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Die Nacht Reise in eine verschwindende Welt von Bogard, Paul (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.06.2014
  • Verlag: Blessing
eBook (ePUB)
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Die Nacht

Auf der Suche nach Dunkelheit in einer Welt des künstlichen Lichts

Die Nacht verschwindet. Über die ganze Erdkugel verteilt sich nachts gleißendes Licht von Straßenlaternen, Wohnhäusern, Tankstellen. Betrachtet man sich die nächtlichen Kontinente unseres Planeten auf Satellitenfotos, scheinen sie in Flammen zu stehen - so viel Licht strahlen sie aus. Das meiste davon ist reine Verschwendung. Unser lichtgesättigtes Zeitalter ermöglicht uns kaum noch die Vorstellung von einer Zeit, in der die Nacht wirklich dunkel war. Schon heute erleben rund zwei Drittel aller Amerikaner und Europäer keine wirkliche Nacht mehr oder wohnen in einer Region, die als lichtverschmutzt gilt. Dabei ist die natürliche Dunkelheit der Nacht unerlässlich für unsere Gesundheit und die aller Lebewesen.

Paul Bogard begibt sich - vom hellsten bis zum dunkelsten Punkt der Erde - auf eine faszinierende Suche nach natürlicher Dunkelheit in einer Welt, die durch zunehmende Elektrifizierung immer heller wird.

Paul Bogard lehrt Englisch an der Wake Forest University in North Carolina und ist Herausgeber der Anthologie 'Let There Be Night: Testimony on Behalf of the Dark'. Bogard wuchs unter dem Sternenhimmel des nördlichen Minnesota auf, bevor er in Literatur und Umwelt an der University of Nevada promovierte und zahlreiche Beiträge und Artikel zum Thema Nacht und Natur veröffentlichte. Regelmäßig spricht Bogard auf Konferenzen, an Universitäten und Colleges, in Nationalparks und für Umweltschutzorganisationen über Dunkelheit und Lichtverschmutzung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 09.06.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641093167
    Verlag: Blessing
    Originaltitel: The End of Night
    Größe: 8544kBytes
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Die Nacht

Einführung

Das Dunkel verstehen

Haben Sie jemals Dunkelheit erlebt, junger Mann?

Isaac Azimov (1941) 1

W as in Las Vegas geschieht, bleibt nicht in Las Vegas, jedenfalls nichts, was zur Lichtverschmutzung beiträgt. 2 Das Licht der Stadt sickert nicht nur in die umgebende Wüste ein, sogar Nationalparks in Nevada, Kalifornien, Utah und Arizona, die den Auftrag haben, ihre "Lichtlandschaften" so "unversehrt zum Wohle künftiger Generationen" zu bewahren wie ihre geografischen Landschaften, berichten von leuchtenden Horizonten und ausgelöschten Sternenhimmeln. Ich bin gerade auf dem Weg zu einem dieser Naturschutzparks, dem Great Basin – zweihundertfünfzig Meilen nördlich der Route 93 durch Nevada, die zweispurig von der Interstate 15 bis Ely verläuft –, um mit eigenen Augen zu sehen, was dort von der Dunkelheit geblieben ist.

Landauf, landab die gleiche Geschichte – dunkle Flecken verschwinden von der Landkarte. Computergrafiken auf Grundlage von NASA-Nachtaufnahmen offenbaren, wie stetig sich das Licht zwischen Ende der 1950er und Mitte der 1990er Jahre ausgebreitet hat. Begleitende Computerberechnungen prognostizieren, dass im Jahr 2025 die gesamten Vereinigten Staaten östlich des Mississippi von einem rot-gelb glühenden Ausschlag übersät sein werden, unterbrochen nur von den grellweißen Pusteln der dicht besiedelten Ballungsräume. Selbst westlich des großen Stroms werden dann nur noch kleine Flecken von nächtlichem Schwarz zu finden sein, allesamt eingekreist von einer Zivilisation, die immer weiter an deren schon heute ausgefransten Rändern nagt. Aber noch ist die Wüste im östlichen Nevada mit dem Great Basin National Park im Zentrum eine der dunkelsten Geografien auf der Landkarte der Vereinigten Staaten. Deshalb bin ich hier, deshalb fliehe ich aus Las Vegas zum vielleicht dunkelsten Fleck in meinem Land.

Es ist früher Abend. Ich fahre vor mich hin und beobachte, wie sich die Szenerie draußen allmählich verändert. Die Temperatur fällt, die Tiere beginnen ihre Glieder zu strecken und sich auf Pfoten oder mit Schwingen auf den Weg zu machen. Auch in die Nachtblüher kehrt Leben zurück. Den ganzen Tag über haben die Wüstenfelsen Hitze gespeichert, sich unter der Sonne ausgedehnt und mit ihrer Thermalstrahlung die Falken im Himmel glücklich und die Passagierflugzeuge im Landeanflug unglücklich gemacht. In der Nacht kehrt sich der Energiefluss um, die Temperatur sinkt um dreißig bis vierzig Grad, während die Wüstenfelsen glühen und Wärme abgeben wie Holzöfen im Winter. Im natürlichen Rhythmus von Tag und Nacht heben und senken sich ganze Berge wie die Brust eines schlafenden Wesens.

Im Osten glühen die Bergketten noch im Abendrot, im Westen verlieren ihre Konturen bereits an Schärfe und lösen sich zu Silhouetten auf, während die Dunkelheit an ihnen hinabgleitet und sie schließlich mit ihrem langen Vorhang verhüllt. Wir nennen diese Zeitspanne "Zwielicht". In der Astronomie gibt es drei graduelle Stadien der Dunkelheit nach dem Schwinden des Sonnenlichts: ein ziviles (auch "bürgerliches" genannt), ein nautisches (auch "mittleres" genannt) und ein astronomisches Stadium. Diese Einteilung stammt aus dem 20. Jahrhundert und meint mit "zivil" den Zeitraum, in dem man nicht mehr ohne Licht autofahren sollte, mit "nautisch" den Zeitraum, in dem die Dunkelheit bereits ausreicht, um die zum Navigieren nötigen Sterne sehen zu können, und mit "astronomisch" den Zeitraum, in dem der Himmel dunkel genug ist, um auch schwächer

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