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Pop Science Essays zur Wissenschaftskultur von Kaeser, Eduard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.08.2013
  • Verlag: Schwabe Verlag Basel
eBook (ePUB)
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Pop Science

Wissenschaft in Fernsehen, Quiz und Feuilleton Popularisierung von Expertenwissen - dieses altehrwürdige aufklärerische Anliegen hat sich unter den aktuellen wirtschaftlichen, medialen und kulturellen Bedingungen grundlegend gewandelt. Auf der einen Seite machen die (Natur-)Wissenschaften, beflügelt von ihren Erfolgen, der Religion deren traditionelles Hoheitsgebiet von Welterklärung und Sinnstiftung streitig, auf der anderen Seite siedeln sie sich aber auch immer mehr im Bereich der Unterhaltungsindustrie an und werden zusehends zu einer Art "Pop Science". Wissen allein genügt heute nicht mehr, man muss damit vor allem Aufsehen erregen, es publikumswirksam in Szene setzen. Aufmerksamkeit ist das kapitale Gut, die gefragte Ware, die universelle Währung. Im alltäglichen Kampf um Aufmerksamkeit kann auch die Forschung nicht darauf verzichten, ihre Ansprüche vermehrt mediengerecht hochzuschrauben. Die hier versammelten Texte lassen sich durchaus selbst als Stücke der Pop Science lesen, insofern auch sie sich auf der Spielwiese zwischen Wissenschaft und Alltag tummeln. Aber sie sind gleichsam Pop Science mit Spassverderbercharakter. Sie kühlen die Exaltationen des gegenwärtigen Wissenschafts- und Technikbetriebes auf Normaltemperatur, das heisst auf ein menschliches Mass, herunter. Es geht in den vorliegenden Essays also wörtlich um Versuche, dieses Mass in all den menschenflüchtigen Horizonten aufzuspüren, die sich heute in Technik, Wissenschaft, Medizin und Wirtschaft aufspannen. Eduard Kaeser, geboren 1948 in Bern, ist Physiker und promovierter Philosoph. Er ist als Lehrer, freier Publizist (u.a. für die NZZ) sowie als Jazzmusiker tätig und erhielt 2006 den ersten Preis des Essaywettbewerbs "Ich arbeite, also bin ich". 2008 erschien im Wiener Passagen Verlag die Essaysammlung Der Körper im Zeitalter seiner Entbehrlichkeit. Thematisch dreht sich seine Schreibarbeit um zwei Gravitationszentren: die Möglichkeit einer Anthropologie in einer Welt der Geräte und die Möglichkeit eines lebbaren Universalismus in einer multikulturellen Welt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 01.08.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783796526473
    Verlag: Schwabe Verlag Basel
    Serie: Schwabe reflexe Bd.1
    Größe: 964 kBytes
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Pop Science

Prolog: Little Science, Big Science, Pop Science

Quizmaster: "Warum sind die Tage im Sommer länger als im Winter?"

Kandidat: "Hitze dehnt aus, Kälte zieht zusammen."

Der amerikanische Atomphysiker Alvin Weinberg prägte 1961 den Begriff der Big Science , der Großforschung. 1 Er wies damit auf eine neue, industrialisierte Form der Wissensproduktion hin, die sich seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges - seit der Entwicklung der Atombombe im Manhattan-Projekt - Bahn gebrochen hat. Das Wort weckt Assoziationen mit Großkonzernen - Big Business -, und in der Tat kann man in ihm eine durchaus treffende Charakterisierung des heutigen wissenschaftlichen Unternehmertums sehen, das alles bisherige Forschen in den Schatten eines gewandelten Selbstbildes des Wissenschaftlers stellt. Die schieren Zahlenverhältnisse sprechen für sich. Der Großforschungscharakter zeigt sich allein schon an der Massierung der Wissenschaftler in der Gegenwart. Wie der Historiker Derek John de Solla Price 1963 in seinem schmalen, aber einflussreichen Bändchen mit dem Titel Little Science, Big Science schrieb, "leben 80-90% aller Wissenschaftler, die je gelebt haben, heute [...]. Jeder junge Wissenschaftler, der heute beginnt und am Ende seiner Laufbahn auf eine normale Lebensphase zurückblicken kann, wird sehen, dass von allen bis dahin geleisteten Arbeiten 80-95% vor seinen eigenen Augen durchgeführt wurden." 2

Little Science - das war die Ära der in Gelehrtenstuben, Werkstätten oder Kellergewölben laborierenden faustischen Einzelgänger. Ein dunkel-romantischer Hauch umgibt sie bis heute, auch wenn die Big Science längst dem rationalen Regime des Forschungsmanagements, der Organisationsstrukturen, der international vernetzten Projekte und betriebsökonomischen Kalküle zu gehorchen begonnen hat.

Der moderne Großkomplex Forschung ist nun seinerseits seit einiger Zeit in eine andere Ära eingetreten und hat darin Züge angenommen, die meiner Meinung nach ein neues Epitheton rechtfertigen. Ich nenne sie die Ära der Pop Science . 3

Von der Popularisierung zum Pop

Pop Science ist nicht Populärwissenschaft, obwohl sie natürlich deren Tradition entstammt. Und man kann in ihr durchaus Elemente finden, die die populärwissenschaftliche Literatur immer schon ausgezeichnet haben: Belehrung, Bildung, Unterhaltung. Bereits Galileis in der "Vulgärsprache" Italienisch geschriebenen Dialoge sind eine Mischung aus diesen Bestandteilen. Bernard de Fontenelle publizierte 1686 mit den Entretiens sur la pluralité des mondes den ersten Bestseller des neuen Wissens. Im 18. Jahrhundert popularisierte der "Damenphilosoph" Francesco Algarotti Newtons Mechanik und Optik, ebenfalls in Form von Dialogen. Il Newtonianismo per le dame hieß sein Buch, das den Salons der europäischen Damenwelt die Geheimnisse der neuen Naturphilosophie nahezubringen suchte. Es wurde berühmt und vielfach übersetzt. Populärwissenschaft hat in den westlichen Gesellschaften seit der Aufklärung mit ihrer Idee der Selbstbestimmung des Menschen, der Emanzipation des Bürgertums und der Demokratisierung des Wissens ihre hohe zivilisatorische Stellung als Bildungswert erhalten und auch behalten. Das Genre der populärwissenschaftlichen Literatur entwickelte sich im 19. Jahrhundert, angefangen etwa mit Alexander von Humboldts Kosmos-Bänden, berühmt geworden durch Jules Vernes Romane, den europäischen Markt geradezu explosionsartig erobernd seit der Londoner Weltausstellung 1851 mit ihrem "Fest des Fortschritts".

Pop Science ist eine Mixtur aus solch "volkspädagogischer" Tradition und mod

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