gegeben hat.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955421137
    Verlag: Societäts-Verlag
    Größe: 608 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Tatort Frankfurt!

Des Sängers Fluch
(A66, Hofheim)

A ls Kevin Richard Russell gegen 9 Uhr die Bühne betritt, wird es im Publikum totenstill. Es ist nicht die Bühne, auf der er sich heimisch fühlt. Auf der ihn seine Anhänger sehen wollen. Aber er hat keine Wahl. Den Saal des Landgerichts Frankfurt, den größten, den es dort gibt, betritt Kevin Russell mit unsicheren Schritten. Ein vorzeitig gealterter, schwer kranker Mann kommt da. Russell verläuft sich fast auf dem Weg zur Anklagebank. Dann findet er seinen Platz für die nächsten Tage doch noch. Er lässt sich in den Stuhl sinken, fängt an zu wippen und glotzt ins Leere. Minutenlang. Die Kameras klicken. Plötzlich kommt etwas Leben in den Mann. Russell lächelt wie blöde ins Blitzlicht, dann dringt es heiser und halblaut aus ihm heraus: "Eins für Mama, eins für Papa, eins für Onkel ..." Er nuschelt. Lallt ein bisschen. Das Frankfurter Landgericht hat schon viele gespenstische Momente erlebt. Dies ist der wohl Gespenstischste seit Langem. Oben auf der Tribüne, wo Platz für 50 Journalisten ist, herrscht ebenfalls Stille. Alle starren auf diesen Mann dort unten. Kevin Russell, 46 Jahre alt und Ex-Sänger der Böhsen Onkelz, hat zum Prozessauftakt seine langen Haare abgeschnitten. Das strähnige Haar ist zurückgekämmt. Die Sonnenbrille hat er hochgeschoben. Die Richter betreten den Saal: zwei Berufsrichter, zwei Schöffen. Die Zuschauer vergessen, aufzustehen. Sie schauen weiter gebannt auf den Mann, der mal ein böser Onkel gewesen sein will. Einer, der auf furchtlos machte, der vor Kraft kaum laufen konnte. Trotzig. Widerspenstig. Der Vorsitzende Richter schickt die Kameraleute und die Fotografen raus. Sie haben ihre Bilder. Bessere, als sie erwartet hatten. Sie haben Fotos eines Mannes, der gefragt nach seinen Personalien stammelt: "Ich bin mehr oder weniger in Frührente." Seine Stimme ist brüchig. Dünn. Da röhrt nichts mehr. Russell, das tätowierte Kraftpaket von einst, das auf der Bühne seinen Zorn herausschrie. Ein Mann, der mit jeder Faser zu sagen schien: Je mehr ihr mich hasst, desto stärker werde ich. Der kultiviert hatte, wofür ihn seine Anhänger noch Jahre nach der Trennung der Onkelz verehrten: an den Rand gedrängt, Außenseiter und vor allem stolz darauf zu sein. Doch der Mann, der heute auf der Anklagebank sitzt, ist nur noch der Schatten eines bösen Onkels. Nichts dringt mehr durch. In keine Richtung. Seine Miene ist versteinert. Er wirkt vollkommen abwesend. Mit letzter Kraft hält er sich am Stuhl fest, erträgt die erstaunten Blicke, die auf ihm ruhen. Wenn er sie denn wahrnimmt. Noch vor wenigen Monaten sah er völlig anders aus. Dieser Mann ist binnen Wochen um Jahrzehnte gealtert. Kevin Russell steht vorm Frankfurter Landgericht, wobei es so aussieht, als sei er schon von einem anderen Richter verurteilt worden. Dem gnadenlosesten, den es gibt: nämlich sich selbst. Dem einzigen, der es geschafft hat, ihn kleinzukriegen. Kevin Russell, sagt der Staatsanwalt, hat sich der Unfallflucht, der fahrlässigen Straßenverkehrsgefährdung und der fahrlässigen Körperverletzung schuldig gemacht. Er hat, glaubt der Ankläger, am Silvesterabend 2009 um 20.25 Uhr einen Unfall mit verheerenden Folgen verursacht. Er saß an diesem letzten Abend im Jahr am Steuer eines geliehenen Sportcoupés, eines Audi R8. Russell stand unter Drogen: Kokain, Methadon und Diazepam. Das soll gegen Angst helfen und ist ein Schlafmittel. Junkies wie Russell greifen gerne dazu, um sich zu beruhigen, wenn die Wirkung des Rauschgiftes nachlässt. Mit diesem Cocktail im Leib jedenfalls raste er über die viel befahrene Autobahn zwischen Frankfurt und Wiesbaden. Mit 230 Sachen. Dabei streifte er mit seinem Sportwagen auf der rechten Fahrspur ein Auto, das mit etwa Tempo 100 vor ihm fuhr. Ein Kleinwagen. Russells Auto kostet dagegen gute 120.000 Euro. Beide Autos prallten zusammen und schleuderten in die Leitplanke. Der Opel, in dem zwei junge Männer saßen, fin

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen

    ALDI life eBooks: Die perfekte App zum Lesen von eBooks.

    Hier finden Sie alle Ihre eBooks und viele praktische Lesefunktionen.