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Zeitschrift Polizei & Wissenschaft Ausgabe 4/2020

  • Erscheinungsdatum: 02.11.2020
  • Verlag: Verlag für Polizeiwissenschaft
eBook
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Zeitschrift Polizei & Wissenschaft

Kompetentes Handeln basiert allgemein auf der Kombination praktischer Erfahrung und wissenschaftlicher Erkenntnisse. Grundlage hierfür ist die Kommunikation und Diskussion zwischen Wissenschaftlern und Praktikern. Dies gilt ganz besonders für eine moderne Polizei. Die Zeitschrift Polizei & Wissenschaft bietet die Möglichkeit zur wissenschaftlichen Kommunikation polizeirelevanter Themenbereiche. Sie versteht sich als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Polizei. Durch ihre interdisziplinäre Ausrichtung werden unterschiedlichste wissenschaftliche und praktische Perspektiven miteinander vernetzt. Dazu zählen insbesondere die Bereiche Psychologie, Rechtswissenschaft, Soziologie, Politikwissenschaft, Medizin, Arbeitswissenschaft und Sportwissenschaft. Aber natürlich wird auch polizeirelevantes Wissen der Disziplinen genutzt, die nicht klassisch mit dem Begriff Polizei verknüpft sind, wie z.B. Wirtschaftswissenschaften, Sprachwissenschaften, Informatik, Elektrotechnik und ähnliche. Polizei & Wissenschaft regt als breit angelegtes Informationsmedium zur Diskussion an und verknüpft Themenbereiche. Sie erscheint vierteljährlich und geht mit ihrer interdisziplinären Interaktivität über einen einseitigen und fachlich eingeschränkten Informationsfluss hinaus. Dazu nutzt sie die Möglichkeiten des Internets und fördert durch die Organisation von Veranstaltungen auch eine direkte Kommunikation.

Produktinformationen

    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 73
    Erscheinungsdatum: 02.11.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783866766662
    Verlag: Verlag für Polizeiwissenschaft
    Größe: 3959 kBytes
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Zeitschrift Polizei & Wissenschaft

Phänomene normabweichenden Verhaltens in Polizeiorganisationen

Organisational brauchbare und eigennützige Illegalität

Norbert Jochens, Frank Vogel & Ronny Steffenhagen

1. Normabweichendes Verhalten als organisationales Phänomen

Dass Störungen, Fehlfunktionen und Katastrophen in unserer Welt unvermeidbar sind, erkannte bereits der Ingenieur Edward A. Murphy vor über hundert Jahren und formulierte sein berühmtes Gesetz. In "guten Zeiten" darüber nachzudenken, was getan werden muss, soll und kann, wenn Kraftwerkspannen die Stromversorgung ganzer Landesteile lahmlegen oder Computerprobleme Finanzmärkte kollabieren lassen, erscheint vernünftig und beschäftigt nicht nur die "Prepper"-Bewegung, sondern ist professionelle Verpflichtung für Sicherheitsexperten in Unternehmen, Organisationen und Behörden. Die Polizei steht dabei mit an vorderster Front. Einer der spannendsten Aspekte in diesem Zusammenhang nicht nur für Sozialwissenschaftler dürfte sein, welche Überlebensszenarien und Bewältigungsstrategien für Krisensituationen in unterschiedlichen sozialen Gruppen antizipiert werden und welche dieser Vorstellungen sich letztlich durchsetzen und Wirksamkeit erlangen. Dass damit eine alte Diskussion um Normen und Werte1 neue Impulse erhält, liegt auf der Hand. Ihre Brisanz für den Polizeialltag jenseits des akademischen Diskurses zeigen aktuelle Entwicklungen:

Ein im Jahr 2017 öffentlich gewordenes Ermittlungsverfahren des Generalbundesanwaltes, das sich wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat gegen eine Gruppe namens "Nordkreuz" (nach eigenen Angaben ein Zusammenschluss von "Preppern"2) und hier unter anderem gegen einen Polizeivollzugsbeamten des Landes Mecklenburg-Vorpommern richtet3, hat das Potenzial, das Vertrauensverhältnis der Bürger in die Polizei nachhaltig zu erschüttern. Immerhin wird ein Polizeibeamter verdächtigt, Namen von linken Politikern gesammelt zu haben, um diese im Fall eines Zusammenbruchs der öffentlichen Ordnung zu töten und anschließend eine weit weniger pluralistische Gesellschaft zu erschaffen4.

Zusammenfassung

Die Verfasser diskutieren in diesem Beitrag die Grenzen normabweichenden Verhaltens als "Normalität" und "Notwendigkeit" in Polizeiorganisationen am Beispiel der Gruppe Nordkreuz und stellen ihre diesbezüglichen Überlegungen auf ein systemtheoretisches Fundament. Unter Einbeziehung einer hinsichtlich des Anlassfalls durchgeführten Erkundungsstudie skizzieren die Autoren einen Modellvorschlag zur prozesshaften Erklärung in Richtung Radikalisierung fortschreitenden normabweichenden Verhaltens. Im Rahmen eines Ausblicks wird schließlich der Versuch unternommen, normabweichendes Verhalten hinsichtlich des "Kipp-Punktes" zwischen brauchbarer Illegalität und eigennütziger Illegalität zu qualifizieren.

Führung, Systemtheorie, normabweichendes Verhalten, Regelabweichung, Radikalisierung, Polizeiorganisation, brauchbare Illegalität, eigennützige Illegalität.

Abstract

In this article, the authors discuss the limits of behavior deviating from the norm as "normality" and "necessity" in police organizations using the example of the "Nordkreuz" group. In this regard, their considerations are put on a systemtheoretical basis. Taking into account an exploratory study carried out with regard to the occasion, the authors outline a model proposal for a process-based explanation in the direction of radicalization of progressive deviating behavior. Finally, as part of an outlook, an attempt is made to qualify behavior deviating from the norm with regard to the "tipping point" between usable illegality and selfish illegality.

Management, systems theory, behavior deviating from the norm, rule deflection, radicalization, police organization, usable illegality, selfish illegality.

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