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Seniorendemokratie Die Überalterung der Gesellschaft und ihre Folgen für die Politik von Richter, Emanuel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.04.2020
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
19,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Ab 06.04.2020 per Download lieferbar

Online verfügbar

Seniorendemokratie

Welche Folgen hat die dramatische Überalterung der Gesellschaft für unsere Demokratie? Werden einige wenige wohlsituierte "Best Ager" und "Silver Surfer" die politische Partizipation an sich reißen und eine Wutbürger-Interessenvertretung betreiben, die nur die Bedürfnisse ihrer Altersgruppe im Blick hat? Oder erfüllt sich die demokratische Hoffnung auf eine erweiterte und intensivierte politische Beteiligung der Seniorinnen und Senioren, die allen Generationen zugutekommt? Damit letzteres gelingt, so Emanuel Richter, müssen die herrschenden Altersbilder kritisch durchdacht, die soziale Spaltung im Kreis der Senioren vermindert und die spärlichen Beteiligungsangebote phantasievoll erweitert werden. Demokratie statt Demenz lautet die Devise. Emanuel Richter ist Professor am Institut für Politische Wissenschaft der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 250
    Erscheinungsdatum: 06.04.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518763629
    Verlag: Suhrkamp
    Größe: 1922 kBytes
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Seniorendemokratie

7 Einleitung: Die mangelnde politische Auseinandersetzung mit den Senioren

Das Motto der Gegenwart und der nächsten Jahrzehnte muss lauten: "Ageing Matters!" Das soll heißen: Das Alter und die Alterung sind hoch bedeutsam und gehen uns alle an. "Ageing Matters" ist eine klangvolle Formel aus der internationalen Ratgeberliteratur. Mit diesem Ausruf ist nicht nur gemeint, dass dem Lebensalter, ob jung oder alt, in allen öffentlichen Belangen mehr Beachtung zukommen sollte. Dieser Ruf zielt im Besonderen auf eine erhöhte Aufmerksamkeit für die Lage und die Belange der älteren Generationen . Denn in der ganzen Welt nimmt die Zahl der Senioren beträchtlich zu, und dieser Trend wird noch bis mindestens zur Mitte dieses Jahrhunderts anhalten. Es zeichnet sich ein massives Ungleichgewicht zwischen den verschiedenen Altersgruppen ab. "Ageing Matters" - das fordert dazu auf, über die soziale und ökonomische Lage, über die Integration und über die politische Rolle von immer mehr Senioren verstärkt nachzudenken. Wenn es so viele ältere Menschen gibt, dann entstehen daraus auch neue Herausforderungen für die Demokratie. Als Betroffene werden die Senioren in der politischen Sphäre bereits immer deutlicher sichtbar. Inwieweit können und sollen sie auch als Handelnde mehr politisches Gewicht erlangen? Erweisen sich die Senioren bei genauerer Betrachtung als die einstmaligen, als die restlichen oder als die vermehrt in Erscheinung tretenden Repräsentanten einer politisch interessierten und engagierten Bürgerschaft? Welche Möglichkeiten zur politischen Partizipation bestehen oder bieten sich vor dem Hintergrund der alternden Gesellschaft an?

Eine deutlich gealterte Bürgerschaft kann für die Demokratie zum Fluch oder zum Segen werden. Die allererste Befürchtung ist: Es droht ein erbärmliches Absterben der Demokratie. Wenn man von der Annahme ausgeht, dass sich ältere Menschen weniger für die Politik interessieren und engagieren als jüngere, dann wird sich die Politikverdrossenheit schlicht deshalb ausbreiten, weil die Zahl der Senioren wächst. Das Interesse der Senioren für die Politik könnte schwinden, weil die meisten von ihnen mit der Sorge um 8 ihr tägliches Auskommen sowie mit der Pflege ihrer angegriffenen Gesundheit völlig ausgelastet sind. Der Demokratie würden durch die wachsende Zahl alternder, politisch passiver Bürger die Akteure entzogen. Übrig blieben allenfalls noch einige wenige, alternde Profipolitiker in politischen Führungsämtern, die vielleicht sogar so von ihrer eigenen Kompetenz und Altersweisheit überzeugt und eingenommen wären, dass sie dem Versuch erliegen würden, sich über Sonderregelungen oder gar über Notstandsverordnungen der üblichen Begrenzung ihrer Amtszeit zu entziehen. Beispiele dafür gibt es heute schon genug. Immer enden sie in der autokratischen Herrschaft von auf jung getrimmten Greisen, die demokratische Prozesse außer Kraft setzen und dem Volk nachhaltig schaden. Es käme zu einer Vergreisung der Demokratie, die gleichzeitig ihr Ende einläuten würde.

Eine andere Befürchtung richtet sich genau umgekehrt auf die wachsende politische Einflussnahme einer zahlenmäßig starken und dominanten Altersgruppe. Droht uns eine Herrschaft der Senioren, indem sie zahlreiche politischen Ämter sowie große Teile des Bürgerengagements an sich reißen und ausschließlich Klientelpolitik betreiben? Diese Befürchtung gewinnt Nahrung durch den Trend, dass die Jungen aufgrund ihrer familiären und beruflichen Belastungen immer weniger Zeit für das politische Engagement aufbringen können. Aber sicherlich werden nicht alle Senioren in der politischen Sphäre in Erscheinung treten. Wiederum wird sich ein sozialer Spaltpilz bemerkbar machen, der jene Senioren von der politischen Betätigung ausschließt, die tagtäglich um ihre materielle Grundversorgung kämpfen müssen. Die zu erwartende Schar an armutsbedrohten Senioren könnt

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