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Es gibt kein gutes Töten Acht Plädoyers gegen Sterbehilfe

  • Erscheinungsdatum: 23.06.2015
  • Verlag: Manuscriptum Verlagsbuchhandlung Thomas Hoof KG
eBook (ePUB)
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Es gibt kein gutes Töten

Der Pflegebedarf wird sich bis zum Jahre 2050 mehr als verdoppeln und entsprechend verteuern. Dieses Problem soll der assistierte Suizid auf scheinbar sanfte Weise lösen. Seine Einführung stellt aber nichts weniger in Frage als die Solidarität des Menschen, seine Menschlichkeit. Wer aus einem Recht auf Selbstbestimmung ein "Recht" auf ärztlich assistierten Suizid ableitet, übersieht, dass die Grundlage der Selbstbestimmung das Leben ist. Sterbehilfe und Selbstbestimmung schließen sich aus. Aus dem neuen Angebot der Suizidbeihilfe würde bald ein soziales Druckmittel werden, den anderen nicht länger zur Last zu fallen. Die acht Autoren dieses Bandes kritisieren die Beihilfe zur Selbsttötung aus ganz unterschiedlichen Perspektiven - Philosophie, Medizin, Gesellschaft, Recht und Praxis. Gemeinsam warnen sie vor einer ungeheuerlichen Entwicklung. Beiträge von Robert Spaemann, Manfred Spieker, Andreas Lombard, Axel W. Bauer, Stephan Sahm, Rainer Beckmann, Kerstin Kurzke und Gert van Loenen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 174
    Erscheinungsdatum: 23.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783944872186
    Verlag: Manuscriptum Verlagsbuchhandlung Thomas Hoof KG
    Größe: 699 kBytes
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Es gibt kein gutes Töten

MANFRED SPIEKER

Die Logik des assistierten Suizids

Ein freiverantwortlicher Suizid sei hierzulande, so Bettina Schöne-Seifert in ihrem Plädoyer für die Liberalisierung der Suizidhilfe, "seit mehr als 250 Jahren rechtlich zulässig". Ebenso seien bisher "auch Hilfe und Begleitung durch andere" zulässig. 2 Die Rede von der rechtlichen Zulässigkeit des Suizids ist jedoch missverständlich, um nicht zu sagen irreführend. Die Straflosigkeit des Suizids bedeutet nicht, dass er "rechtlich zulässig" wäre. Sie bedeutet nur, dass er sich der rechtlichen Normierung entzieht, weil es bei einem "Erfolg" des Suizids niemanden mehr gibt, der rechtlich belangt werden könnte, während im Falle eines Misserfolgs - und 90 % aller Suizidversuche enden ohne den Tod des Suizidenten - davon ausgegangen wird, dass dem Betroffenen mit einer Strafverfolgung nicht geholfen sei. "Selbstmord ist nicht ein 'Recht', sondern eine Handlung, die sich der Rechtssphäre entzieht." 3 Das gilt bisher in Deutschland auch für die Beihilfe zum Suizid. Sie ist rechtlich nicht geregelt.

Der Vorschlag der ehemaligen Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger im Sommer 2013, durch einen neuen 217 StGB allein die gewerbsmäßige Suizidbeihilfe zu verbieten, hätte fatale Folgen gehabt: er hätte zum einen den Eindruck erweckt, Suizidbeihilfe sei nur deshalb verwerflich, weil mit ihr eine Gewinnerzielungsabsicht einhergeht, und er hätte zum anderen diese Beihilfe durch Ärzte, Angehörige und gemeinnützige Vereine legalisiert, um nicht zu sagen privilegiert. 4 Der Vorschlag der Ministerin verschwand bald in den Akten und erledigte sich schließlich mit dem Ende der Legislaturperiode im Sommer 2013 von selbst. Im Sommer 2014 kam die Debatte erneut in Gang. Bundesgesundheitsminister Gröhe will jegliche Suizidbeihilfe verbieten. Die Fraktionen der Regierungsparteien CDU/CSU und SPD beschlossen am 29. April 2014 einen Zeitplan zur parlamentarischen Behandlung eines Gesetzes zum assistierten Suizid, der von einer Orientierungsdebatte im 4. Quartal 2014 über eine 1. Lesung von Gesetzentwürfen im 1. Quartal, Anhörungen im 2. Quartal bis zur Verabschiedung eines Gesetzes im 3. Quartal 2015 reicht. 5 Am 13. November hat sich der Bundestag mit dem Problem erstmals beschäftigt. Grundlage der "Orientierungsdebatte" waren Eckpunktepapiere fraktionsübergreifender Abgeordnetengruppen. Schon jetzt wurde die Entscheidung vom Fraktionszwang befreit und dem Gewissen der Abgeordneten anheimgestellt.

Am 26. August 2014 präsentierten Gian D. Borasio, Ralf J. Jox, Urban Wiesing und Jochen Taupitz einen Gesetzesvorschlag, der den assistierten Suizid unter dem Mantel eines generellen Verbots in 217 Abs. 1 in 217 Abs. 2 und Abs. 3 legalisieren will. 6 In den Absätzen 2 und 3 werden die Personen genannt, die nicht nach Abs. 1 strafbar sein sollen: Angehörige oder dem Betroffenen nahestehende Personen und Ärzte. In Abs. 4 werden fünf Bedingungen genannt, die Ärzte beachten müssen, wenn sie Suizidbeihilfe leisten wollen: freiwilligen Suizidwunsch des Patienten, unheilbare Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung, palliativmedizinische Aufklärung, Gutachten eines zweiten Arztes und zehn Tage Wartezeit zwischen Suizidwunsch und tödlicher Beihilfe. Abs. 5 soll dann den Bundesgesundheitsminister ermächtigen, die fachliche Qualifikation der beteiligten Ärzte, die Aufklärungspflicht und die Dokumentation zu regeln. Dass die fünf Bedingungen in Abs. 4 der ärztlichen Suizidbeihi

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