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Ethnie als Ware Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung mit Frauen der Ethnie Rroma von Geisler, Alexandra (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.10.2015
  • Verlag: Tectum Wissenschaftsverlag
eBook (ePUB)
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Ethnie als Ware

Vorurteile und konstruierte Bilder in Bezug auf den oder die 'Anderen' sind kein wünschenswerter, jedoch ein vielfach beobachtbarer Bestandteil einer jeden Gesellschaft. Die Ethnie der Rroma gilt hierbei als eine der am meisten diskriminierten und an den gesellschaftlichen Rand gedrängten Minderheiten Europas. Zugleich weisen Untersuchungen auf eine erhebliche und überdurchschnittliche Präsenz von Rroma unter den Betroffenen des Menschenhandels hin. Alexandra Geisler fühlt hier nach und lässt dabei auch Rroma selbst zu Wort kommen. Sie untersucht die Differenzierungen und Kategorisierungen der Ethnie Rroma im Menschenhandelsdiskurs, offenbart die dabei beobachtbaren Strategien des 'Otherings' und hinterfragt diese kritisch auf ihre Selbstverständlichkeit. Denn die gesellschaftlichen Wahrnehmungen, Ansichten und kollektiv geteilten Bilder von Rroma dienen oftmals nur dazu, die vorherrschenden Machtgefälle, Herrschafts- und Unterdrückungsverhältnisse zu legitimieren oder diese noch zu verstärken.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 312
    Erscheinungsdatum: 28.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783828863194
    Verlag: Tectum Wissenschaftsverlag
    Größe: 1115 kBytes
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Ethnie als Ware

II. DIE MINORISIERTEN RROMA : ODER ETHNIZITÄT ALS PRIMORDIALE BINDUNG, RESSOURCE ODER SOZIALE KONSTRUKTION

"There was a popular belief that gypsies were descended from a union of the first gypsy women with the devil." 28

Rroma wurden in den letzten Jahren von unterschiedlichen wissenschaftstheoretischen Zugängen her betrachtet, so zum Beispiel tsiganologische Zugänge 29 , pädagogische 30 , ethnologische 31 , soziologische 32 , politologische 33 , historische 34 , linguistische 35 , ökonomische Zugänge 36 , Antiziganismusforschung 37 . Die Interpretationen dessen, wer die Rroma sind, was die Ethnie bzw. Kultur ausmacht, ob es eine oder mehrere Varianten gibt oder überhaupt eine spezifische Ethnie, ist daher auch sehr unterschiedlich. Positive Zuschreibungen bezwecken mitunter eine Romantisierung, ohne die Realität widerzuspiegeln, wohingegen negative Stereotypen eine Marginalisierung, Diskriminierung und Stigmatisierung bewirken bzw. bestätigen. So auch Barbara Limanowska wenn sie angibt, dass viele PraktikerInnen und NGOs im Kampf gegen den Menschenhandel unterstreichen"...the involvement of some Roma people in trafficking, the lack of critical voices from within Roma communities and of Roma involvement in anti-trafficking work.NGOs working on trafficking issues complained about the lack of access to this group, the lack of interest on the part of the Roma community to address the issue and lack of co-operation between organisations - inside the community and between Roma and non-Roma NGOs." 38 Durch solche Konzepte von Kultur und Ethnie entsteht der Eindruck nach außen geschlossener Rroma gemeinschaften, die kulturell homogen sind und nur widerstrebend Kontakt mit der jeweils dominanten Mehrheitsbevölkerung aufnehmen. In der Forschung zum Menschenhandel werden die Vielfalt von und die Unterschiede zwischen Rroma oftmals kaum wahrgenommen, bzw. die Benutzung der Identitätszuschreibung Rroma kritisch betrachtet. Dies ist jedoch für das Risiko des Menschenhandels bedeutend sowie die Wechselwirkung mit anderen Faktoren wie Arbeit, sozioökonomische Position, Bildungsmangel, Zugang zum Arbeitsmarkt, Sozialleistungen, Grad der Integration sowie die nationalen bzw. regionalen Ausprägungen des Menschenhandels. Denn ethnische Identität ist Anya Peterson Smith zufolge nur eine unter einer Vielzahl von Identitäten einer Gruppe oder Person und "(...) it is developed, displayed, manipulated, or ignored in accordance with the demands of particular situations". 39 Dies findet jedoch nicht nur in Bezug auf die Selbstbezeichnung, sondern ebenfalls in Bezug auf die Fremdbezeichnung statt, was in diesem Kapitel näher zu erläutern ist.

Der Schwerpunkt dieses Kapitels liegt auf einer kritischen Reflexion von Wissenschaft und Forschung hinsichtlich ihrer Rolle bei der Konstruktion, Normierung oder Naturalisierung ethnischer Differenz. Dies ist jedoch nur möglich mit einer Auseinandersetzung, die sich mit der ethnischen Konstruktion von Personen und den damit verbundenen Machtverhältnissen befasst.

Wenn angenommen wird, dass der Begriff Rroma eine gemeinsame Identität bezeichnet, entsteht das Problem, dass die ethnische Identität in verschiedenen historischen Kontexten nicht übereinstimmend und einheitlich gebildet wurde und sich zudem mit anderen Identitäten überschneidet wie z.B. Geschlecht, Sexualität, Herkunft, Alter, Aufenthaltsstatus, Religion, Klasse etc.. Ferner werden Grenzen zwischen Ethnien im täglichen Handeln ständig neu markiert. Die Aufrechterhaltung von Differenz wird genutzt zur Rechtfertigung und Perpetuierung von Rang- und Wertordnungen, für den Zugang zu Ressourcen sowie zur Sicherung personaler, gruppenspezifischer, nationaler u.a. Identitäten. Ein- und Ausschlussmechanismen werden durch die Herstellung von Differenz und eine Hierarchisierung durch Stereotypisierung

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